Donnerstag, 22. August 2019

Vertrag von Janina Kugel wird nicht verlängert Warum Siemens-Chef Kaeser und seine prominenteste Vorständin sich trennen

Demnächst getrennte Wege: Siemens-CEO Kaeser und Personalchefin Kugel.

Während die Nachricht über Janina Kugels bevorstehenden Abschied von Siemens über die Ticker und Webseiten flimmerte, genoss die prominenteste Vorständin des Weltkonzerns den Sonntag in der Sonne Berlins: Auf Instagram postete sie ein Foto des kunterbunten Siemens-Trucks, der beim "Christopher Street Day" (CSD) durch den Tiergarten fuhr. Darauf stand in riesigen Graffiti-Lettern: "Every riot starts with your voice" (Jeder Aufstand beginnt mit Deiner Stimme). Das diesjährige CSD-Motto passt ein bisschen auch zu Janina Kugel.

Schon am Samstag war über die Online-Ausgabe des "Handelsblatts" durchgesickert: Kugels Ende Januar 2020 auslaufender Vertrag wird voraussichtlich nicht verlängert. Die Entscheidung steht für die Sitzung des Siemens-Aufsichtsrats am kommenden Mittwoch an.

Kugel, Vorstandschef Joe Kaeser sowie Chefkontrolleur Jim Hagemann Snabe seien in den vergangenen Wochen übereingekommen, dass die Personalchefin nach nur fünf Jahren im Vorstand den Münchner Industrieriesen verlässt, erfuhr manager-magazin.de aus Konzernkreisen. Ein Siemens-Sprecher sagte am Sonntag, derartige Spekulationen könne er nicht kommentieren.

Für die Öffentlichkeit kommt der Abgang der 49-Jährigen nach etwa 17 Siemens-Jahren überraschend. Kugel hatte sich in ihrer Vorstandszeit mit ihrer umfassenden medialen Präsenz zu Fragen von Diversität und Führung neben Kaeser als Gesicht des Industrieriesen etabliert und war 2018 von manager magazin zur Wirtschaftsfrau des Jahres gekürt worden. Mit ihrem speziellen Managementstil hat sie aus sich selbst eine Marke gemacht, beschrieben in diesem ausführlichen Porträt: Popstar im Siemens-Vorstand.

Wer dagegen in den vergangenen ein, zwei Jahren ihr Zusammenspiel mit dem mindestens ebenso medien- und machtbewussten CEO verfolgte, vernahm öfter Spannungen. Vor allem 2018, als Kugel mit den Arbeitnehmervertretern schmerzhafte Kürzungen in der kriselnden Kraftwerkssparte verhandeln musste und Kaeser ihr immer mal wieder in den Rücken fiel.

Letztlich, so heißt es am Wittelsbacher Platz, hat die gesamte Konstellation für alle Beteiligten nicht mehr so recht gepasst. Das Personalressort verliert mit jedem Schritt, mit dem Kaeser den Technologieriesen zur Holding wandelt, weiter an Bedeutung. Bei Siemens' notierten Töchtern Siemens Healthineers (Medizintechnik) und Siemens Gamesa (Windräder) hat die Konzernarbeitsdirektorin jetzt schon kaum noch etwas zu sagen.

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Bis September 2020 soll zudem Siemens' Energiesparte an die Börse; Kaeser will die Mehrheit am sogenannten "Siemens Powerhouse" an die eigenen Aktionäre verteilen. Dann schrumpft die einstige Industrieikone auf einen "industriellen Kern", der aus zwei Sparten zur Digitalisierung von Fabriken und von Gebäuden besteht, und der Zugsparte. Diese gilt nach der geplatzten Fusion mit Alstom Börsen-Chart zeigen mittelfristig ebenfalls als Börsenkandidat.

Der für die zweite Säule Smart Infrastructure (SI) zuständige Vorstand Cedrik Neike wird nach Informationen von manager-magazin.de einen neuen Vertrag erhalten. Neikes Kontrakt, der Ende Mai 2020 nach drei Jahren endet, wird wohl sogar schon am kommenden Mittwoch prolongiert. Dies ist früher als üblich: Bei einfachen Vorständen entscheidet der Siemens-Aufsichtsrat normalerweise erst sechs Monate vor Ablauf über eine Verlängerung.

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