Mittwoch, 20. November 2019

Vertrag von Janina Kugel wird nicht verlängert Warum Siemens-Chef Kaeser und seine prominenteste Vorständin sich trennen

Demnächst getrennte Wege: Siemens-CEO Kaeser und Personalchefin Kugel.

2. Teil: Künftig nur noch sieben Siemens-Vorstände

Kugel ist die zweite Topmanagerin, die über viele Jahre mit Kaeser bei Siemens Börsen-Chart zeigen aufstieg und jetzt seiner Zergliederungsstrategie zum Opfer fällt. Ende Juni war schon Mariel von Schumann ausgeschieden, die jahrelang als Governance-Chefin und "Chief of Staff" für den CEO die Fäden in der Hand hielt.

Nach Kugels Abgang wird der Siemens-Vorstand wohl auf sieben Mitglieder schrumpfen. In Konzernkreisen wird damit gerechnet, dass das Personalressort einem der verbleibenden Vorstände zugeschlagen wird. Bei der davon wohl düpierten Arbeitnehmerseite war am Sonntag dazu keine Stellungnahme erhältlich. Einen neuen Vorstandsjob hat die umschwärmte Personalerin derzeit offenbar nicht in Aussicht.

Von bisher vier Vorständinnen in der Siemens-Geschichte ist Kugel die dritte, die nach den ersten fünf Jahren im Amt keine Verlängerung bekommt. Ihre Vorgängerin Brigitte Ederer ging nach verlorenem Machtkampf mit der IG Metall sogar vorzeitig. Allein der Vertrag der seit 2014 amtierenden Energievorständin Lisa Davis wurde vergangenen Herbst verlängert, allerdings nur um ein bis zwei Jahre. Dies geschah angeblich auf Davis' Wunsch.

Tatsächlich hatte Kaeser damals die Trennung vom Kraftwerksgeschäft perspektivisch schon angedeutet. Als CEO einer in Frankfurt notierten Aktiengesellschaft gilt die Amerikanerin jedoch als kaum geeignet, nicht nur mangels deutschen Sprachkenntnissen.

Wer das Kraftwerksgeschäft 2020 als CEO an die Börse führt, ist nach wie vor unklar. Die Diskussionen darüber könnten sich noch einige Wochen hinziehen. Als Favorit gilt der für Siemens Healthineers Börsen-Chart zeigen und Siemens Gamesa zuständige Vorstand Michael Sen. Sen kann neue Aufgaben gebrauchen: Denn Gamesa wird dem neuen Siemens Powerhouse zugeschlagen. Der Healthineers-Chefaufseherposten und Sens Zuständigkeit für die internen Dienstleister für IT und andere Standardprozesse dürften seinen Siemens-Vorstandsposten alleine kaum rechtfertigen.

Während das Siemens-Reich immer weiter zerfällt, profiliert sich der 62-jährige Kaeser mit Blick auf seine Anfang 2021 auslaufende Amtszeit immer stärker als politischer CEO. Kaum eine Woche vergeht, in der er nicht das Weltgeschehen über Twitter kommentiert.

Die Erläuterung der Vorstandspersonalia sowie voraussichtlich relativ schwacher Quartalszahlen gegenüber den Wirtschaftsmedien wird der Vorstandschef am kommenden Donnerstag (1. August) dagegen voraussichtlich seinem Finanzchef Ralf Thomas und Technikvorstand Roland Busch überlassen. Kaeser sei wegen eines wichtigen Kundentermins verhindert, heißt es in Siemens-Kreisen.

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