Sonntag, 25. August 2019

Trendthema Teilen Sharing Economy ist Neo-Neoliberalismus

Fahrdienst-App Uber: Nur unwesentlich billliger als normale Taxis
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Fahrdienst-App Uber: Nur unwesentlich billliger als normale Taxis

AirBnB, Uber und andere Vermittlungsplattformen gelten vielen als revolutionär. Dabei haben sie ein ganz altes Geschäftsmodell nur neu benannt - und die Nutzer fallen darauf herein.

Berlin - Journalisten würde man unterstellen, vorher zu recherchieren. Insofern muss ich also mal ein ernstes Wörtchen mit mir wohlbekannten Kollegen reden: Die kamen tatsächlich auf die Idee, das Journalistenklassentreffen auf das erste Oktoberwochenende zu legen. Am Feiertagswochenende. Am Oktoberfestwochenende. In München. Vielen Dank.

In der jüngeren Vergangenheit habe ich mich bei solchen Situationen auf das Internet verlassen, den Heilsbringer der Sparfüchse. Es gibt ja AirBnB! Couchsurfing! Wimdu! Privatunterkünfte zum günstigen Preis!

Die Ernüchterung kam, als ich tatsächlich dort nach bezahlbaren Zimmern suchte.

Als Sharing Economy werden solche Portale in letzter Zeit gern bezeichnet, das klingt neu, modern, zeitgemäß. Uber ist auch so ein Anbieter, der unter diesem Schlagwort gerade ziemlich rabiat auf den deutschen Taxifahrten-Markt drängt - trotz einstweiliger Verfügung ist die App weiter online. Die Fans von Uber, AirBnB und Co. finden das toll. Für sie gehört der Sharing Economy die Zukunft. Medienwissenschaftler, auf der Suche nach Relevanz, greifen das gerne auf, fabrizieren prognoseschwangere Studien, Soziologe haben endlich ein anderes Thema als die 1284. Max-Weber-Interpretation und fabulieren über den gesellschaftlichen Trend zum Teilen.

"Teilen" klingt kuschelig und gemeinschaftlich

Und Medien, soziale zumal, greifen das gerne auf und zitieren solche scheinbaren Autoritäten. Es gibt den Fans ja recht, es zeigt ihnen, sie stehen auf der richtigen Seite, der Seite der Moderne und der technischen wie sozialen Avantgarde.

Die Sache hat nur einen Haken: Das ist alles Quatsch. Der Begriff Sharing Economy ist nämlich ein Widerspruch in sich. Er ist Hirnsedativum, Partyplaudervorlage, VWLer-Powerpoint-Füller - aber keine adäquate Bezeichnung für solche Portale.

Schuld daran ist der Begriff Sharing: Teilen heißt das bekanntermaßen, klingt so kuschelig, so gemeinschaftlich, nach Gerechtigkeit und sozialem Ausgleich. Aus demselben Grund nennen sich moderne Immobilieninvestoren auch lieber Baugruppe, das klingt mehr nach Kindergarten als nach Gentrifizierung und Geldgeschäften - worum es sich tatsächlich handelt.

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