Montag, 14. Oktober 2019

Weltgrößter Schweinemarkt in Not - Peking gibt Reserven frei Schweinepest in China treibt EU-Exporte in die Höhe

Schweine auf Farm in China: Die Schweinepest hat den Bestand in der Volksrepublik bereits erheblich dezimiert.

Die Krise am chinesischen Schweinemarkt wird mehr und mehr zum Konjunkturmotor für die europäische Fleischindustrie. Seit etwa einem Jahr wütet in China die Afrikanische Schweinepest, Schätzungen zufolge wurde der Bestand der Tiere in der Volksrepublik dadurch bereits um bis zu ein Drittel dezimiert. Folge: Das Land muss zunehmend Schweinefleisch importieren - zu einem großen Teil aus der Europäischen Union (EU). Und das zu rasant steigenden Preisen.

Inzwischen ist die Notlage in China bereits so weit gediehen, dass Peking die Schweinfleischreserven des Landes freigibt. Wie der US-Sender CNN berichtet, wollen die Verantwortlichen 10.000 Tonnen aus den staatlichen Reserven auf den Markt werfen, um diesen zu stabilisieren. Immerhin seien die Preise in den vergangenen Monaten bereits um bis zu 50 Prozent in die Höhe geschossen. Das gefrorene Fleisch werde am Donnerstag online versteigert, so der Bericht, der sich auf eine Mitteilung des staatlichen China Merchandise Reserve Management Center bezieht.

Peking greift ein - auch deutsche Schlachter mischen mit

Ursprünglich stammen die chinesischen Schweinefleischreserven, die jetzt zur Versteigerung kommen, dem Bericht zufolge aus den USA, Deutschland, Großbritannien, Dänemark, Frankreich und Chile. Die EU hatte bereits vor Kurzem auf die steigenden Schweinefleischexporte aus Europa nach Fernost hingewiesen.

Hintergrund: China ist der mit Abstand größte Schweineproduzent der Welt und zugleich auch der größte Importeur von Schweinefleisch. Die Volksrepublik ist auch wichtigster Kunde europäischer Exporteure. Schweinefleisch ist seit jeher ein wichtiger Bestandteil der chinesischen Ernährung. Gegenwärtig stehen zudem die Feierlichkeiten des 70. Geburtstags der Volksrepublik im kommenden Monat an - ein Anlass, zu dem noch einmal zusätzliche Mengen an Schweinefleisch benötigt werden dürften.

Schweinefleischpreise um mehr als 50 Prozent gestiegen

So unangenehm die Schweinepest die Lage für die Chinesen macht, so erfreulich ist die Entwicklung für europäische und darunter auch deutsche Fleischproduzenten. Angetrieben durch die große Nachfrage im Reich der Mitte steigen die gesamten europäischen Fleischexporte laut EU in diesem Jahr auf 2,92 Millionen Tonnen. Gegenüber dem Vorjahr, als 2,68 Millionen Tonnen den Kontinent verließen, bedeutet das ein Plus von etwa 9 Prozent.

Hinzu kommt: Die hohe Nachfrage hat bereits eine regelrechte Preisrallye bei Schweinfleisch in Gang gebracht. Das Fachmedium "Agrar heute" beispielsweise zitierte kürzlich einen EU-Beamten mit der Einschätzung, mit den chinesischen Schweinefleischpreisen könnte es in der zweiten Jahreshälfte um bis zu 70 Prozent nach oben gehen. Im Vorjahr waren die Preise dem Bericht zufolge aufgrund einer steigenden Produktion in Europa noch unter Druck geraten. Dieser Trend hat sich zumindest für den Moment offenbar gedreht.

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