Sonntag, 21. April 2019

Schuldenerlass für Heinrich Schoeffler Warum der Steuerzahler diesem Hamburger Reeder 800 Millionen Dollar schenkt

Geldgrab: Die Containerschifffahrt steckt seit Jahren in der Krise, Schifffahrt-Fonds gehen reihenweise pleite. Doch Reeder und halbseidene Fonds-Initiatoren legen immer neue Schiffe auf - weil sie weiterhin davon profitieren

Die HSH Nordbank will nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" dem Unternehmen des Reeders Heinrich Schoeller rund 800 Millionen Dollar Schulden erlassen. Die genauen Konditionen würden noch verhandelt, heißt es in dem Bericht. Die betroffenen Unternehmen und die Hamburger Finanzbehörde äußerten sich nicht dazu.

Das Unternehmen Schoeller Holdings im Steuerparadies Limassol auf Zypern hatte zeitweise bis zu 1,5 Milliarden Euro von der HSH Nordbank geliehen. Die Kredite stammen aus den Jahren 2005 bis 2008, also der Zeit unmittelbar vor Beginn der Schifffahrtskrise, als die Bank einen stark expansiven Kurs steuerte.

Es war auch die Zeit, in dem Reeder und Initiatoren von Schifffahrt-Fonds allein durch die Auflage neuer Fonds Millionenbeträge einstrichen. Die so genannten "Weichkosten" (Ausgabeaufschlag, Verwaltungskosten etc) dieser Fonds betrugen oft mehr als zehn Prozent der Anlagesumme. Viele Anleger, die diese Fonds gezeichnet haben, sitzen nun im Gegensatz zu den Reedern auf hohen Verlusten, während die Reeder immer neue und größere Schiffe auflegen.

Reeder verbrennen Geld der Anleger - und sanieren sich auf Staatskosten

Auch die HSH Nordbank ist wegen ihrer faulen Schiffs-Kredite beinahe kollabiert. Die Bank steht gegenwärtig im Verkaufsprozess und bemüht sich, problematische alte Schiffskredite zu bereinigen. Dafür hat sie in den vergangenen Jahren fünf Milliarden Euro Risikovorsorge gebildet.

In dieser Situation sind Schuldennachlässe zu erwarten, soweit sie der Bank Vorteile bringen. Das aktuelle Jahresergebnis würde durch eine solche Maßnahme nicht belastet. Im vergangenen Jahr war ein Schuldenschnitt für den Hamburger Reeder Bernd Kortüm von 547 Millionen Euro bekannt geworden.

Zahlreiche Schuldenschnitte für Reedereien hat die Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein im zurückliegenden Jahr vorgenommen, um ihre Bilanz von Altlasten zu befreien. Der Schuldenschnitt für Schoeller, dessen Tochterfirmen Hanse Bereederung und Columbia Shipmanagement in Hamburg sitzen, ist dabei der mit Abstand größte, berichtet die "Welt".

Geradestehen werden dafür, weil die HSH Nordbank bislang noch ein öffentliches Unternehmen ist, auch die Steuerzahler in Hamburg und Schleswig-Holstein. Denn die Abschreibungen auf Schoellers Schulden sind teils auch durch den staatlichen Garantierahmen in Höhe von insgesamt zehn Milliarden Euro gedeckt, den die Bank mittlerweile komplett in Anspruch genommen hat.

la/dpa/reuters

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