Montag, 16. September 2019

Ex-Finanzchef sagt im Prozess aus Geplatzte Lastschrift führte angeblich zur Schlecker-Insolvenz

Anton Schlecker (2.v.l) mit seiner Frau Christina (r) und seinen Kindern Meike (l) und Lars (2.v.r): Der Prozess gegen den 72-Jährigen wegen vorsätzlichen Bankrotts wird vor dem Landgericht Stuttgart fortgesetzt.

Nach Darstellung des ehemaligen Schlecker-Finanzvorstands hätte die Insolvenz der Drogeriemarktkette knapp vermieden werden können. "Am Ende mussten wir Insolvenz anmelden wegen einer geplatzten Lastschrift", sagte der von 2010 an im Konzern tätige Finanzchef am Montag im Bankrottprozess gegen die Familie Schlecker vor dem Landgericht Stuttgart.

In dem Prozess war bereits mehrfach beschrieben worden, dass das Geld bei Schlecker üblicherweise Anfang des Jahres knapp wurde, weil neben dem laufenden Betrieb auch die Weihnachtsware bezahlt werden musste. Angesichts der Millionen-Verluste, die Schlecker im Jahr 2011 angehäuft hatte, wurde das Anfang 2012 zum Problem.

Nach Einschätzung des Ex-Finanzchefs war die Lage aber nicht aussichtslos. So sei ein Warenhaus in Ehingen verkauft worden, um den Engpass zu überbrücken. Die 30 Millionen Euro trafen aber zu spät auf dem Konto ein. Ein wichtiger Kreditgeber und ein Kreditversicherer waren nicht mehr bereit, weitere Risiken zu tragen. Die Drogeriemarktkette musste Insolvenz anmelden.

Finanzchef gibt Schlecker-Frauen Mitschuld an Insolvenz

Nach Angaben der Bild-Zeitung gibt der Ex-Finanzchef auch den bei Schlecker tätigen Mitarbeitern eine Mitschuld an der Insolvenz. Schlecker habe die höchsten Gehälter im Einzelhandel bezahlt, doch die Gewerkschaft habe sich beim Thema Gehaltsverzicht quergestellt. Dabei sei es üblich, dass bei einer vergleichbaren Notlage jede Seite einen Beitrag zur Rettung des Unternehmens leisten müsse.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es weitaus schlechter um Schlecker bestellt war und schon Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit drohte. In dem Prozess wirft die Anklage Firmenchef Anton Schlecker auch vor, dem Zugriff der Gläubiger Vermögenswerte in Höhe von mehr als 25 Millionen Euro entzogen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Schlecker schon Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit drohte. Europas einst größter Drogerie-Einzelhändler hatte aber erst im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Mehr als 25.000 Menschen in Deutschland und ebenso viele im Ausland verloren ihren Job.

Firmenpatriarch Anton Schlecker wird nun unter anderem vorsätzlicher Bankrott vorgeworfen. Er soll vor der Pleite Vermögen im Wert von über 25 Millionen Euro dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben. Seine Frau und seine Kinder stehen wegen möglicher Beihilfe vor Gericht. Den beiden Kindern wirft die Staatsanwaltschaft außerdem Insolvenzverschleppung und Untreue bei der Logistikgesellschaft LDG vor, die für die Belieferung der Schlecker-Filialen und Online-Handel zuständig war.

la/dpa

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