Montag, 24. Februar 2020

TV-Produzentin vermittelt Milliarden-Deals Diese Amerikanerin hat den Schlüssel zum Geld der Saudis

Carla DiBello in Dubai (2016)
Getty Images
Carla DiBello in Dubai (2016)

Carla DiBello hat es geschafft. Ganz ohne finanzielle oder akademische Ausbildung. Nach einigen Jahren Erfahrung als Produzentin von Reality-TV mit Boulevard-Star Kim Kardashian West sitzt die 35-jährige Amerikanerin nun an einer Schlüsselposition, um einige der weltgrößten Deals einzufädeln.

Das zumindest behauptet das "Wall Street Journal". Dem Bericht zufolge geht in Saudi-Arabiens Staatsfonds PIF wenig ohne Carla DiBello, die eine Beratungsfirma für westlich-arabische Geschäftskontakte gegründet hat.

DiBello, die nebenbei noch Kolumnen als "modern role model" für das Hochglanzmagazin "Harper's Bazaar Arabia" schreibt und Filme beispielsweise über ein Elektroautorennen in Saudi-Arabien mit Hollywood-Firmen produziert, soll in mehrere Multi-Milliarden-Deals involviert sein, ohne eine formelle Rolle in dem Fonds zu haben.

DiBello zelebriert auf Twitter und Instagram ihre Nähe zu den Mächtigen wie PIF-Chef Yasir al-Rumayyan und Kronprinz Mohammed bin Salman. Auf ihrer Website heißt es, sie habe "persönlich Transaktionen im Wert von mehr als einer Viertelmilliarde Dollar abgeschlossen".

Das "Journal" schreibt, sie habe beispielsweise den Kontakt zu Softbank-Chef Masayoshi Son vermittelt, in dessen glücklose Tech-Investments die Saudis mehrere Milliarden Dollar gesteckt haben. Bekannten gegenüber habe sie sich gebrüstet, auch hinter dem 15-Milliarden-Dollar-Deal mit der Reliance-Raffinerie des reichsten Inders Mukesh Ambani zu stehen.

Aktuell werbe sie gemeinsam mit einer britischen Partnerin dafür, dass PIF die Anteilsmehrheit des Premier-League-Fußballclubs Newcastle United kauft. Auch einem Manager des E-Zigaretten-Herstellers Juul Labs habe sie zu einem Treffen mit al-Ramayyan verholfen - für Juul ein Erfolg, wenngleich daraus kein Investment gefolgt sei.

Das "Journal" beruft sich auf mehrere anonyme Quellen, die sich irritiert zeigen: sowohl von Managern des Fonds, weil die internen Mechanismen für Auswahl von Investments, Bewertung und Risikokontrolle zugunsten persönlicher Beziehungen von Rumayyan und Kronprinz Mohammed bin Salman außer Kraft gesetzt würden; als auch westlicher Firmen, weil sie Zugang zum PIF nur über DiBello bekämen. Ein Unternehmen habe Rechtsberatung gesucht, weil man eine Verletzung von Vorschriften gegen Geldwäsche und Korruption fürchte.

Als Grund legt der Bericht nahe, dass DiBello und al-Rumayyan "eine enge Beziehung pflegen". Sie teilten eine Leidenschaft für Golf, gingen zusammen essen und verbrächten Zeit gemeinsam auf einer Jacht. Süffisant merkt das "Journal" noch an, dass al-Rumayyan verheiratet sei.

Der PIF betonte gegenüber dem "Journal", sich sehr wohl an einen "Weltklasse-Governance-Rahmen" zu halten - ohne jedoch konkrete Aussagen des Berichts zu dementieren.

DiBello ließ über einen Anwalt mitteilen, die von ihr beratenen Firmen würden sich aus freien Stücken an sie wenden.

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