Dienstag, 26. Mai 2020

Corona-Krise verhagelt das Geschäft SAP senkt die Jahresprognose und spart

Jennifer Morgan,Co-Chefin des Softwarekonzerns SAP, muss feststellen, dass Kunden in der Corona-Krise eine bedeutende Zahl von Neuabschlüssen verschoben haben.
Uwe Anspach/dpa
Jennifer Morgan,Co-Chefin des Softwarekonzerns SAP, muss feststellen, dass Kunden in der Corona-Krise eine bedeutende Zahl von Neuabschlüssen verschoben haben.

Der Softwarekonzern SAP hat seine Geschäftserwartungen für 2020 angesichts der Corona-Krise eingedampft. Der Umsatz dürfte im laufenden Jahr weniger stark steigen als zunächst gedacht, teilte der Dax-Konzern am späten Mittwochabend in Walldorf mit. Das bereinigte Betriebsergebnis könnte der neuen Prognose zufolge sogar sinken. Aufgrund der großen Unsicherheit seien alle Zahlen für 2020 lediglich Näherungswerte, hieß es weiter.

Die Nachfrage werde sich im zweiten Quartal voraussichtlich weiter verschlechtern, begründete SAP die Prognosesenkung. Erst im dritten und vierten Quartal dürfte es schrittweise wieder aufwärts gehen, wenn die Regierungen die Beschränkungen für Wirtschaft und Menschen wieder aufheben.

An der Börse belasteten die Nachrichten nicht. Vielmehr kletterten SAP-Aktien Börsen-Chart zeigen am Donnerstag kurz nach Handelsstart um 1,90 Prozent auf 107,00 Euro und lagen damit im Mittelfeld des Dax. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier lediglich 11 Prozent verloren und sich damit deutlich besser gehalten als der Leitindex. Nach Ansicht von Analyst Alex Zukin hat das Management seine Jahresziele nicht so stark gesenkt wie befürchtet. Die Eckdaten für das erste Quartal seien zwar gemischt ausgefallen, aber ebenfalls besser als gedacht.

Beim Umsatz sei nun währungsbereinigt mit 27,8 bis 28,5 Milliarden Euro zu rechnen, teilte das Unternehmen mit. Zuvor hatte SAP mit mehr als 29 Milliarden Euro gerechnet nach 27,63 Milliarden Euro im Vorjahr. Beim Betriebsergebnis rechnet das Unternehmen nun mit währungsbereinigt 8,1 bis 8,7 Milliarden Euro (zuvor 8,9-9,3). 2019 hatte es bei 8,21 Milliarden Euro gelegen.

SAP habe schnell auf die neuen Bedingungen der Corona-Krise reagiert und eine Strategie eingeführt, die einen virtuellen Vertrieb und Remote-Implementierungen ermögliche. Um Kosten zu sparen und die Profitabilität zu schützen, will der Konzern "weniger neue Mitarbeiter" einstellen. Zudem habe er die "kurzfristig anpassbaren Ausgaben" verringert und auch die Geschäftsreisen reduziert, heißt es in der Mitteilung weiter. So wurden etwa die Kundenkonferenz "Sapphire Now" und andere Events abgesagt. Dadurch entstanden Kosten in Höhe von 36 Millionen Euro. Ein neues Restrukturierungsprogramm kündigte SAP nicht an.

Noch ein kleines Umsatzplus in den ersten drei Monaten

Ende des ersten Quartals bekam das weltweit tätige Unternehmen die Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren. Vor allem das traditionelle Geschäft mit Softwarelizenzen brach dann ein. Dank eines Zuwachses bei den Erlösen mit Cloud-Programmen reichte es währungsbereinigt noch zu einem Umsatzplus in den ersten drei Monaten von 5 Prozent auf 6,52 Milliarden Euro. Die Geschäftstätigkeit in den ersten beiden Monaten sei noch solide gewesen, hieß es.

Das Betriebsergebnis fiel um 1 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro, während die am Aktienmarkt viel beachtete Marge um 1,3 Prozentpunkte auf 22,6 Prozent nachgab.

SAP-Finanzchef Luka Mucic erklärte, SAP werde "wie bereits bei vergangenen Konjunktureinbrüchen" gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich das Marktumfeld ab Sommer allmählich wieder verbessert. Für die beiden Konzernchefs Jennifer Morgan und Christian Klein, die den langjährigen Vorstandschef Bill McDermott im Oktober ablösten, wird es die erste Bewährungsprobe.

rei mit Nachrichtenagenturen

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