Montag, 18. November 2019

Neues Führungsduo sucht Rat Ex-Chef McDermott mischt bei SAP auch weiter mit

Christian Klein (l.), Bill McDermott (M.) und Jennifer Morgan: Das neue Führungsduo setzt auf Kontinuität

Die neuen Chefs von Europas größtem Softwarehersteller SAP Börsen-Chart zeigen haben bei der Bestätigung der Zahlen für das dritte Quartal Einblick in ihre kurzfristige Strategie gegeben. "Unser besonderer Fokus liegt nun auf dem vierten Quartal, dass das wichtigste in unserer Branche ist", sagte SAP-Co-Chefin Jennifer Morgan, die die erste Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns ist. Morgan und Christian Klein sehen anhaltende operative Effizienzgewinne.

Auf dem Kapitalmarkttag am 12. November will das neue Führungsduo nach Worten von Klein auch genauer darüber informieren, wie es das Unternehmen künftig führen will. Dazu werde man auch den Rat von Ex-Chef Bill McDermott berücksichtigen, der vor gut einer Woche überraschend zurückgetreten war. McDermott steht ihnen noch bis Ende des Jahres als Ratgeber zur Seite.

Kontinuität lautet das Motto auch für die Finanzen von SAP, wie Finanzchef Luka Mucic betonte. Innerhalb der nächsten Jahre soll die mit der jüngsten Übernahme stark gestiegene Verschuldung abgebaut werden. Insgesamt lagen die Schulden mit 29,5 Milliarden Euro fast sieben Milliarden höher als vor Jahresfrist. "SAP wird weiterhin eine der konservativsten Bilanzen der Branche haben", versicherte Mucic. Über Details auch zum angekündigten Aktienrückkauf wolle er die Investoren im November informieren.

Microsoft-Partnerschaft bringt massiv Neugeschäft

Die bereits bekannten vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal bestätigte das neue SAP-Führungsduo, ebenso wie den Ausblick bis 2023. Im abgelaufenen Quartal legte der Umsatz von SAP bereinigt um Währungs- und Sondereffekte um 10 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis stieg um 15 Prozent auf 2,09 Milliarden Euro. Nach neun Monaten fehlen zu den versprochenen rund acht Milliarden Euro Betriebsgewinn noch gut zweieinhalb Milliarden.

Wie ein Turbo für das ohnehin schon stark wachsende Geschäft mit Cloud-Software, die per Abonnement über das Internet bezogen wird, wirkte eine im Mai angekündigte Partnerschaft mit dem US-Softwareriesen Microsoft Börsen-Chart zeigen. Die Vertriebsvereinbarung, die SAP auch bei den Cloud-Plattformen von Amazon und Google abgeschlossen hat, steuerte allein im abgelaufenen Quartal 18 Prozentpunkte zum Anstieg des Neugeschäfts bei. Insgesamt schnellte dieses um 39 Prozent auf 572 Millionen Euro nach oben. Der Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren, Erlöse fließen ab dem vierten Quartal. SAP könne damit seine Cloud-Lösungen über die Vertriebskanäle von Microsoft verkaufen, erklärte Morgan. Der Pakt soll auch den Umstieg der Kunden von Lizenzsoftware auf das neue Flaggschiffprodukt S4/Hana fördern.

Mit dem unter McDermott eingeleiteten Umschwung zu Cloud-Software wächst das Geschäft mit traditioneller Software kaum noch: Der Lizenzerlös schrumpfte von Juli bis September bereinigt um 4 Prozent auf 932 Millionen Euro. Der Cloud-Umsatz dagegen schnellte um ein Drittel auf fast 1,8 Milliarden Euro.


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SAP schloss das Quartal besser ab als am Markt erwartet, was der Aktie Börsen-Chart zeigen schon bei Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen und des Chefwechsels Auftrieb verschafft hatte. Am Montag lagen die Titel unverändert.

mg/dpa-afx, rtr

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