Montag, 16. September 2019

SAP-Gründer will noch nicht gehen Hasso Plattner kontrolliert SAP für drei weitere Jahre

Der "Antreiber", SAP-Gründer Hasso Plattner (75), wurde erneut zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. Sein Job ist es, auch SAP-Vorstandssprecher Bill McDermott (rechts.) auf die Finger zu schauen

SAP Börsen-Chart zeigen läutet den Beginn einer neuen Ära ein: Aufsichtsratschef Hasso Plattner, der als letzter der Gründer noch bei dem Software-Riesen tätig ist, will in absehbarer Zeit aufhören. Der 75-Jährige stellte sich am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Mannheim zur Wiederwahl - allerdings nur für drei statt wie bisher fünf Jahre. "Diese drei Jahre sollen dann gleichzeitig auch meine letzte Amtszeit sein", sagte Plattner, der SAP 1972 zusammen mit vier anderen IT-Spezialisten gegründet hat.

Der Hobby-Segler ließ vor den rund 3500 in der SAP-Arena versammelten Aktionären offen, wer ihm dann als Chefkontrolleur nachfolgen soll. "Wir werden das entscheiden, wenn es Zeit ist." Plattner war bis 2003 Vorstandschef des Walldorfer Konzerns, zwei Jahre später übernahm er den Vorsitz im Aufsichtsrat. Er ist länger als die anderen Mitgründer an Bord von Europas wertvollstem Technologiekonzern. Dietmar Hopp hatte sich 2005 mit damals 65 Jahren aus dem Kontrollgremium zurückgezogen.

"Seinen Nutzen kann man nicht beziffern, aber die SAP wäre ohne ihn niemals so erfolgreich geworden", sagt Hopp von Plattner. Die USA, die Firmen im Silicon Valley, waren Plattners großes Vorbild. Anfang der 1990er Jahre kam er von dort zurück und überzeugte seine Kollegen, das aus ihrer Sicht noch nicht ganz reife Softwarepaket R3 zu verkaufen. Die Wette ging auf.

Nun muss Plattner SAP in seinen letzten Amtsjahren durch unruhiges Fahrwasser steuern, denn bei dem erfolgsverwöhnten Unternehmen rumort es hinter den Kulissen. In der Belegschaft sorgt ein groß angelegter Arbeitsplatzabbau für Unruhe, auch im Vorstand blieb in den vergangenen Monaten kaum ein Stein auf dem anderen. Einige langjährige Topmanager haben den Konzern verlassen und Branchenkenner befürchten einen Wissensverlust. Zudem soll in diesem Jahr der kürzlich für acht Milliarden Dollar übernommene US-Datenanalysekonzern Qualtrics integriert werden.

Vorstandschef Bill McDermott betonte vor den Anteilseignern am Mittwoch, SAP plane nun vorerst keine größeren Zukäufe mehr. "Wir haben die kritischen Übernahmen getätigt, die wir gebraucht haben." Nun sei das Unternehmen "perfekt" aufgestellt, um von Trends wie Digitalisierung und Datenanalyse zu profitieren.

Neuer Investor Elliott bleibt im Hintergrund

Künftig will SAP wieder mehr Geld für die Aktionäre aufbringen. "Wir werden unsere Mittelverwendung diszipliniert fortsetzen und prüfen unter anderem ein mehrjähriges Aktienrückkaufprogramm", kündigte McDermott an. Zuletzt hatte SAP 2017 für 500 Millionen Euro eigene Aktien erworben. Die Pläne dürften vor allem den neuen Großaktionär Elliott freuen. Der US-Hedgefonds hatte Ende April eine Beteiligung von rund einem Prozent öffentlich gemacht, woraufhin die im Dax notierten SAP-Aktien auf ein Rekordhoch von 117 Euro gestiegen waren.

Der für seinen harschen Umgang mit Firmenvorständen bekannte Investor bereitet SAP nach offiziellem Bekunden keine Kopfschmerzen. McDermott hatte Elliott bei einer Technologiekonferenz jüngst als "fantastischen Investor" bezeichnet. Finanzchef Luka Mucic betonte vor den Anteilseignern, das Management begrüße das Engagement und stehe mit dem Hedgefonds ebenso wie mit anderen Anteilseignern im regelmäßigen Austausch. Bei der Hauptversammlung meldeten sich die Amerikaner nicht zu Wort.

rei/cr/rtr

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