Heiner Thorborg

Zum Abgang von Jennifer Morgan Frauen sollten um SAP einen Bogen machen

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Von Heiner Thorborg
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Frauen, die eine Topkarriere anstreben und gar eine Vorstandsposition im Auge haben, sollten um SAP als Arbeitgeber lieber einen Bogen machen.
Co-Vorstandschefin Jennifer Morgan hat den Machtkampf bei SAP verloren und geht.

Co-Vorstandschefin Jennifer Morgan hat den Machtkampf bei SAP verloren und geht.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Nach nur sechs Monaten trennt sich SAP von Jennifer Morgan als Vorstandsvorsitzende und beendet die Doppelspitze mit Christian Klein - eine Konstruktion, die der Konzern bei der Benennung des Führungsduos im Herbst noch angepriesen hatte wie die Neuerfindung der Schokolade.

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Foto: Manuel Fischer

Heiner Thorborg gehört zu den profiliertesten Personalberatern in Deutschland. Nach zehn Jahren als Partner bei Egon Zehnder Int. gründete er die Heiner Thorborg GmbH & Co. KG, die Heiner Thorborg & Co. (Zürich) sowie die Initiative "Generation CEO".

Das ist nun der dritte unrühmliche Abschied einer Topmanagerin in Walldorf. 2011 warf die einzige Frau im Vorstand des Software-Konzerns nach nur einem Jahr das Handtuch: Angelika Dammann habe sich aus persönlichen Gründen entschieden, SAP zu verlassen, hieß es in der Pressemitteilung. Danach diente Luisa Delgado als Personalvorstand, nahm aber ebenfalls nach nur rund zwölf Monaten ihren Hut. Nun hat es Jennifer Morgan getroffen, eine profilierte Managerin, die sich nach ihrem Einstieg ins Nordamerika-Geschäft des Konzerns schnell einen Namen machte. 2017 stieg sie in den SAP-Vorstand auf, wo sie gemeinsam mit Adaire Fox-Martin die Verantwortung für den weltweiten Vertrieb trug. 2019 kam der nächste Schritt: Morgan übernahm die "Cloud Business Group", die verschiedene große Zukäufe bündelt. Im Oktober 2019 schließlich folgte der Ruf an die Konzernspitze.

Morgan ist nicht nur erfahren und klug, sondern verfügt auch über das Charisma einer echten Anführerin. Im Konzern genießt sie Respekt und einen erstklassigen Ruf - Christian Klein allerdings hat zuhause in Walldorf wohl die Kontakte - das übliche Old Boys Network. Dabei hieß es doch zunächst so vollmundig, das Duo aus Klein und Morgan ergänze sich perfekt und werde das SAP-Erfolgsmodell der Doppelspitze aus Hasso Plattner / Henning Kagermann und Bill McDermott / Jim Hagemann Snabe verlängern.

Nun drängen sich zwei Schlussfolgerungen auf. Erstens: Doppelspitzen funktionieren einfach nicht, auch nicht bei SAP. Das Wort gilt vielen Kritikern schon lange als Synonym für Unheil, haben doch in Wirtschaft und Verbänden einige bereits mit Co-Vorstandvorsitzenden experimentiert und sich ein blaues Auge geholt, darunter Airbus, der DFB, die SPD und die Deutsche Bank.

Zweitens: Frauen, die eine Topkarriere anstreben und gar eine Vorstandsposition im Auge haben, sollten um SAP als Arbeitgeber einen weiten Bogen machen. Eine andere Empfehlung lässt sich zu dem Software-Hersteller leider nicht abgeben.

Im Konzern hieß es: "in dieser beispiellosen Krise" durch das Coronavirus gelte es nun, "starke, eindeutige Führungsverantwortung sicherzustellen". Daher kehre man nun zum Modell eines alleinigen Vorstandvorsitzenden zurück. Ein Zerwürfnis mit Morgan habe es nicht gegeben. Das nicht, aber die Botschaft ist dennoch klar: Wenn es kracht und stinkt, muss bei SAP ein starker Mann ran, das ist nichts für Mädels.

Diese Botschaft in die Welt zu senden, ist fatal. Zunächst für SAP selbst. Für das Employer-Branding ist die Trennung von Jennifer Morgan ein Schuss ins eigene Knie, signalisiert sie doch, dass Frauen in Topjobs in Walldorf als gefährdete Spezies zu betrachten sind. Dann für das Gesamtklima in der deutschen Wirtschaft: Alle Dinosaurier, die weibliche Vorstandsvorsitzende in großen börsennotierten Gesellschaften nach wie vor für ein Unding halten, kratzen sich erfreut den Bauch und denken: "Hab ich doch gleich gesagt!" Und schließlich für die Quotendiskussion: Wenn Konzerne weiterhin im Zweifelsfall den Mann nehmen, selbst wenn eine brillant qualifizierte Frau zur Verfügung steht, dann muss man sie eben zwingen, Managerinnen an die Spitze zu heben - und dort auch zu halten.


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Bei den Aufsichtsräten hat es schon funktioniert: Gegen großen Widerstand und nur per Gesetz hat die Politik es durchgesetzt, dass inzwischen 31,5 Prozent der Unternehmenskontrolleure im Land weiblich sind. Unter den Vorständen sind nach wie vor jedoch nur 9,3 Prozent weiblich. Ein Auftritt wie der von SAP ist daher Wasser auf die Mühlen derjenigen, die auch für den Vorstand die Frauenquote fordern.

Heiner Thorborg ist Personalberater und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.