Samsung kooperiert mit Fake-Marke Samsungs supremer Fehlgriff

Frau mit Supreme-Mütze: Die New Yorker Kultmarke schlägt sich mit Plagiatoren herum - und Samsung mischt mit

Frau mit Supreme-Mütze: Die New Yorker Kultmarke schlägt sich mit Plagiatoren herum - und Samsung mischt mit

Foto: Getty Images

Es ist ein Deal, der zu gut klingt, um wahr zu sein. Und der das Zeug hat, einige Manager den Job zu kosten. Als der südkoreanische Technologiekonzern Samsung am Montag in China die Kooperation mit der Kultmarke Supreme verkündete , dauerte es nicht lange, bis Beobachtern erste Zweifel kamen.

Supreme - die New Yorker Kultmarke, die massiv auf das Prinzip Verknappung setzt und bei ihren Kooperationen extrem wählerisch vorgeht, tut sich mit Samsung zusammen? Eröffnet einen Flagship-Store in Peking? Und nimmt an einer Mercedes-Benz-Modenschau in Peking teil?

Die Aufklärung aus New York ließ nicht lange auf sich warten: Nein, man sei keine Zusammenarbeit mit Samsung eingegangen, eröffne auch keinen Laden in Peking. Und nein: Das mit der Modeschau sei auch Quatsch - vollkommen aus der Luft gegriffen - offenbar von einer Fälscherorganisation , ließen die sonst eher wortkargen Markenmacher von Supreme wissen.

Fälscherorganisation würde man bei Samsung eher nicht sagen. Eher Supreme-Alternative. Dass sie den Vertrag nicht mit dem in den 90er Jahren gegründeten Kultlabel Supreme geschlossen hatten, das es von einer Skatermarke bis heute zu einem Kultlabel mit Milliardenbewertung gebracht hat, war den Samsung-Verantwortlichen offenbar durchaus bewusst.

"Die Marke mit der wir zusammenarbeiten ist Supreme Italia, nicht Supreme USA", zitierten Medien  einen verantwortlichen Marketingmanager von Samsung China. Supreme USA habe - anders als Supreme Italia- gar keine Verkaufslizenz in China.

Wie der Siegeszug des Fake-Supreme möglich wurde

Tatsächlich muss sich das von dem Briten Joe Jebbia 1994 in New York gegründete Kultlabel, dass mit seinen "Drops" genannten Produktreleases regelmäßig für Menschenaufläufe sorgt, schon länger mit jeder Menge Nachahmern herumschlagen. Und zwar nicht nur mit Herstellen dreister Supreme-Plagiate, die in Asien an vielen Straßenecken zu haben sind. Sondern auch mit "legalen" Fakes.

So lukrativ ist das Geschäftsmodell der Marke, die T-Shirts und Hosen, Rucksäcke und andere Accessoires vertreibt. Die mitunter aber auch Feuerlöscher, Brechstangen und Ziegelsteine oder Zeitungen bedruckt, die dann für Phantasiepreise im Internet gehandelt werden. "Klatsch' ein Supreme-Logo drauf", zitiert die "New York Times" einen Lifestyle-Blogger, "und es wird aus den Regalen fliegen, egal, was es ist."

Allerdings unterließ es Jebbia, sich die internationalen Markenrechte für Supreme zu sichern - was die International Brand Firm auf dem Plan rief, die Mutter von Supreme Italy und Supreme Spain.

Das 2015 gegründete Unternehmen begann vor einigen Jahren damit, über das Internet Klamotten mit dem Supreme-Logo zu verkaufen - und schaffte damit Fakten.

Gleichzeitig sicherten sich die Nachahmer aus der italienischen Stadt Barletta  offenbar sukzessive Schutzrechte in Italien und Spanien und schließlich auch bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum WIPO. 

Der Versuch des Original-Labels aus New York, sich das verlorene Terrain wiederzuholen, schlug fehl. Im April diesen Jahres lehnte das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) in Alicante die Registrierung der Marke ab. Unter dem Verweis darauf, dass die Bezeichnung "supreme" eher beschreibenden denn unterscheidenden Charakter habe.

Und warum Supreme New York machtlos ist

Auch der Versuch, Supreme-Italien zu stoppen scheiterte. Zwar stoppten italienische Richter zeitweise den Vertrieb der umstrittenen Nachahmer-Ware . Später hob ein Gericht die Anordnung aber wieder auf. Seitdem kann Supreme Italien frei agieren - und baut sein Geschäft aktuell massiv aus - neben Spanien auch in China.

Als dreiste Plagiatoren sehen sich Nachahmer dabei nach eigenen Angaben nicht. Man sei vom "Markt autorisiert" und betreibe mit den für alle erschwinglichen Supreme-Masseprodukten ein "völlig anderes Projekt als Supreme New York", erklärte ein Sprecher der "International Brand Firm"in einem Interview mit dem Streatwear-Magazin nssmag . Und der Italiener keilen sogar zurück: Schließlich sei es "unethisch" ein Sweatshirt oder T-Shirt für hunderte von Euro zu verkaufen.

Bei Samsung will man indes angesichts der weltweiten Negativberichterstatung, die die Angelegenheit auch in chinesischen sozialen Medien  nach sich zog, noch einmal in sich gehen. 

Denn auch wenn der Deal juristisch völlig einwandfrei zu sein scheint und Samsung nicht der einzige Weltkonzern ist, der marketingtechnisch in China gerade nicht gerade glückvoll agiert - mit Plagiatoren will Samsung, für die Patenstreitigkeiten ja nichts Unbekanntes sind, wohl kaum in Zusammenhang gebracht werden. Und auch der Bedarf an Negativberichterstattung dürfte nach dem dem Galaxy-Note-7-Debakel, als reihenweise Smartphones wegen überhitzter Akkus explodierten, erschöpft sein.