Freitag, 28. Februar 2020

Gewerkschaftsarbeit bei Zulieferern unterdrückt Gericht schickt weiteren Samsung-Topmanager ins Gefängnis

Samsung Electronics: Ein Gericht hat bereits einen zweiten Top-Manager des Elektronikkonzerns und weltgrößten Handyherstellers zu einer Haftstrafe verurteilt. Die Richter werfen dem Management vor, Gewerkschaftsarbeit bei Zulieferern massiv behindert zu haben.

Ein Gericht in Seoul hat am Dienstag Sang-Hoon Lee, Chef des Verwaltungsrats von Samsung Electronics, zu anderthalb Jahren Haft verurteilt. Die Richter warfen Lee und rund 25 weiteren Angeklagte vor, unter anderem Gewerkschaftsarbeit bei Subunternehmen von Samsung Electronics Service massiv und gezielt sabotiert zu haben, berichtet der englischsprachige Dienst der Nachrichtenagentur Reuters.

Dem Gericht zufolge habe der Konzern im Jahr 2013 die Arbeit von Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen empfindlich behindert, urteilte der Central District Court in Seoul. Dabei sollen Führungskräfte und Mitarbeiter von Samsung Gewerkschaftsmitglieder auch bespitzelt haben, um etwa die Schließung von Zulieferfirmen mit aktiven Gewerkschaften zu veranlassen und die Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Management zu verzögern.

Samsung Electronics lehnte einen Kommentar ab. Beobachter wie Park Sang-in, Professor an der Seoul National University, sehen das jüngste Urteil als Beleg dafür, dass das südkoreanische Justizsystem sich zusehends verändert und Manager und Geschäftsleute für Missmanagement nun stärker zur Verantwortung zieht.

"Samsung muss Arbeitsbeziehungen internationalen Standards anpassen"

Das Management des unter anderem weltgrößten Handyhersteller müsse jetzt "Arbeitsbeziehungen aufbauen, die den globalen Standards entsprechen", forderte der Professor laut im Gespräch mit Reuters.

Das gleiche Gericht hatte bereits in der vergangenen Woche den Vizepräsidenten Kyung-hoon Kang zu einer 16-monatigen Haftstrafe verurteilt - Kang habe bei einer anderen Tochterfirma die Gewerkschaftsarbeit massiv behindert.

Der weltgrößte Handyhersteller ist in der Vergangenheit wegen schlechter Arbeitsbedingungen, mangelnder Arbeitssicherheit und illegaler Methoden bei seinen Zulieferbetrieben immer wieder in die Negativschlagzeilen geraten.

So sollen die Zulieferer ihren Beschäftigten keine ausreichende Schutzkleidung zur Verfügung gestellt und sie auch zu übermäßig vielen Überstunden gedrängt haben. Im Jahr 2012 waren auch Vorwürfe der Kinderarbeit und anderer Verstöße gegen den südkoreanischen Konzern in China aufgekommen.

rei

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