Zoff um Starts in Frankfurt eskaliert Diese Ryanair-Attacke trifft die Lufthansa ins Herz

Ryanair und Lufthansa: Der Kampf um Gebühren-Rabatte ist eröffnet

Ryanair und Lufthansa: Der Kampf um Gebühren-Rabatte ist eröffnet

Foto: DPA, Getty Images
Fotostrecke

Umtriebiger Kranich: Die vielfältigen Partnerschaften der Lufthansa

Foto: © Ralph Orlowski / Reuters/ REUTERS

Es ist im Grunde nur ein Nadelstich, mit dem Ryanair die Lufthansa in Frankfurt angreift. Doch welche Sprengkraft die Kranich-Fluglinie in der Stationierung zweier irischer Billigflieger an Deutschlands wichtigstem Airport sieht, zeigt die aggressive Breitseite von Lufthansa-Chef Carsten Spohr gegen den Flughafenbetreiber Fraport.

Sein Unternehmen werde ab sofort einfach nur noch so viel Gebühren wie Ryanair zahlen, sagte Spohr trotzig. Auf diese Weise spare sein Unternehmen 200 bis 300 Millionen Euro im Jahr. "So sehr können uns die Ryanair-Flugzeuge gar nicht ärgern, wie uns die sinkenden Gebühren helfen werden." Dafür sei er Ryanair-Chef Michael O'Leary sehr dankbar.

Dann driftete Spohr in die Pose des Revoluzzers ab. Sofern die Aufsichtsbehörden die Ryanair-Rabatte nicht auf die Lufthansa und andere Fluggesellschaften ausweiten würden, werde sein Unternehmen das von Fraport geforderte Geld einfach nicht überweisen. Gespräche mit den Flughafenbetreibern über diese Drohung habe es noch nicht gegeben. "Die feiern noch mit Ryanair", keilte Spohr gegen die Fraport-Manager. "Die haben für uns noch keine Zeit gehabt."

All dies zeigt, wie sehr die Ryanair-Attacke die Lufthansa ins Herz trifft. Ausgerechnet an ihrer wichtigsten Basis tauchen nun die rasant wachsenden Iren auf. Dort, wo bisher keine einzige Low-Cost-Airline richtig Fuß gefasst ist. Ab März steuern die Billigflieger von der hessischen Metropole aus Ferienziele wie Mallorca oder Faro (Portugal) an.

Anfänglich erwartet Ryanair in Frankfurt lediglich 400.000 Passagiere pro Jahr. Zum nächsten Winter soll das Flugangebot aber deutlich wachsen. So sei Ryanair auch in Berlin nur mit einer halben Million Fluggästen gestartet, sagte Marketing-Chef David O'Brien. Nach drei Jahren seien es schon 5,4 Millionen gewesen. "Ich wüsste nicht, warum das nicht auch in Frankfurt so kommen soll."

Auf das Ryanair-Engagement am Hunsrück-Flughafen Hahn soll die neue Basis in Frankfurt keinen Einfluss haben. Dort rechnet Ryanair mit 2,2 Millionen Passagieren.

Welche Konsequenzen der Ryanair-Vorstoß für die Lufthansa konkret haben wird, ist noch nicht absehbar. Spohrs Ankündigung, bis 300 Millionen Euro weniger an Gebühren zu zahlen, wollte Fraport gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren.

Spohr könnte Eurowings als Ryanair-Abfangjäger nach Frankfurt abordnen

Fotostrecke

Letzte Flüge der insolventen Air Berlin: Aufstieg, Sinkflug, Absturz und Ende von Air Berlin

Foto: Paul Zinken/ dpa

Branchenkenner zeigten sich indes verwundert, wie der Lufthansa-Chef auf diese Summe komme. Der genaue Gebühren-Plan, von dem Ryanair profitiert, ist noch unter Verschluss, bis ihn das Land Hessen genehmigt.

Doch so viel ist klar: Deutliche Nachlässe gebe es nur für neue Airlines, die neue Strecken anbieten. In den Genuss von hohen Rabatten kann Spohr deshalb praktisch nur gelangen, wenn er die Konzerntochter Eurowings in Frankfurt etabliert.

Spohr schloss tatsächlich nicht aus, dass die Lufthansa als Reaktion auf Ryanair oder andere Billigflieger künftig ihre Billigmarke Eurowings auch in Frankfurt an den Start schickt. Eigentlich wollte die Lufthansa ihre Drehkreuze Frankfurt und München ihren klassischen Marken Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines vorbehalten.

Allerdings soll Eurowings im kommenden Jahr auch in München antreten. Dort haben Easyjet und Transavia die Lufthansa mit Billigflügen herausgefordert.

Die Entwicklung zu mehr Billigfliegern auch auf zentralen Drehkreuzen der Lufthansa dürfte Spohr auch nutzen, um den Druck auf seine Belegschaft zu erhöhen. Bei Eurowings verdienen beispielsweise neu eingestellte Piloten deutlich weniger als Lufthansa-Kollegen.

mit dpa