O'Leary lehnt Treffen mit 11 Pilotenvereinigungen brüsk ab Teile und herrsche - wie Ryanair sein Geschäftsmodell verteidigt

Erste Piloten fordern offen den Rücktritt von Ryanair-Chef O'Leary. Die Wut hat einen Grund: Die 11 größten Pilotenvereinigungen Europas haben den knallharten Kostendrücker in einen geheimen Brandbrief Forderungen übermittelt und zum Gespräch geladen. Ryanair lehnt brüsk ab, zahlt lieber einzelnen Piloten 20 Prozent mehr Gehalt als das erfolgreiche Low-cost-Modell in gemeinsamen Verhandlungen zu gefährden. Ein fataler Fehler, sagt die European Cockpit Association.
"Don't waste your time": Ryanair-Chef Michael O'Leary will seine Low-cost-Strategie um jeden Preis verteidigen

"Don't waste your time": Ryanair-Chef Michael O'Leary will seine Low-cost-Strategie um jeden Preis verteidigen

Foto: ERIC PIERMONT/ AFP

Der Konflikt zwischen der irischen Billig-Airline Ryanair und ihren Piloten um bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld spitzt sich zu. Die schärfsten Töne schlägt derzeit der EERC  an, eine inoffizielle europaweite Arbeitnehmervertretung, die laut eigenen Angaben eine signifikante Anzahl von Ryanair-Piloten vertritt. In einem Brief fordert der EERC Airline-Chef Michael O'Leary zum Rücktritt auf.

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Ryanairs streitlustiger Chef: Michael O'Learys Weg zum Schrecken der Lüfte

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"Sei anständig und geh, bevor Du weiteren Schaden anrichtest", zitiert Reuters  aus dem Brief. O'Leary gefährde durch sein kompromissloses Verhalten den Flugbetrieb, denn weitere Piloten und Copiloten würden die Gesellschaft zur besser zahlenden Konkurrenz verlassen. Personalvorstand Eddie Wilson kanzelte die Forderung prompt als "bizarr" und "lächerlich" ab. Ryanair habe ausreichend Piloten, um den Flugplan einzuhalten. "Viele" Piloten hätten ein Angebot von 20 Prozent mehr Gehalt angenommen. Das zeige, die Piloten würden dem EERC keine Bedeutung beimessen.

Europas größter Low-Cost-Carrier liegt mit seinen Piloten schon lange im Clinch. Flächendeckende Streiks im wichtigen Weihnachtsgeschäft konnte O'Leary nur verhindern, weil er erstmals in der 32-jährigen Geschichte der Airline Pläne zur Anerkennung von Pilotengewerkschaften ankündigte. Tatsächlich hat aber bislang nur die britische "Balpa" eine Anerkennungsvereinbarung unterzeichnet.

Ryanair ist an einer europaweiten Lösung nicht interessiert

Zuletzt schlug O'Leary wieder aggressive Töne an, sprach von "lächerlichen" Forderungen und nahm Streiks zu Ostern billigend in Kauf. Ryanair will sein Low-Cost-Modell, das nicht nur auf einem Minimum an Service, sondern auch auf einem System selbstständiger Leihpiloten mit schlechter sozialer Absicherung basiert, auf keinen Fall gefährden.

Ryanair ist daher an einer europaweiten Lösung, verbindlichen Sozialstandards für alle Piloten und Kollektivverhandlungen nur wenig gelegen. Das zeigt unter anderem die barsche Reaktion des Managements auf einen gemeinsam unterzeichneten Brief der 11 wichtigsten europäischen Pilotenvereinigungen.

In dem Schreiben, das manager magazin online exklusiv vorliegt, stellen die Pilotenorganisationen acht Forderungen an das Management. Unter anderem die, dass Ryanair bis zum 1. März allen Piloten direkte und dauerhafte Arbeitsverträge nach den jeweiligen Gesetzen des Landes und ohne Auflagen anbieten soll. Auch laden die Pilotenvereinigungen das Ryanair-Management für die letzten Februar-Tage zur Diskussion nach Brüssel unter das Dach der European Cockpit Association  (ECA) ein.

Zu dem Treffen wird es nicht kommen. "Don't waste your time", lautete Ryanairs kurze Antwort bereits wenige Stunden nach Erhalt der von der ECA verschickten Einladung.

Warum Ryanair Piloten lieber 20 Prozent mehr Gehalt zahlt als zu verhandeln

"Dies ist bedauerlich und unklug, da Ryanair erhebliche Vorteile aus solchen gemeinsamen Gesprächen ziehen könnte", sagt ECA-Generalsekretär Philip von Schöppenthau im Gespräch mit manager-magazin.de. Als repräsentatives Organ europäischer Piloten in der EU vertritt die ECA  nach eigenen Angaben mehr als 38.000 Piloten in 37 europäischen Staaten.

Zwar hat die ECA kein Verhandlungsmandat, das haben nur nationale Gewerkschaften - wenn Ryanair sie denn akzeptierte. Doch gerade mit Blick auf die Kosten und seine Aktionäre sollte O'Leary zentral koordinierte Verhandlungen vorziehen, anstatt mit Dutzenden Gewerkschaften für Piloten und Flugbegleiter in ganz Europa dieselben Themen einzeln abzuarbeiten, argumentiert die ECA. Das gelte insbesondere für Fragen, die nur länderübergreifend effektiv zu regeln seien.

"Was gelebten und substanziellen Sozialdialog anbelangt, ist Ryanair noch im Vorschulstadium" : Philip von Schöppenthau, General-Sekretär der European Cockpit Association

"Was gelebten und substanziellen Sozialdialog anbelangt, ist Ryanair noch im Vorschulstadium" : Philip von Schöppenthau, General-Sekretär der European Cockpit Association

Foto: ECA

"Ryanair-Piloten und ihre Vertretungen durch nationale Gewerkschaften lassen sich nicht auseinanderdividieren. Dies sollte Ryanair zur Kenntnis nehmen", ist ECA-Generalsekretär von Schöppenthau überzeugt und schickt damit zugleich eine unmissverständliche Botschaft an das Ryanair-Management.

Die Strategie O'Learys zielt aber offenbar genau darauf ab. Das Angebot über 20 Prozent mehr Gehalt habe er nicht Pilotenvereinigungen, sondern den Piloten jeder einzelnen "Base" vorgelegt. "Es handelt sich um ein unilaterales 'take-it-or-leave-it'-Angebot und hat mit Gewerkschaften nichts zu tun", sagt von Schöppenthau.

"Take-it-or-leave-it"

Das Angebot beinhalte zudem eine Reihe problematischer Klauseln, die etwa weitere Gehaltserhöhungen für die nächsten Jahre de facto ausschließen würden. Das zentrale Ziel sei es, die Piloten von einem Wechsel zur Konkurrenz abzuhalten und substanzielle Verhandlungen mit den Gewerkschaften zu umgehen, glaubt man beim ECA.

Noch haben die Piloten keine Streiks zu Ostern angekündigt, die O'Leary Anfang Februar mal nonchalant in den Raum stellte. Die ECA würde und darf nicht zu Streiks raten, schließt sie aber nicht aus. "Derzeit sehen wir wenig Anzeichen für konkreten Fortschritt."

Klar ist schon jetzt: Portugal-Reisende müssen sich zu Ostern auf Probleme einstellen. Die Gewerkschaft SNPVAC hat das Kabinenpersonal jeweils zu drei eintägigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen - unter anderem am Gründonnerstag und Ostersonntag. Grund der Streiks seien die "sich verschlechternden Arbeitsbedingungen und ein fehlender Respekt gegenüber der Kabinenbesatzung". Ryanair weist die Vorwürfe zurück.

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