Sonntag, 22. September 2019

O'Leary lehnt Treffen mit 11 Pilotenvereinigungen brüsk ab Teile und herrsche - wie Ryanair sein Geschäftsmodell verteidigt

"Don't waste your time": Ryanair-Chef Michael O'Leary will seine Low-cost-Strategie um jeden Preis verteidigen

2. Teil: Warum Ryanair Piloten lieber 20 Prozent mehr Gehalt zahlt als zu verhandeln

"Dies ist bedauerlich und unklug, da Ryanair erhebliche Vorteile aus solchen gemeinsamen Gesprächen ziehen könnte", sagt ECA-Generalsekretär Philip von Schöppenthau im Gespräch mit manager-magazin.de. Als repräsentatives Organ europäischer Piloten in der EU vertritt die ECA nach eigenen Angaben mehr als 38.000 Piloten in 37 europäischen Staaten.

Zwar hat die ECA kein Verhandlungsmandat, das haben nur nationale Gewerkschaften - wenn Ryanair sie denn akzeptierte. Doch gerade mit Blick auf die Kosten und seine Aktionäre sollte O'Leary zentral koordinierte Verhandlungen vorziehen, anstatt mit Dutzenden Gewerkschaften für Piloten und Flugbegleiter in ganz Europa dieselben Themen einzeln abzuarbeiten, argumentiert die ECA. Das gelte insbesondere für Fragen, die nur länderübergreifend effektiv zu regeln seien.

"Was gelebten und substanziellen Sozialdialog anbelangt, ist Ryanair noch im Vorschulstadium" : Philip von Schöppenthau, General-Sekretär der European Cockpit Association

"Ryanair-Piloten und ihre Vertretungen durch nationale Gewerkschaften lassen sich nicht auseinanderdividieren. Dies sollte Ryanair zur Kenntnis nehmen", ist ECA-Generalsekretär von Schöppenthau überzeugt und schickt damit zugleich eine unmissverständliche Botschaft an das Ryanair-Management.

Die Strategie O'Learys zielt aber offenbar genau darauf ab. Das Angebot über 20 Prozent mehr Gehalt habe er nicht Pilotenvereinigungen, sondern den Piloten jeder einzelnen "Base" vorgelegt. "Es handelt sich um ein unilaterales 'take-it-or-leave-it'-Angebot und hat mit Gewerkschaften nichts zu tun", sagt von Schöppenthau.

"Take-it-or-leave-it"

Das Angebot beinhalte zudem eine Reihe problematischer Klauseln, die etwa weitere Gehaltserhöhungen für die nächsten Jahre de facto ausschließen würden. Das zentrale Ziel sei es, die Piloten von einem Wechsel zur Konkurrenz abzuhalten und substanzielle Verhandlungen mit den Gewerkschaften zu umgehen, glaubt man beim ECA.

Was Europas Piloten von Ryanair fordern
"Ryanair should accept ..."

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Noch haben die Piloten keine Streiks zu Ostern angekündigt, die O'Leary Anfang Februar mal nonchalant in den Raum stellte. Die ECA würde und darf nicht zu Streiks raten, schließt sie aber nicht aus. "Derzeit sehen wir wenig Anzeichen für konkreten Fortschritt."

Klar ist schon jetzt: Portugal-Reisende müssen sich zu Ostern auf Probleme einstellen. Die Gewerkschaft SNPVAC hat das Kabinenpersonal jeweils zu drei eintägigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen - unter anderem am Gründonnerstag und Ostersonntag. Grund der Streiks seien die "sich verschlechternden Arbeitsbedingungen und ein fehlender Respekt gegenüber der Kabinenbesatzung". Ryanair weist die Vorwürfe zurück.

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