Dienstag, 17. September 2019

Billigflieger setzt auf Wachstum Ryanair-Chef O'Leary ist noch lange nicht satt

Spielt gern mit Gegner und Presse: Ryanair-Chef O'Leary

Brexit, Terrorangst und Preisschlacht hinterlassen Spuren in der Ryanair-Bilanz. Doch Konzernchef Michael O'Leary stört das offenbar alles nicht - er setzt weiter voll auf Angriff und Wachstum. Die Aktionäre hält O'Leary mit Anteilsrückkäufen bei Laune, das kommt an.

Brexit, Terrorangst und eine Preisschlacht unter den Airlines bringen Europas größten Billigflieger Ryanair nicht vom Wachstumskurs ab. Trotz widriger Umstände peilt Unternehmenschef Michael O'Leary für das Geschäftsjahr 2017/18 mehr Gewinn an. Den Anteilseignern will er über einen Aktienrückkauf 600 Millionen Euro zurückgeben, wie Ryanair am Dienstag ankündigte.

Derweil setzen die Iren auf die Schwäche einiger Rivalen. In Deutschland und Italien, wo Air Berlin und Alitalia ums Überleben kämpfen, will Ryanair das Flugangebot verstärkt ausbauen.

Die Ryanair-Aktie Börsen-Chart zeigen reagierte mit einem Kurssprung auf die Nachrichten. Damit ist Ryanair an der Börse annähernd dreimal so viel wert wie die Lufthansa.

Terrorangst, Preiskampf und britischen Pfund belasteten

Für die zwölf Monate bis Ende März stand bei Ryanair unter dem Strich ein Gewinn von gut 1,3 Milliarden Euro. Das sind zwar fast 16 Prozent weniger als im Vorjahr, als der Verkauf der Beteiligung an der Fluglinie Aer Lingus das Ergebnis nach oben getrieben hatte. Ohne diesen Effekt wäre der Gewinn um 6 Prozent gestiegen. Für das Geschäftsjahr 2017/18 peilt O'Leary einen Gewinn von 1,40 bis 1,45 Milliarden Euro an.

Die Terrorangst unter den Reisenden, ein Preiskampf bei Flugtickets und das schwache britische Pfund waren im vergangenen Geschäftsjahr jedoch auch an Ryanair nicht spurlos vorüber gegangen. So hatte O'Leary das Gewinnziel nach dem Brexit-Votum bereits gekappt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr fiel der durchschnittliche Ticketpreis um 13 Prozent auf 41 Euro. Während die Zahl der Fluggäste um 13 Prozent auf 120 Millionen stieg, legte der Umsatz dadurch nur um 2 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro zu.

O'Leary erwartet fallende Ticketpreise, will aber weiter expandieren

Nach Einschätzung von Ryanair geht es für die Ticketpreise weiter nach unten. Das schwache britische Pfund und ein anhaltendes Überangebot an Flügen in Europa dürfte die Ticketpreise im laufenden Geschäftsjahr um 5 bis 7 Prozent sinken lassen, sagte O'Leary. An seinem Wachstumskurs hält der Manager dennoch fest. Die Zahl der Passagiere soll im gleichen Zeitraum auf 130 Millionen steigen.

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Dazu will das Unternehmen auch seine Flotte von derzeit mehr als 400 Mittelstreckenjets stärker wachsen lassen. So plant Ryanair bereits zehn geleaste Boeing-Maschinen später zurückgeben als geplant und außerdem zwei bis drei neue Flugzeuge zusätzlich abzunehmen. Auch eine Kaufoption über 100 neue Boeing-Jets in der Billigflieger-Spezialausführung werde Ryanair voraussichtlich ausüben, sagte Finanzchef Neil Sorahan der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Dabei verlagert die Gesellschaft ihr Geschäft verstärkt auf den europäischen Kontinent. Grund dafür ist die Unsicherheit rund um den geplanten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Im Auge hat O'Leary dabei vor allem Italien, Deutschland, Polen und Rumänien. Dort will Ryanair die Lage der hochverschuldeten Gesellschaften Air Berlin und Alitalia ausnutzen. Die italienische Gesellschaft wurde Anfang Mai nach einem gescheiterten Rettungsversuch unter Sonderverwaltung gestellt.

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Derweil löst sich Ryanair schrittweise von seinem Konzept reiner Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Noch im Laufe dieses Jahres sollen Ryanair-Kunden Langstreckenflüge der spanischen Fluglinie Air Europa wahrnehmen können. Gespräche mit anderen Airlines laufen. Zudem bietet Ryanair in Rom erstmals eigene Umsteigeverbindungen zu verschiedenen Zielen an. Ist der Versuch erfolgreich, will die Gesellschaft das Angebot auf ihr gesamtes Streckennetz ausweiten.

Rei/dpa-afx

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