Samstag, 19. Oktober 2019

Billigflieger hält sich für umweltfreundlichste Airline Europas Ryanair offen für CO2-Steuer auf Flugtickets

Ryanair-Chef Michael O'Leary sucht den Kompromiss mit der deutschen Pilotengewerkschaft und kann sich eine CO2-Steuer auf Flugtickets durchaus vorstellen

Ryanair ist zuversichtlich: Bis August gibt es einen Tarifvertrag für seine Piloten in Deutschland, auch gegen Betriebsräte will sich Ryanair nicht mehr sträuben. Der Billigflieger verteidigt seine Billigtickets für unter 10 Euro und kann sich eine CO2-Steuer auf Flugtickets durchaus vorstellen.

Rund ein Jahr nach der Streikwelle bei Ryanair sieht sich der Billigflieger auf der Zielgeraden, um sich mit den Gewerkschaften in Deutschland zu einigen. Bis Anfang August werde voraussichtlich der Tarifvertrag mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) besiegelt, erklärte Ryanairs Marketingchef Kenny Jacobs am Mittwoch in Frankfurt. "Wir erwarten keine Streiks in Deutschland oder an anderen Märkten in Europa", ergänzte er.

Der erstmalige Abschluss geregelter Arbeitsbedingungen zieht sich bei Europas größtem Billigflieger schon seit Ende 2017 hin. Damals erklärten sich die Iren unter dem Druck von Personalengpässen im Cockpit bereit, erstmals in ihrer Geschichte Gewerkschaften und Tarifverträge anzuerkennen. Während der zähen Verhandlungen kam es im Sommer vergangenen Jahres zu Streiks in mehreren europäischen Ländern. Das traf viele Passagiere und drückte den Gewinn der Fluggesellschaft.

Streit um Betriebsräte für fliegendes Personal noch nicht beigelegt

Für die rund 1100 Flugbegleiter in Deutschland hatte Ryanair mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi schon im März einen Tarifvertrag unterschrieben. Verdi kritisierte kürzlich allerdings, dass die Airline sich gegen die Gründung von Betriebsräten sperre, obwohl dies durch eine Gesetzesänderung für das fliegende Personal in Deutschland im vergangenen Jahr ermöglicht worden war. Auch hier versprach Ryanair-Manager Jacobs Entgegenkommen. "Wir diskutieren gerade, Betriebsräte einzuführen", sagte er.

Deutsche Ryanair-Kunden zahlen freiwillig doppelt so oft CO2-Ausgleich

Auswirkungen durch die derzeitige Diskussion um die Umweltschädlichkeit des Fliegens spürt der Billigflieger nicht. Weder würden die Kunden weniger fliegen noch gingen die Suchanfragen im Netz zurück. Die deutschen Passagiere seien aber weitaus häufiger bereit als andere Europäer, den Kohlendioxid-Ausstoß ihres Fluges mit freiwilligen Zusatzzahlungen zu kompensieren, betonte Jacobs. Bei den deutschen Passagieren liege der Prozentsatz der Ausgleichzahler mehr als doppelt so hoch wie Ryanairs europäischer Durchschnittswert von 3 Prozent.

Ryanair würde CO2-Steuer für alle Flüge durchaus begrüßen

Der Konzern kann sich eine CO2-Steuer auf den Flugsektor gut vorstellen - allerdings müsse sie EU-weit kommen und der Gesetzgeber dürfe Langstrecken- und Anschlussflüge nicht davon ausnehmen. Am besten wäre aus Ryanair-Sicht ein fester prozentualer Aufschlag auf den Ticketpreis. Das würde dem Billigflieger, der traditionell niedrige Preise anbietet und auch in Zukunft nicht Langstrecke fliegen will, zu Gute kommen, während Airlines wie Lufthansa, die im interkontinentalen Wettbewerb stehen, das Nachsehen hätten. Die französische Regierung hatte erst kürzlich angekündigt, Flugtickets mit einer Öko-Steuer belasten zu wollen.

Obwohl Ryanair enorme Massen an CO2 ausstößt, nimmt die Fluglinie wegen der hohen Auslastung und der jungen Flotte für sich in Anspruch, die umweltfreundlichste Airline Europas zu sein. In diesem Jahr werde man 22 Millionen Fluggäste aus Deutschland begrüßen, das der wichtigste Expansionsmarkt für Ryanair bleibe, meinte Jacobs.

Ryanair verteidigte zugleich Billigtickets für unter 10 Euro, die man weiterhin anbieten werde. Mit seiner extrem günstigen Kostenbasis erreiche Ryanair einen durchschnittlichen Ticketpreis von 37 Euro, der mit zubuchbaren Services im Schnitt auf 55 Euro pro Ticket.

rei/dpa/Reuters

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