Donnerstag, 20. Juni 2019

Tumulte bei RWE-Hauptversammlung "Eure Zeit ist abgelaufen"

Tumulte auf RWE-Hauptversammlung: "Eure Zeit ist abgelaufen"
REUTERS

Umwelt-Aktivisten haben am Mittwoch die Bühne der RWE-Hautpversammlung gestürmt. Konzernchef Peter Terium gab sich gelassen.

"Ich habe überhaupt kein Problem mit solchen Kundgebungen. Ich habe ja auch Kinder im protestfähigen Alter." Peter Terium gab sich am Mittwoch gelassen, nachdem Demonstranten die Bühne der RWE-Hauptversammlung in der Essener Grugahalle gestürmt hatten.

"Eure Zeit ist abgelaufen", skandierten die Aktivisten. Sicherheitskräfte hatten die Lage erst nach mehreren Minuten im Griff, einige Demonstranten wurden zu Boden gerissen und abgeführt. Die Hauptversammlung des Energiekonzerns fand ohnehin unter starken Sicherheitsauflagen statt - Aktionäre mussten auf dem Weg an einer Polizeikette vorbei.

Wichtigeres Thema für Terium: Der Ausfall der Dividende

RWE-Chef Peter Terium hat auf der Hauptversammlung den umstrittenen Ausfall der Dividende gegen die Kritik vor allem der kommunalen Anteilseigner verteidigt. "Die Entscheidung war hart, aber sie war notwendig", sagte Terium bei dem Treffen am Mittwoch. Der Konzern stehe wegen der stark gefallenen Strombörsenpreise vor einem erheblichen finanziellen Risiko. "Und das in einem ohnehin schon katastrophalen Marktumfeld."

RWE Börsen-Chart zeigen hatte 2015 einen Verlust von 170 Millionen Euro eingefahren. Vorstand und Aufsichtsrat schlugen deshalb vor, den Vorzugsaktionären eine Dividende von 13 Cent je Aktie zu zahlen und den Stammaktionären gar nichts. Die Kommunen kündigten an, trotz ihrer Bedenken den Vorstand wohl mehrheitlich zu entlasten. Der Dividendenvorschlag, der von der Hauptversammlung beschlossen werden muss, war vor allem bei den kommunalen Aktionären - darunter Städte wie Dortmund, Bochum oder Essen - auf Protest gestoßen. Die ohnehin von der Flüchtlingskrise gebeutelten Kommunen, hatten höhere Einnahmen aus der RWE-Beteiligung in ihren Haushalten eingeplant. Einige Städte hatten erwogen, Terium auf der Hauptversammlung durch die Verweigerung der Entlastung einen Denkzettel zu verpassen.

"Ich weiß, dass Sie gerade eine schwere Zeit durchleiden"

Eine Mehrheit dafür war aber zuletzt immer unwahrscheinlicher geworden. Es gebe nach wie vor kritische Stimmen, viele wollten aber dem Vorstand eine Chance geben, sagte der Geschäftsführer der Kommunalen RWE Aktionäre, Ernst Gerlach, dem WDR Hörfunk. "Die Mehrheit der kommunalen Aktionäre wird trotz Bedenken entsprechend dem Vorstand die Entlastung erteilen."

"Ich weiß, dass Sie als unsere Aktionäre gerade eine schwere Zeit durchleiden", umgarnte Terium die Anleger. "Umso wichtiger ist es mir, RWE wieder zu einem guten Investment zu machen."

Der Versorger lagert dazu das zukunftsträchtige Geschäft mit Ökostrom, Netzen und dem Strom- und Gasvertrieb in eine Tochter aus, von der in einem ersten Schritt zehn Prozent an die Börse gebracht werden sollen. Die Mutter RWE profitiere dann vom Wachstum und den Dividenden der Tochter. "Und sie kann jederzeit weitere Anteile verkaufen."

luk/la/dpa/reuters

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