Freitag, 15. November 2019

Proteste begleiten Hauptversammlung von RWE RWE-Chef will Kohlekonzern zum Ökoriesen wandeln

RWE im Blick: Die Protestbewegung "Fridays for Future" demonstriert vor Beginn der RWE- Hauptversammlung

Begleitet von protestierenden Klimaschützern hat RWE-Chef Rolf Martin Schmitz vor den Aktionären für den geplanten Umbau des Versorgers zum Ökostromerzeuger geworben. "Sauberen und sicheren Strom zu erzeugen - dieses Ziel treibt uns an", sagte der Manager am Freitag auf der Hauptversammlung in Essen. "Wir wollen der Wachstumsmotor für die Energiewelt von morgen sein", fügte der RWE-Boss hinzu, während vor der Grugahalle mehrere tausend Anhänger der Bewegung "Fridays for Future" einen raschen Ausstieg aus der Kohleverstromung forderten.

Im Saal ergriff ihre Vertreterin Luisa Neubauer das Wort: "Wer nach 2030 noch ernsthaft plant, Kohle zu verstromen, hat nicht verstanden, in welch einer Krise wir sind."

Schmitz versprach, mit Milliardeninvestitionen das Ökostrom-Geschäft auszubauen. "Wir werden nicht mehr in neue Kohlekraftwerke investieren." Schon in einem Jahr werde RWE Börsen-Chart zeigen kaum wiederzuerkennen sein.

Durch den Deal mit dem Konkurrenten Eon werde sich der Versorger zu einem der führenden Produzenten von Strom aus Erneuerbaren Energie weltweit wandeln. "Das gibt unserem Unternehmen eine hervorragende Zukunftsperspektive", so Schmitz. RWE und E.ON wollen in einem spektakulären Deal die RWE-Tochter Innogy zerschlagen und unter sich aufteilen: E.ON übernimmt das Vertriebs- und Netzgeschäft, RWE das Ökostromgeschäft von Innogy, außerdem das von E.ON. Der Deal soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.

Vor der Halle demonstrierten unterdessen Umweltschützer gegen den Versorger, der wegen seiner vielen Kohlekraftwerke seit Jahren in der Kritik steht. "Braunkohle Irrsinn - Das können wir uns nicht mehr leisten" war auf Plakaten zu lesen oder "Wer zu spät kommt, den bestraft das Klima".

Deka: "Grüne RWE ohne Kohle"

Auch die Aktionäre gingen während der Hauptversammlung auf den geplanten Umbau von RWE ein. "Wir sind zufrieden damit, dass das Renommee von RWE durch den gerichtlichen Aufschub der voreiligen Rodung des Hambacher Forsts nicht völlig den Bach hinunter gegangen ist", sagte zum Beispiel Winfried Mathes von der Fondsgesellschaft Deka Investment, die mit fünf Millionen RWE-Aktien rund ein Prozent des Eigenkapitals vertritt.

Zwar habe RWE-Chef Schmitz für seine Machtdemonstration in Sachen Waldrodung den negativen Umweltpreis "Dinosaurier des Jahres 2018" erhalten, aber an RWE sei der Kelch gerade noch einmal vorübergegangen, so Mathes. Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr könnten RWE-Aktionäre recht zufrieden sein: Der Aktienkurs hat seit der letzten Hauptversammlung um 15 Prozent zugelegt, die Dividende für 2018 ist auf 70 Eurocent gestiegen. Mit dem RWE-Slogan "Zukunft, Sicher, Machen" könne nur eine "grüne RWE ohne Kohle" gemeint sein, oder?" fragte Mathes nach.

Streit um Braunkohletagebau Garzweiler geht weiter

RWE: Der Streit um Garzweiler geht weiter

Von einem gefeierten Öko-Konzern ist RWE Börsen-Chart zeigen jedoch noch ein gutes Stück des Wegs entfernt. So sorgt das Thema Garzweiler weiter für Proteste: RWE lehnt einen Stopp der Umsiedlungen am Braunkohletagebau Garzweiler weiterhin entschieden ab. Sie müssten "aus sozialen und energiewirtschaftlichen Gründen planmäßig und vollständig abgeschlossen werden", sagte Schmitz.

Anwohner fordern unter dem Motto "Alle Dörfer bleiben", dass auf die geplanten Umsiedlungen mehrerer Ortschaften verzichtet wird. RWE hatte dagegen mitgeteilt, mit mehr als der Hälfte der Besitzer bereits Verträge über den Ankauf ihrer Grundstücke geschlossen zu haben. An den neuen Standorten seien bereits zahlreiche neue Häuser gebaut worden oder befänden sich im Bau.

Schmitz betonte zudem, die Kohle aus Garzweiler werde schon in den frühen 2020er Jahren benötigt, um die verbleibenden Kraftwerke weiterhin versorgen zu können. Dies stehe auch im Einklang mit den Empfehlungen der Kohlekommission. Dem hätten auch die Umweltverbände in der Kommission zugestimmt. Dazu müssten sie jetzt auch stehen.

la/reuters/mmo

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