Samstag, 7. Dezember 2019

Kreml-Drohung Überflugverbot würde für Moskau zum Bumerang

Aeroflot: Russland leitet einen Großteil seiner Überflugeinnahmen an die staatliche Aeroflot weiter - rund 200 Millionen Euro und damit so viel wie der komplette Jahresgewinn 2013 der Gesellschaft

Vor neuen EU-Sanktionen droht Moskau, seinen Luftraum für westliche Airlines zu sperren. Das würde die Lufthansa empfindlich treffen. Der Kreml setzte damit aber auch seiner staatlichen Fluggesellschaft Aeroflot hart zu.

Moskau - Moskau hat auf die für heute angekündigte Verschärfung der EU-Sanktionen gegen Russland mit einer Aufhebung der Überflugrechte für europäische Luftlinien gedroht. Russland habe womöglich bislang zu zurückhaltend auf die Sanktionen reagiert, sagte Ministerpräsident Medwedew im Interview der Wirtschaftszeitung "Wedomosti". Dieser Fehler werde nicht wiederholt.

So könnte etwa ein Überflugverbot für Fluggesellschaften aus der EU und den USA verhängt werden. "Wenn westliche Gesellschaften unseren Luftraum umfliegen müssten, könnte dies mehrere angeschlagene Fluglinien in den Bankrott treiben", sagte Medwedew. Diesen Weg sollten wir nicht gehen. Wir hoffen, dass unsere Partner dies verstehen."

Die Routen über die Weiten Sibiriens sind vor allem für Flüge zwischen Europa und dem nördlichen Asien mit den Topzielen China, Japan und Korea interessant. Eine Sperre träfe daher die Anbieter in diesen Ländern sowie die großen europäischen Fluggesellschaften Air France-KLM Börsen-Chart zeigen, British Airways Börsen-Chart zeigen und Lufthansa Börsen-Chart zeigen .

Ob sie gleich in die Pleite fliegen würden, wie Russlands Regierungschef Medwedew hofft, scheint fraglich. Aber sie würden in einem ihrer wenigen lukrativen Märkte getroffen.

Alternativrouten würden Millionenkosten verursachen

Auf mehr als 20.000 Euro pro Flug beziffert die russische Luftfahrtbehörde die Kosten, die Lufthansa & Co. dank der kurzen Routen derzeit noch an Sprit einsparen. Die Lufthansa mag das nicht bestätigen, nennt nur die Zahl von rund 180 Überflügen in der Woche. Die Alternativrouten etwa über den persischen Golf würden nicht nur deutlich länger dauern, sondern auch sofort zusätzliche Millionenkosten verursachen.

Doch auch die Russen haben einiges zu verlieren: Zunächst gehen die Überfluggebühren verloren. So leitet Russland einen großen Teil seiner Überflugeinnahmen an die staatliche Fluggesellschaft Aeroflot weiter. Rund 200 Millionen Euro soll die Gesellschaft 2013 so eingenommen haben, was ziemlich genau ihrem Nettogewinn entsprach.

Zudem könnte Europa seinerseits mit einem Überflugverbot für russische Maschinen kontern. Deren Wege nach Nordamerika würden sich damit ebenfalls deutlich verlängern.

Ausmaß der EU-Sanktionen gegen Russland noch unklar

Wegen des Ukraine-Konflikts haben die EU und die USA schon eine Reihe von Sanktionen erlassen, die der Kreml unter anderem mit Importverboten gegen westliche Produkte konterte. Heute wollen die EU-Staaten das nächste Sanktionspaket verabschieden, das bereits am Dienstag in Kraft treten könnte.

Die Pläne sehen vor allem weitere Restriktionen für Finanzgeschäfte und für Güter vor, die für zivile und militärische Zwecke genutzt werden können. Spekuliert wurde auch über weitreichende Sanktionen gegen staatlich kontrollierte Ölkonzerne.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hatte am Sonntag gesagt, die Sanktionen könnten wieder rückgängig gemacht werden, falls die am Freitag begonnene Waffenruhe in der Ostukraine halte. Am Wochenende war aber wiederholt über Gefechte berichtet worden, unter anderem in den Städten Mariupol und Donezk. Auch in der Nacht zu Montag soll es in Mariupol und weiteren Orten der Ostukraine Kämpfe gegeben haben.

rei/afp/rtr/dpa

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung