Deutscher Mittelständler leitet Umdenken ein Wie globale Fleisch-Giganten in Anti-Fleisch investieren

Rügenwalder-Mühle-Manager Godo Röben (l.), Inhaber Christian Rauffus: Trend zu weniger Fleisch in westlicher Welt

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Als die Manager der Fleischfirma Rügenwalder Mühle vor zwei Jahren ihre große Vegetarier-Offensive starteten, waren die Reaktionen aus der eigenen Branche zum Teil harsch. Die Niedersachsen verhielten sich wie "Vaterlandsverräter", soll ein Wettbewerber sogar gemotzt haben.

Inzwischen stellt sich heraus, dass das mittelständische Unternehmen aus Bad Zwischenahn mit der Entscheidung für vegetarischen Schinken-Spicker, Gemüsefrikadellen, Sojaschnitzel und so weiter durchaus früh einen Trend erkannt hat. Dies zeigt sich zur Zeit, weil mehrere große Fleischkonzerne ebenfalls auf den Zug aufspringen.

So hat das US-Unternehmen Tyson Foods - Amerikas größter Hühnchenverarbeiter - gerade einen 5-Prozent-Anteil an der Firma Beyond Meat übernommen. Sie stellt Fleischersatzprodukte auf Pflanzenbasis her und wird von Microsoft-Milliardär Bill Gates unterstützt. Auch der kanadische Fleischkonzern Maple Leaf fährt die Produktion an vegetarischem "Fleisch" hoch. "Es ist derzeit ein unfassbar heißer Bereich", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters  Maple-Leaf-Manager Adam Grogan. Sein Unternehmen sehe vegetarische Produkte genauso wie Hühnchen oder Schweinefleisch. "Wir sehen uns in erster Linie als Proteinproduzenten."

Seit dem Jahr 2010 ist der Umsatz mit Fleischersatz-Produkten weltweit um 42 Prozent auf vier Milliarden Dollar gewachsen, berichtet Reuters unter Berufung auf Daten der Unternehmensberatung. Markets ans Markets. Derweil sinkt in der westlichen Welt der Fleischverbrauch seit den 1970er-Jahren.

Zahlreiche Unternehmen haben sich der Suche nach dem perfekten Fleischersatz verschrieben. In den USA stützen Gates und andere Geldgeber Firmen wie Impossible Foods, die von sich behaupten, keinen Fleischersatz, sondern Fleisch aus Pflanzen herzustellen.

Zudem wächst der gesellschaftliche Druck auf Fleischkonzerne, Massentierhaltung und billige Futterproduktion zu beenden. Im September haben führende Investoren der Lebensmittelbranche damit gedroht, Geld abzuziehen, falls sie nicht umdenkt.

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Der deutsche Markt gilt im Bereich der Ersatzprodukte als einer der führenden. Nach dem Rügenwalder-Vorstoß haben Konkurrenten wie Herta, Gutfried oder Meica nachgezogen. Discounter wie Aldi oder Lidl greifen mit vegetarischen Lebensmitteln im unteren Preissegment an.

Der Umsatz mit Produkten aus Soja, Eiklar oder Erbspüree wuchs 2015 um etwa ein Drittel auf 310 Millionen Euro, hat die Marktforschungsfirma Gfk ermittelt. Vom Marktvolumen der Fleischindustrie mit ihren 18 Milliarden Euro ist das allerdings noch ein gutes Stück entfernt.

Christian Rauffus, Chef des Branchen-Pioniers Rügenwalder Mühle, sieht in diesem Verhältnis indes die Chance auf weiteres Wachstum. Bisher erzielt sein Unternehmen 20 Prozent des Umsatzes mit vegetarischen Lebensmitteln, bis 2020 sollen es 40 Prozent sein.

Es könne aber auch gut sein, dass er noch erlebe, dass sein Unternehmen gar kein "echtes" Fleisch mehr herstelle, sagte der 64-Jährige im Sommer dem "Spiegel". "Ich glaube, dass vegetarische Produkte bald keinen Ersatzcharakter mehr haben werden."

mit rtr