Dienstag, 12. November 2019

Unternehmensberater Roland-Berger-Stiftung verschiebt Verleihung von Menschenwürde-Preis

Roland Berger: Zwei Historiker beauftragt, Preisverleihung an Adam Bodnar verschoben

Die Roland-Berger-Stiftung hat die für Montag geplante Verleihung ihres Preises für Menschenwürde verschoben. In einer Mitteilung vom Wochenende hieß es, mit diesem Schritt möchte der Stifter Roland Berger vermeiden, "dass die aktuelle Berichterstattung über die Rolle seines Vaters in der Zeit des Nationalsozialismus die Würde und das Renommee dieses seit 2008 verliehenen Preises gefährdet".

Einem Bericht des "Handelsblattes" zufolge war Georg Berger 1931 in die NSDAP eingetreten und von 1936 bis 1939 Reichskassenverwalter der Hitler-Jugend gewesen. Anschließend sei er Generaldirektor einer "arisierten" Backfabrik geworden und habe in einer beschlagnahmten Villa gewohnt. Der Unternehmensberater Roland Berger hatte seinen Vater lange als Gegner und Opfer der Nazis dargestellt - um Klarheit zu bekommen, beauftragte er inzwischen zwei Historiker, um "reinen Tisch zu machen und alles aufzuklären".

Der Bericht der Historiker soll voraussichtlich Ende des Jahres vorliegen und veröffentlicht werden. Beraterlegende Roland Berger ist auch Mitglied der manager-magazin-Jury zur Wahl des "Manager des Jahres".

Der polnische Bürgerrechtler Adam Bodnar, der den Preis für Menschenwürde am Montag im Jüdischen Museum in Berlin erhalten sollte, hatte am Freitag erklärt, er nehme die Auszeichnung wegen der Zweifel an Bergers Rolle im Nationalsozialismus nicht entgegen. Auch das Netzwerk "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" verzichtete der Mitteilung der Stiftung zufolge auf den Preis.

"Ich respektiere diese Entscheidungen und sage die Veranstaltung für Montag ab, um weiteren Schaden von meiner Stiftung abzuwenden und den Geist der Auszeichnung für kommende Preisträger zu wahren", sagte Berger laut Mitteilung.

la/dpa

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung