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Rocket Internet / Zalando: Die Geldgeber - und die Risiken

Foto: Mart Klein für manager magazin

Einstieg vor IPO Rockets Drehbuch für den Börsengang

Wer das Drehbuch für den mutmaßlich anstehenden Börsengang von Rocket Internet geschrieben hat, der hat irgendwie kopiert. Und wo? Nicht ganz überraschend in den USA.
Von Andrea Rungg

Hamburg - Als prominente US-Startups wie Facebook, Zynga, Linkedin oder Groupon an die US-Börse Nasdaq strebten, war das Schema wie folgt.

Erstens: Alle gingen im Umfeld des dicksten Dampfers an die Börse. Damals war das Facebook. Die kleineren, aber ebenfalls gehypten Startups lauerten auf den Börsengang des Jahrzehnts, den von Facebook. Onlinespielehersteller Zynga, Karrierenetzwerk Linkedin und Gutscheinanbieter Groupon huschten noch vor dem weltweit größten Onlinenetzwerk an die Börse.

Eine Begründung, etwa für Linkedin, lieferte damals eine mit den Vorgängen vertraute Person anonym. "Wenn Facebook vor Linkedin an die Börse gehen würde, glauben sie, dass dann noch irgendwer Linkedin viel Aufmerksamkeit schenken würde?"

Zweitens: Zeitnah vor den erwarteten Börsengängen der genannten US-Unternehmen kauften sich Investoren noch fix in das eine oder andere prominente Startup ein. Die Bewertungen schnellten nach oben, markierten quasi vorab eine Hausnummer. Die Investoren zahlten viel Geld, erhielten rund 10 Prozent der Anteile und ihr Risiko galt als überschaubar.

Bei US-Startups galt zum Beispiel das Investment des russischen Kapitalgebers Digital Sky Technologies (DST) als sicheres Zeichen, dass die Unternehmen baldige Börsenkandidaten sind. Denn DST investierte nach eigenem Bekunden nur in Unternehmen, die börsenreif sind. Lediglich Linkedins Erstnotiz folgte, ohne dass vorab noch mal Geld floss.

Drittens: Die so genannten "Finanzkreise" konnten Wirtschaftsmedien - natürlich vertraulich - berichten, dass die Unternehmen in den kommenden Monaten aufs Parkett wollen. Es wurden mögliche Emissionsvolumina und Unternehmensbewertungen durchgestochen.

Facebook und Co. - Blaupause für Rockets Weg an die Börse

Vor dem Facebook-Börsengang konnte man quasi im Wochenrhythmus darauf setzen, das Unternehmen XY bereit ist und Fantastilliarden wert ist. Auf viele wirklich wichtige Kennziffern wie Gewinn, Cash Flow, Wachstumsentwicklung, Kosten, gegebenenfalls Nutzer- oder Kundenentwicklung sowie eine realistische Risikobewertung mussten potenzielle Investoren in der Regel bis zum Börsenprospekt warten.

Viertens: Und auch das gehörte zum Drehbuch, mussten sich die jeweiligen Protagonisten medial repräsentabel und den Investoren als absolut seriös und natürlich erfolgreich darstellen. Damit ist nicht die klassische Roadshow gemeint. Es geht also eher um die Roadshow vor der eigentlichen Werbetour bei Investoren.

Sollten Sie nun die eine oder andere Parallele zu den Börsenplänen, insbesondere zu denen von Rocket Internet wiedererkennen, dann liegen Sie richtig. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Bei den Brüdern Oliver, Mark und Alexander Samwer geht alles mal wieder ein bisschen schneller als bei anderen Unternehmern.

Im aktuellen Fall sieht die Ausgangssituation wie folgt aus …

Im Umfeld von Alibaba fühlen sich die Samwer-Brüder wohl

Vermutlich im September, vielleicht aber auch Oktober, strebt der chinesische Online-Händler Alibaba an die New Yorker Stock Exchange (Nyse). In diesem Umfeld planen nun auch die Gewächse der Samwer-Brüder - Zalando und Rocket Internet - eine Erstnotiz. Allerdings in Frankfurt. Alibaba ist angesichts der Größe und des Potentials eindeutig der größere Dampfer - und deshalb kaum mit den beiden deutschen Unternehmen vergleichbar.

Die Chinesen wollen, so wird es kolportiert, 15 Milliarden Dollar einsammeln und damit nur knapp eine Milliarde Dollar weniger als damals Facebook. Rocket-Chef Oliver Samwer scheut allerdings keinen Vergleich. "Wir wollen mit Rocket der größte Onlinedienst außerhalb der USA und China sein". So zitierte ihn die Financial Times. An anderer Stelle sagte er: "Es gibt weltweit drei Online-Händler: Amazon, das chinesische Alibaba und uns."

Dass Zalando an die Börse strebt, das war spätestens nach dem Einstieg des bereits erwähnten russischen Investors DST im Jahr 2012 deutlich. Der Onlinehändler wurde gemeinsam mit den Samwers über sieben Jahre aufgebaut, glänzt mit beeindruckendem Wachstum und zeigt einen markanten Schwachpunkt: er schreibt keinen Gewinn. Und auch wenn die Samwers nach außen hin operativ nicht sichtbar waren, dann ist Zalando dennoch ein Samwer-Gewächs.

Rocket rast Alibaba nun hinterher

Für Rocket soll Zalando quasi Modell stehen, das zeigt, was die drei Brüder können. Zalando surft also im Fahrwasser von Alibaba. Und um im Bild zu bleiben. Für Rockets Börsengang hat sich Oliver Samwer einen Kiteschirm geschnappt und rast nun Alibaba hinterher. Denn in welcher Geschwindigkeit Rocket Internet nun mutmaßlich an die Börse strebt, das hat Samwer-Stil.

Ende Mai - man muss sagen plötzlich - berichteten "Bloomberg" und die "Financial Times", Rocket Internet plane zu einer Bewertung zwischen drei und fünf Milliarden Dollar einen Börsengang. Wesentliche Kennziffern? Unbekannt, beziehungsweise wurden sie nicht hinterfragt.

Die Quellen für die Berichte waren die gern zitierten "Finanzkreise". Mittlerweile schwirrt eine Powerpoint-Präsentation durchs Internet, die an manchen Stellen satirische Züge hat, aber über wesentliche finanzielle Kennziffern so viel aussagt wie ein Liebesroman. Ob Investoren nach einem publizierten Börsenprospekt aber schlauer werden, bei Investments in 102 zum Teil exotischen Ländern?

Investoren pumpen Rockets Wert vor dem Börsengang mächtig auf

Wenige Wochen nach Bekanntwerden der vermeintlichen Planspiele für die Börse bekam Rocket zwei neue Investoren. Anfang August stieg die philippinische Telekom-Gesellschaft PLDT ein und zahlte für einen Anteil von 10 Prozent 333 Millionen Euro. Der Unternehmenswert lag damit bei 3,3 Milliarden Euro.

Kaum zwei Wochen später investierte die börsennotierte United Internet AG 435 Millionen Euro in Rocket und erhielt Anteile in Höhe von 10,7 Prozent. Die Gründe für die Steigerung des Unternehmenswerts von etwas mehr als einer Milliarde Euro binnen zwei Wochen kennen sicherlich nur die Beteiligten.

Holtzbrinck Ventures kam am vergangenen Freitag nun als vorerst letzter Anteilseigner hinzu. Wobei der Risikokapitalgeber eigentlich nur seine bisherigen einzelnen Rocket-Beteiligungen in einen 2,5-Prozent-Anteil eintauschte. Die Anteile der übrigen Rocket-Anteilseigner werden mit dem Einstieg von Holtzbrinck leicht verwässert.

Der Global Founders Fund der Brüder Samwer liegt nun bei 52,3 Prozent, die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik bei 18,1 Prozent. Die erst in der vergangenen Woche eingestiegene United Internet hält 10,4 Prozent, die philippinische Telekom-Gesellschaft PLDT 8,4 Prozent und der russischstämmige Milliardär Len Blavatnik 8,3 Prozent.

Es ist nun also nicht mehr überraschend, dass Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer plötzlich Interviews gibt. Das gehört zum Drehbuch für Börsengänge.

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