Start-up-Schmiede mit Verlusten Rocket Internet verringert Verluste - und halbiert das Geld seiner frühen Investoren

Die Start-up-Fabrik Rocket Internet hat die Verluste bei einigen ihrer Firmen reduziert. Zugleich hat sich das Wachstum bei den größten Beteiligungen verringert. Die Aktie hat seit ihrem Börsengang ihren Wert halbiert.
Oliver Samwer: Immer noch rote Zahlen - aber nicht mehr ganz so rot

Oliver Samwer: Immer noch rote Zahlen - aber nicht mehr ganz so rot

Foto: Tobias Hase/ dpa

Die größten Firmen der Startup-Schmiede Rocket Internet  haben sich zum Jahresstart schlechter entwickelt. Im ersten Quartal sei der Umsatz um durchschnittlich 34 Prozent auf 532 Millionen Euro geklettert, teilte das Berliner Unternehmen am Dienstag mit. Darin sei das Ergebnis des asiatischen Amazon-Klons Lazada nicht mehr enthalten, dessen Anteil an Alibaba verkauft wurde.

Inklusive Lazada war Rocket mit seinen größten Beteiligungen im Vorjahreszeitraum noch auf Erlöse von 590 Millionen Euro gekommen und damit auf ein Plus von 149 Prozent im Vergleich zu 2014.

Die Startups, zu denen unter anderem der Essenslieferdienst Delivery Hero, der Kochbox-Anbieter HelloFresh, die Möbelhändler Westwing und Home24 sowie die in der Global Fashion Group gebündelten sechs Modehändler gehören, machen weiterhin Verluste. Vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verringerten sich diese bei den zwölf größten Beteiligungen laut Rocket Internet im ersten Quartal allerdings um mehr als 40 Millionen Euro auf 141 Millionen Euro.

"Drei profitable Startups bis Ende 2017" - Aktie seit IPO halbiert

"Wir halten an unserem Ziel fest, bis Ende 2017 drei Startups profitabel zu machen", sagte Rocket-Chef Oliver Samwer.

Anleger bleiben skeptisch. Die Rocket-Aktie büßte am Dienstag bis zu 4,7 Prozent auf 21,25 Euro ein. Im Herbst 2014 war Rocket zu einem Ausgabepreis von 42.50 Euro an die Börse gegangen: Das Geld der Investoren, die zu diesem Preis die Rocket-Aktie gezeichnet hatten, hat sich damit halbiert.

Aktionäre des Online-Händlers Zalando haben bislang mehr Glück mit ihrem Investment. Zalando war 2014 zu einem Ausgabepreis von 21,50 Euro an die Börse gegangen, aktuell notiert die Aktie bei rund 27 Euro.

Rocket Internet hat dagegen weiterhin Probleme: Vor allem bei Home24 und Westwing führte die strengere Kostenkontrolle mit geringeren Marketingausgaben dazu, dass die Umsätze nur noch im einstelligen Prozentbereich zulegten. "Im Vergleich zum Marktstart geht das Wachstum irgendwann immer zurück", sagte Rocket-Chef Samwer.

Kenias Onlinehändler Jumia und das lateinamerikanische Pendant Linio nahmen sogar weniger ein, was Rockets Finanzchef Peter Kimpel unter anderem mit Wechselkurseffekten begründete. "Bei Linio werden nun mehrere Optionen geprüft, darunter auch ein Ausstieg aus dem Unternehmen", kündigte Samwer an.

Firmenwert reduziert sich deutlich

Investoren sind seit längerem verunsichert, ob die Firma letztlich mit ihrem Geschäftsmodell - dem Gründen und Verkaufen von Startups - Geld verdienen kann.

Zuletzt machte Rocket Internet Schlagzeilen, weil das Unternehmen seine sechs Modehändler von gut drei Milliarden auf eine Milliarde Euro abwertete. Dies wie auch der Lazada-Verkauf führten nun zu einer Verringerung des Firmenwerts von Rocket auf 5,3 Milliarden Euro zu Ende April von noch knapp sechs Milliarden Euro im März.

la/dpa/reuters

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