Mittwoch, 13. November 2019

500-Millionen-Euro-Expansion in China steht auf der Kippe Schlacht der Schlachter - Neffe verklagt Clemens Tönnies

Kämpfen erbittert vor Gericht: Großschlachter Clemens Tönnies (links) und sein Neffe Robert. Robert nannte seinen Onkel jüngst "größenwahnsinnig"
Bernd Thissen / DPA
Kämpfen erbittert vor Gericht: Großschlachter Clemens Tönnies (links) und sein Neffe Robert. Robert nannte seinen Onkel jüngst "größenwahnsinnig"

Die Schlacht um Deutschlands größten Schlachtkonzern Tönnies wird immer brisanter. Robert Tönnies, der Neffe von Konzernlenker Clemens Tönnies, will die geplante Expansion nach China mit allen Mitteln verhindern und hat nach Informationen des manager magazins nun Klage vor dem Landgericht Bielefeld eingereicht. Das Gericht hat für den 8. November eine mündliche Verhandlung anberaumt.

Robert Tönnies, dem die Hälfte des Konzerns gehört, sieht sich über die geplante Größenordnung des Investments getäuscht und hatte seinen Onkel, wie manager Magazin exklusiv vermeldete, nach Bekanntwerden des Vorhabens Ende September scharf kritisiert: "Ich mache mir mittlerweile Sorgen, dass Clemens Tönnies an Größenwahn erkrankt sein könnte. Es gibt bezüglich des Vorhabens in China nur zwei Schlussfolgerungen: Entweder wurden der Beirat und ich getäuscht, da die geplante Investition eine Größenordnung hat, die der Zustimmung bedarf. Oder mein Mitgesellschafter hat wie seinerzeit beim angeblichen Bau eines Schlacht- und Zerlegebetriebs in Russland der Öffentlichkeit einen Bären aufgebunden."

Clemens Tönnies will mit Dekon 500 Millionen Euro in Sichuan investieren

Clemens Tönnies will nach eigenem Bekunden gemeinsam mit der chinesischen Dekon Group einen Schlacht- und Zerlegebetrieb in der Region Sichuan aufbauen und dafür 500 Millionen Euro investieren. Die Bauarbeiten sollen 2020 beginnen. In einem ersten Schritt sollen vor Ort 2 Millionen Schweine geschlachtet werden. "Wir sind stolz, gemeinsam mit unserem Partner ein neues Kapitel der Unternehmensgeschichte aufzuschlagen", hatte Clemens Tönnies Ende September per Pressemitteilung verkündet. Ob es dazu kommt, muss nun das Landgericht Bielefeld entscheiden.

Bielefelder Richter sind mit Schlacht der Schlachter bestens vertraut

Die dortigen Richter sind mit der seit Jahren schwelenden Familienfehde im Hause Tönnies bestens vertraut. Erst am Dienstag hat das Gericht über einen anderen Gefechtsschauplatz in der "Schlacht der Schlachter" entschieden.

Schlachter-Streit eskaliert: Clemens Tönnies, der Gott des Gemetzels

Demnach ist die Kündigung des Dienstverhältnisses des früheren Finanzvorstands Reinhard Quante nicht rechtskonform. Entsprechend hat Quante Anspruch auf Auszahlung seines noch bis November 2020 laufenden Arbeitspapieres. Die Kosten des Verfahrens muss der Konzern tragen. Clemens Tönnies durfte den von Robert Tönnies bestellten Manager jedoch vom Amt des Geschäftsführers abberufen, da Quante nach Auffassung des Gerichts davon ausgehen musste, dass Clemens Tönnies in der Weitergabe von Bankunterlagen des Konzerns an Robert Tönnies einen Vertrauensbruch sehen würde.

"Damit ist wieder einmal klar festgestellt worden, dass Clemens Tönnies gegen unseren Einigungsvertrag verstoßen hat", lässt sich Robert Tönnies feiern. "Auch dieses Thema zeigt, dass es am vernünftigsten wäre, wenn sich die Gesellschafter trennen. Leider ist mein Onkel dazu nach wie vor nicht bereit."

Clemens Tönnies, der mit dem Quante-Urteil ebenfalls einen Teilerfolg zu verbuchen hat, äußerte sich am heutigen Mittwoch über einen Sprecher: "In diesem arbeitsrechtlichen Prozess handelt es sich um eine klassische Auseinandersetzung zwischen einem Unternehmen und einem Mitarbeiter. Wir sind daher im Unternehmen über die Äußerungen des Gesellschafters Robert Tönnies sehr verwundert, diesen Arbeitsprozess für den persönlichen Zweck zu instrumentalisieren", so der Sprecher der Tönnies Holding. "Wir appellieren an Herrn Robert Tönnies, sich in der Tradition der Familie Tönnies der Sache des Unternehmens zu widmen, so wie die weiteren 16.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es jeden Tag tun."

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