Nach Saudi-Konflikt Branson tritt als Chairman von Hyperloop One zurück

Archivfoto vom Treffen Richard Bransons mit dem saudi-arabischen Kronprinz Mohammed bin Salman bei der «Future Investment Initiative Conference» 2017: Nach seiner öffentlichen Kritik im Fall Khashoggi hat Riad den Milliardär abgestraft - und Branson tritt nun als Chairman von Hyperloop One zurück.

Archivfoto vom Treffen Richard Bransons mit dem saudi-arabischen Kronprinz Mohammed bin Salman bei der «Future Investment Initiative Conference» 2017: Nach seiner öffentlichen Kritik im Fall Khashoggi hat Riad den Milliardär abgestraft - und Branson tritt nun als Chairman von Hyperloop One zurück.

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Die Investorenkonferenz in Riad hat gerade begonnen - mit deutlich weniger Prominenz als geplant, da gibt es neue Nachrichten bei einem vom Saudi-Streit stark betroffenen Unternehmen - und einem der lautstärksten Kritiker. Der Milliardär Richard Branson tritt von seiner Position als Chairman der Virgin Hyperloop-One-Projektes zurück - behält aber offenbar seine Beteiligung.

In einer Erklärung gegenüber manager magazin online begründete das Unternehmen den Rücktritt am Dienstag damit, dass das Unternehmen einen Führer brauche, der aktiver in das Unternehmen eingebunden sei als dies bei Branson der Fall sei - und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der Nachrichtenagentur Reuters.  Da er für seine philantrophischen Unternehmungen und die vielen anderen Unternehmen in der Virgin Gruppe viel Zeit aufwende, falle es ihm schwer, diese Verpflichtungen [gegenüber dem Hyperloop-One-Projekt] zu erfüllen, wurde Branson von Reuters zitiert.

Hyperloop Ones größter Aktionär, der Hafenbetreiber DP World aus Dubai, erklärte das Unternehmen suche nun einen neuen Chairman. Wie Reuters weiter berichtete,  setzte Branson auch seinen Vorsitz bei zwei saudischen Tourismusprojekten am Roten Meer aus.

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Tatsächlich hatte sich der 68-jährige Milliardär zuletzt als Belastung für das Unternehmen erwiesen. Der illustre Geschäftsmann hatte nach dem mutmaßlichen Tod des Journalisten Jamal Khashoggi verkündet, Verhandlungen mit dem saudi-arabischen Staatsfonds über ein Milliardeninvestment in das Raumfahrtgeschäft seines Unternehmens Virgin einzufrieren - solange das Schicksal des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi ungeklärt bleibe.

Mittlerweile hat die saudische Regierung den Tod des Journalisten zwar eingeräumt, die Tötung im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul aber als Versehen dargestellt. Sollten sich die Berichte [über einen Auftragsmord gegen den Regime-Kritiker] als wahr erweisen, würde sich die Fähigkeit eines jeden von uns im Westen, Geschäfte mit der saudischen Regierung zu machen, eindeutig verändern", hatte Branson gesagt. Und das wenige Tage vor der "Future Investment Initiative"-Konferenz des Kronprinzen Mohammed bin Salman, einem Prestigeprojekt des Kronprinzen, bei der es um Wirtschaftstrends, Fortschritt und eine Zukunft ohne Öl gehen soll.

Gewinnt Hyperloop-One die Gunst der Saudis zurück

Bei der Konferenz, deren Macher das Event als eine Art "Davos der Wüste" etablieren wollen, hätte laut "Financial Times" nicht nur der Finanzierungsdeal mit Hyperloop One geschlossen werden sollen, sondern auch Details zur Fertigung, zu den Routenoptionen und zum Wissenstransfer sollten abgesteckt werden.

Wenige Stunden nach Bransons Statement sei Hyperloop-one-CEO Rob Lloyd von der saudi-arabischen Regierung ausgeladen worden, berichtete die "Financial Times" unter Berufung aus einen Insider. "Sie haben den Deal gekillt", zitierte die Zeitung den Insider weiter.

Ob der Rücktritt Bransons am aktuellen Verhältnis mit den Saudis etwas ändert, war zunächst nicht bekannt.

Das kalifornische Unternehmen Virgin Hyperloop One will Kapseln mit Passagieren durch Unterdruckröhren schicken, um große Entfernungen schnell zurücklegen zu können. Ein Tempo von bis zu 1200 km/h soll so erreicht werden. Derzeit laufen bereits mehrere Studien zur Machbarkeit dieser Transportart, unter anderem in Dubai, Indien und den USA zwischen St. Louis and Kansas City. Nach Unternehmensangaben hat Hyperloop bisher rund 300 Millionen US-Dollar von Investoren erhalten, darunter Bransons Virgin Group.

Neben dem Transport von Passagieren erwägen DP World und Hyperloop One auch die industrielle Nutzung und haben dazu in diesem Jahr ein Logistik-Joint-Venture  gegründet.

Allerdings ist Hyperloop One nur eines von zwei Unternehmen, die die Technologie praktisch umsetzen wollen. Das zweite Unternehmen ist das von dem Deutschen Dirk Ahlborn geführte Hyperloop Transportation Technologies (HTT). Das Unternehmen unterzeichnete Presseberichten im April in Abu Dhabi eine Vereinbarung zum Bau einer zehn Kilometer langen Strecke in den Vereinigten Arabischen Emiraten, mit der Pendler womöglich bereits 2020 reisen können sollen.

Einen ersten Vorgeschmack sollen Hyperloop-Fans nach einer Ankündigung von Hyperloop-Pionier Elon Musk aber schon im Dezember in Los Angeles bekommen können. Dort soll im Dezember ein 3,2 Kilometer langer Tunnel eingeweiht werden - mit kostenlosen Probefahrten für Interessierte.

reuters