Donnerstag, 23. Mai 2019

Companisto-Startup Returbo meldet Insolvenz an Das deutsche Crowdinvesting hat seine erste Millionenpleite

Screenshot der Crowdinvesting-Plattform Companisto: Das insolvente Startup Returbo holte sich dort noch 2015 gut eine Million Euro

Unerfreulicher Meilenstein in der deutschen Crowdinvesting-Szene: Erstmals musste ein Unternehmen Insolvenz anmelden, in das per Schwarmfinanzierung mehr als eine Million Euro geflossen waren. Es ist damit die größte Crowdinvesting-Pleite hierzulande bislang.

Es handelt sich um das Berliner Startup Returbo, das Geld mit dem Verkauf von Retouren, Ausstellungsstücken, Fehlproduktionen und ähnlichem verdienen wollte. 1380 Investoren fanden sich 2015 auf der Crowdinvesting-Plattform Companisto, um zusammen gut eine Million Euro in die Firma zu investieren.

Um das Geld müssen die Anleger nun bangen: Wie Returbo-Gründer und Geschäftsführer Simon Schmid gegenüber manager magazin online bestätigt hat, sah sich das Management vor wenigen Tagen gezwungen, einen Insolvenzantrag zu stellen.

Prominentester Returbo-Investor ist wohl Martin Sinner. Der Gründer des Preisvergleichsportals Idealo.de und heutige Chef des Media-Saturn-Tech-Accelerators Spacelab hält knapp 10 Prozent der Anteile an Returbo, wie das Unternehmen bestätigte. Sinner war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Dass die Returbo-Pleite so kurz nach der erfolgreichen Companisto-Finanzierung eintritt, lässt die Sache umso bemerkenswerter erscheinen. Noch 2015, zur Companisto-Kampagne, wurde das Unternehmen Berichten zufolge mit 11,5 Millionen Euro bewertet. Returbo plante seinerzeit einen Umsatz von sechs Millionen Euro, schreibt etwa die Website Investmentcheck.de. Ziel war es demnach, die Erlöse bis 2019 auf über 30 Millionen Euro zu erhöhen, bei einem gleichzeitigen Anstieg des Gewinns auf drei Millionen Euro. Bei der Einwerbung der Crowd-Gelder, so heißt es weiter, wurde zudem mit Superlativen und vollmundigen Versprechungen nicht gespart.

Kritik an vollmundigen Versprechungen

Entsprechend scharf fällt nun die Kritik aus: Investmentcheck.de zitiert den Göttinger Rechtsanwalt Jürgen Machunsky, demzufolge die Vermutung naheliegt, dass die Prognosen von vornherein unvertretbar gewesen sein könnten. Zudem befinde sich womöglich auch die Plattform Companisto in einer Verantwortung, der sie nicht gerecht werde.

Das sehen die Verantwortlichen allerdings anders. Bisher seien sieben von insgesamt 67 Startups auf Companisto gescheitert, kontert der dortige Pressesprecher André Glasmacher die Kritik. "Dies ist für den Bereich Venture Capital und innovative Unternehmensgründungen eine sehr geringe Ausfallquote", so Glasmacher.

Auch Returbo-Chef Schmid kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Seiner Darstellung zufolge geriet die Gesellschaft erst Ende 2015 durch den Wegfall des bis dahin größten und wichtigsten Geschäftspartners in Schwierigkeiten. Zwar sei es gelungen, zu Beginn des Jahres 2016 mehrere neue Partner zu gewinnen. Zudem wurde eine "mehrdimensionale Finanzierungsrunde" durchgeführt und verschiedene Stundungen, Ratenzahlungen und ähnliches vereinbart, so Schmid gegenüber manager magazin online.

Der begonnene Turnaround gelang dann laut Schmid jedoch nicht, weil im Sommerloch dieses Jahres das Geschäft überraschend stark eingebrochen sei. Die Folge war eine Liquiditätslücke, die zu einer "klassischen Abwärtsspirale" und schließlich zur Insolvenz geführt habe, so der Returbo-Chef. Die Investoren, so betont der Startup-Gründer, seien über diese Entwicklung ständig auf dem Laufenden gehalten worden.

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