Relegationskrimi Frankfurt gegen Nürnberg Nur frisches Geld kann die Traditionsclubs retten

Zwei Gründungsmitglieder der Fußball-Bundesliga haben seit Montag Klarheit: Eintracht Frankfurt konnte die harten finanziellen Einbußen für den Fall des Abstiegs in die 2. Liga abwenden, Nürnberg wird durch seinen Nicht-Aufstieg dagegen seinen aktuellen Kader ausdünnen müssen. Hannover 96 und VfB Stuttgart sind bereits abgestiegen. Viele Traditionsvereine kämpfen ums wirtschaftliche Überleben - und es gibt nur einen Weg, sie zu retten.
Von Volker Heun
Seid umschlungen: Eintracht Frankfurts scheidender Vorstandschef Heribert Bruchhagen am Montagabend nach dem Sieg seiner Mannschaft in Nürnberg.

Seid umschlungen: Eintracht Frankfurts scheidender Vorstandschef Heribert Bruchhagen am Montagabend nach dem Sieg seiner Mannschaft in Nürnberg.

Foto: Alex Grimm/ Bongarts/Getty Images

Schaut man sich sogenannte Traditionsklubs der Fußball-Bundesliga an, überfällt einen fast zwangsläufig eine große Melancholie: Der VfB Stuttgart und Hannover 96 - abgestiegen. In der 2. Liga haben einstmals große Vereine wie 1860 München, der Karlsruher SC, der VfL Bochum, der St. Pauli oder der 1. FC Kaiserslautern ihre Blütezeit lange hinter sich und fristen ein trauriges Dasein im Schatten der finanzstarken Erstligavereine und der eigenen Geschichte. Ganz bitter wird es, wenn man sich Alemania Aachen und Rot Weiß Essen in der Regionalliga West anschaut.

Volker Heun
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Volker Heun arbeitete lange für die Deutsche Bank in den USA und berät heute internationale Fußballinvestoren. Mit "Assetklasse Fussball" hat er ein Handbuch für Investoren und Fans geschrieben, das einen Blick hinter die Kulissen des Big Business im Fußball gewährt. Das Buch jetzt bei amazon bestellen. 

Für Tausende Fußballfans ist es nur schwer zu ertragen, wie sich der eigene Klub in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Die Dominanz der Besten um Bayern München und Borussia Dortmund wird immer erdrückender, und jeder weiß: Ist ein Verein erst einmal abgestiegen und raus aus der Geldmaschine des Europapokals und der Erstliga-TV-Rechte, wird es unglaublich schwer, zurückzukommen und wieder aufzusteigen. Diese Vereine brauchen, wenn sie langfristig eine Chance haben wollen, dringend frisches Geld - und zwar von außen. Dazu muss eine der kontroversesten Bestimmungen des deutschen Fußballs hinterfragt werden: die 50+1-Regel.

Finanzielle Barriere für Neuerungen

Die 50+1-Regel besagt, dass bei einem Bundesligisten kein Investor über die Stimmenmehrheit verfügen darf. Kein Investor kann also die Kontrolle über einen deutschen Profiklub erlangen - und das genau ist der Grund, warum die meisten internationale Großinvestoren einen Bogen um den deutschen Fußball machen und ihr Geld lieber in englische Mannschaften investieren. Die Finanzkraft der englischen Vereine wird den deutschen in Zukunft noch schwer zu schaffen machen: Da es im Fußball um sehr viel Geld geht, werden die Topstars von Deutschland nach England abwandern - früher oder später. Das gilt sowohl für Spieler, als auch für Trainer.

Dabei gibt es bereits heute eine Fülle von Ausnahmen von der 50+1-Regel. Bayer Leverkusen trägt den Namen seines Eigners bereits im Namen, der VfL Wolfsburg wäre ohne die Millionen des Volkswagen-Konzerns nicht erstklassig, ebenso wenig 1899 Hoffenheim ohne das Geld des SAP-Mitgründers Dietmar Hopp. Bei Hannover 96 hat ab Sommer 2018 endgültig der Hörgeräte-Unternehmer Martin Kind das Sagen, und hinter dem Bundesliga-Neuling RB Leipzig steht der österreichische Brausehersteller Red Bull mit einem reinen Investorenmodell, welches von der Liga geduldet wird..

Ausnahmen als Chance

Warum also gibt es noch die 50+1-Regel, wenn es derart viele Ausnahmen gibt? Etliche Bundesligisten wären mit Sicherheit international wieder konkurrenzfähig, wenn die antiquierte Regel abgeschafft werden würde. Dann kämen auch mehr Investoren auf deutsche Klubs zu. Selbst Traditionsvereine aus der 2. Bundesliga oder den Regionalligen könnten im Falle der Abschaffung auf Investoren hoffen - und darauf, eines Tages wieder höherklassig zu spielen. Sicherlich würde ein maßgeblicher Einfluss externer Geldgeber unter den Fans für reichlich Diskussion sorgen. Die Kunst ist es dann, die richtigen Investoren zu finden, die mit einem langfristigen und seriösen Horizont aufwarten. Leider gibt es immer auch schwarze Schafe - unter Investoren wie unter den Entscheidungsträgern der Vereine. Ein Beispiel ist der englische Klub Portsmouth, der innerhalb von nur einem Jahr drei verschiedene Besitzer hatte.

Vereinsverantwortliche, die an der 50+1-Regel festhalten wollen, haben häufig vor allem ihren eigenen Job im Blick. Denn wenn ein Mehrheitsinvestor in einen Klub einsteigt, bringt er meist sein eigenes Personal mit - und die bisher einflussreichen Personen um ihre Ämter bringen.

Wer aber langfristig die Konkurrenzfähigkeit deutscher Vereine mit internationalen Konkurrenten gewährleisten will, kommt nicht darum herum, über die Abschaffung der 50+1-Regel nachzudenken. Sie darf nicht die Handbremse des Profifußballs sein, die stets angezogen bleibt, während die Ligen in anderen Ländern mit Vollgas unterwegs sind. Bleibt sie bestehen, werden Bayern München oder Borussia Dortmund auf lange Sicht die einzigen Klubs sein, die in der Champions League mitspielen können. Beide haben es vorzüglich verstanden, sich finanziell gut zu positionieren - trotz der 50+1-Regel. Dass dies unter den aktuellen Rahmenbedingungen auch anderen Vereinen gelingt, ist ziemlich unwahrscheinlich.

Volker Heun ist Berater für Fußballinvestoren und schreibt als Gastkommentator für manager-magazin.de - trotzdem gibt seine Meinung nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

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