Kampf um die Weltspitze Schweizer MSC-Gruppe bald größte Reederei der Welt

Maersk, MSC, CMA CGM - so lautet seit Jahren die Reihenfolge der weltgrößten Linienreedereien. Die aktuelle Schifffahrtskrise jedoch wälzt den Markt um - in Kürze dürfte es einen Wechsel an der Spitze geben.
Riesenfrachter von MSC: Der Schweizer Konzern dürfte bald zur größten Linienreederei der Welt werden

Riesenfrachter von MSC: Der Schweizer Konzern dürfte bald zur größten Linienreederei der Welt werden

Foto: epa efe Kai Foersterling/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Hamburg - Maersk, die größte Linienreederei der Welt - die Formulierung dürfte vielen schon in Fleisch und Blut übergegangen sein. Doch wenn alles so kommt, wie es sich derzeit ankündigt, dann werden die Dänen ihre Vormachtstellung bald verlieren.

Gemessen an den derzeit in den Orderbüchern der Werften vor allem in Fernost gelisteten Schiffsbestellungen werden sich die Kräfteverhältnisse in der Schifffahrt demnächst verschieben. Die Folge: Ab 2016, so hat es der Schifffahrts-Informationsdienst "Alphaliner" ermittelt, dürfte nicht mehr Maersk, sondern die Schweizer MSC-Gruppe weltgrößte Linienreederei sein.

Laut "Alphaliner" sind es vor allem die Bestellungen besonders großer Containerschiffe, die MSC den entscheidenden Push nach vorne bringen. Insgesamt lasse der Schweizer Schifffahrtskonzern derzeit 17 Frachter mit einer Kapazität von 16.000 bis 19.000 Containerstellplätzen (im Fachjargon: TEU) bauen. Zudem bestehe die Option, die Zahl dieser Orders noch weiter zu erhöhen.

Zum Hintergrund: Bei 19.000 TEU verläuft derzeit die Obergrenze des technisch Machbaren, größere Containerschiffe werden momentan nicht gebaut.

MSC dürfte das Elefantenrennen für sich entscheiden

Hinzu kommen dem Bericht zufolge 35 Schiffe mit einer Tragfähigkeit von bis zu 9400 TEU, die MSC ebenfalls bestellt hat. Alle georderten Frachter sollen laut "Alphaliner" spätestens 2016 ausgeliefert werden, was zu einer Steigerung der Gesamtkapazität der MSC-Flotte von derzeit 2,5 Millionen TEU auf mehr als drei Millionen TEU führen werde.

Zum Vergleich: Die Tragfähigkeit der Flotte der Maersk-Gruppe beträgt dem Bericht zufolge aktuell 2,77 Millionen TEU. Die Dänen betreiben jedoch eine zurückhaltendere Expansionspolitik und haben mit 182.000 TEU bei weitem weniger neue Stellfläche bestellt, heißt es. Maersk werde vor 2017 kaum neue Bestellungen aufgeben, zitiert "Alphaliner" den Maersk-CEO Nils Andersen.

Zum Verlierer des Elefantenrennens droht die französische CMA CGM-Gruppe zu werden, derzeit die Nummer drei der Welt (siehe Grafik links). Für die Franzosen kommt verschärfend hinzu, dass die unter dem Label P3 geplante Kooperation der großen Drei vor einigen Wochen am Veto chinesischer Behörden scheiterte. Jetzt wollen Maersk und MSC gemeinsam Ende 2014 die Allianz 2M in Gang setzen. CMA CGM bleibt dabei außen vor.

Hintergrund der Bestellungen ist unter anderem die weltweite Schifffahrtskrise, in deren Zuge die Schiffspreise auf breiter Front gesunken sind. Zudem sind die Reedereien laufend bemüht, ihre Flotten zu modernisieren, auch, um die ausufernden Treibstoffkosten unter Kontrolle zu halten. Die Folge: Obwohl nach wie vor Überkapazitäten den Markt belasten, bestellen die Reedereien weiter neue Schiffe.

"Massive Überkapazitäten und die in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Treibstoffpreise haben bei den Reedereien aufgrund nicht kostendeckender Fracht- beziehungsweise Charterraten zu hohen Verlusten geführt", erläutert Hartmut Heckert, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und Schifffahrtsexperte. Trotz dieser Überkapazitäten besteht ein anhaltender Druck auf die Reedereien, fortlaufend in immer größere und modernere Schiffe zu investieren."

Der Grund: Die Verbrauchs- und damit Kostenvorteile großer und verbrauchseffizienter neuer Schiffe sind laut Heckert so deutlich, dass der Marktvorteil der Linienreedereien, die aufgrund ihrer Größe und ihres Netzwerks auch für eine Auslastung entsprechend großer Schiffe sorgen können, noch deutlich zunehmen wird. Der Konsolidierungsdruck in der Branche, entweder durch Fusionen oder durch weitere Allianzen und Kooperationen, werde weiter zunehmen, meint der Fachmann. "Dauerhaft überlebensfähig werden nur die Linienreedereien bleiben, die trotz der anhaltenden Schifffahrtskrise den Neubau verbrauchseffizienter Schiffsflotten finanzieren können."

Zu Beginn dieser Woche berichtete das Institut Clarkson Research von einer regelrechten Auftragsflut für Werften. Laut Clarkson wurden im vergangenen Jahr Frachter mit einer Tragfähigkeit von knapp 170 Millionen Tonnen bestellt. Das sei das dritthöchste Ordervolumen aller Zeiten, so die Analysten.

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