RB Leipzig macht Aufstieg perfekt Warum Red Bull gut für die Bundesliga ist

Nach einem 2:0 gegen den Karlsruher SC ist RB Leipzig in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen - und damit auch der Brause- und Unterhaltungskonzern Red Bull. Der Kunstverein wird die Liga viel stärker verändern als zuvor Wolfsburg oder Hoffenheim und ist mittelfristig eine ernste Gefahr für den FC Bayern. Das ist nicht nur gut fürs Geschäft, das ist auch gut für den Fußball.
Von Volker Heun
Gerade hat Leipzigs Marcel Halstenberg zum 2:0 gegen den Karlsruher SC getroffen. Red Bull ist in der Bundesliga.

Gerade hat Leipzigs Marcel Halstenberg zum 2:0 gegen den Karlsruher SC getroffen. Red Bull ist in der Bundesliga.

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Es darf gefeiert werden in Leipzig: Erstmals seit dem Zwangsabstieg von Dynamo Dresden 1995 ist eine Mannschaft aus Sachsen wieder erstklassig - das muss man einfach würdigen, denn ein Aufstieg im harten Bundesligageschäft ist nie einfach, auch nicht wenn man die nötigen finanziellen Mittel hat. Deshalb: Herzlichen Glückwunsch RB Leipzig! Ihr habt es geschafft!

Natürlich wird jetzt die Kritik an der von Red Bull finanzierten "Söldnertruppe" jetzt wieder anschwellen, die mangelnde Tradition des Vereins beklagt werden und der Sieg des Kapitalismus über den Sport. Doch das ist eine sehr beschränkte Sichtweise. Denn RB Leipzig ist nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht ein Gewinn für die Bundesliga, sondern auch aus sportlicher. Der Aufstieg ist nur einer von vielen Zwischenschritten auf dem Weg nach oben, hier reift eine neue Mannschaft im Kampf um die Champions-League-Plätze heran. Betrachtet man den sportlichen Erfolg von Red Bull in anderen Sportarten - die Marke gewann unter anderem vier Formel-1-Weltmeistertitel -, wird schnell klar, dass RB Leipzig mittelfristig auch die Deutsche Meisterschaft zuzutrauen ist. Bundesligafußball wird wieder spannend.

Ein neues Fußballimperium

Volker Heun
Foto: Volker Heun

Volker Heun arbeitete lange für die Deutsche Bank in den USA und berät heute internationale Fußballinvestoren. Mit "Assetklasse Fussball" hat er ein Handbuch für Investoren und Fans geschrieben, das einen Blick hinter die Kulissen des Big Business im Fußball gewährt. Das Buch jetzt bei amazon bestellen. 

Aktuell ist der FC Bayern München einsame Spitze in Deutschland, nur Borussia Dortmund  kann noch ansatzweise mithalten. Faktisch gibt es keinen Wettbewerb in der Bundesliga mehr, sie ist zu einer Art Dauertrainingslager für den FC Bayern verkommen. Gerade deshalb werden RB Leipzig und Red Bull der Liga so gut tun. Red Bull plant sein Fußball-Business generalstabsmäßig und hat mit Ralf Rangnick genau den richtigen Mann, um seinen Plan umzusetzen. Rangnick ist seit Juni 2012 Sportdirektor von RB Leipzig, zuvor war er in gleicher Position beim österreichischen Erstligisten FC Red Bull Salzburg tätig, zum Warmlaufen. Er verfügt über viel Erfahrung und hat bereits Hoffenheim aus dem Amateurlager in die Bundesliga geführt.

Anders als Volkswagen  oder Bayer  ist Red Bull auch kein Industriekonzern mit angegliederter Fußballabteilung, sondern ein reines Marketingunternehmen. Sein weltberühmter Energy Drink wird im eigenen Haus weder hergestellt oder abgefüllt. Die Herstellungskosten pro Dose liegen schätzungsweise bei weniger als 20 Cent, verkauft wird der zuckersüße Muntermacher zu Preisen jenseits von einem Euro für 250 Milliliter. Der Umsatz des Konzern lag 2014 bei circa 5,11 Milliarden Euro, etwa ein Drittel davon fließt nur in Marketingmaßnahmen, darunter Formel 1 und Fußball.

Innerhalb weniger Jahre hat das Unternehmen ein hoch professionelles Fußballimperium aufgebaut. Red Bull unterhält Erstligamannschaften in Salzburg, Sao Paulo, New York und nun auch in Leipzig. Darüber hinaus ist das Unternehmen in Österreich auch im Amateurfußball stark engagiert. Von der Wahl des Standorts bis zur Entwicklung der Spieler wird nichts dem Zufall überlassen. Mit Leipzig hat Red Bull diesbezüglich einen Volltreffer gelandet. In der seit mehr als 20 Jahren erstligafreien Region wurde der neue Club sofort zum Zuschauermagneten. In der Zuschauertabelle 2015/2016 der 2. Bundesliga rangiert RB Leipzig mit durchschnittlich 27.800 Zuschauern pro Spiel auf Platz 3. Nur Nürnberg und St. Pauli ziehen bei Heimspielen noch mehr Zuschauer an. Da fällt es schwer, von einem seelenlosen Kunstprodukt zu sprechen.

Ein eigener Transfermarkt

Red Bull hat den Fußball sicher nicht neu erfunden. Dennoch ist die Struktur des Unternehmens und wie es im Fußballgeschäft agiert völlig neu. Red Bull investiert in verschiedene Länder, in verschiedene Ligen und in verschiedene Vereine - und somit in verschiedene Qualitätsklassen beziehungsweise Spielstärken. Das Unternehmen schafft sich so einen internen Transfermarkt und kann junge Spieler etwa vom österreichischen Amateurklub FC Liefering über Red Bull Salzburg zu RB Leipzig transferieren. In der 1. Bundesliga ist ein talentierter Spieler nach einiger Zeit wesentlich mehr wert als beim FC Liefering. So sammeln viele Spieler ihre Spielpraxis vorrangig im Red-Bull-Universum - was von Vorteil ist, weil die Spielsysteme aufeinander abgestimmt sind.

Reicht es bei einem leistungsmäßig nicht für die Bundesliga, kann er problemlos bei Red Bull Salzburg spielen. So schafft sich der Konzern einen sehr hohen Handlungsfreiraum bei der Zusammensetzung der Mannschaften. Da Red Bull mit Mannschaften in den USA und Brasilien auch außerhalb Europas vertreten ist, ist dies für talentierte Nachwuchsspieler ein wichtiges Argument, sich für Red Bull zu entscheiden. Dank der guten Ausbildung und der direkten Aufstiegsmöglichkeit ist der Konzern zu einer angesehenen Adresse in der Nachwuchsarbeit geworden. Die Akademien sind modern eingerichtet, es fehlt den Spielern an nichts.

Und: Der Geschäftszweck von Red Bull ist die Arbeit mit den Nachwuchsspielern für die eigenen Mannschaften, weniger der Handel auf dem Transfermarkt. Natürlich werden auch gezielt Mannschaftsteile mit externen Spielern verstärkt, doch das Transfergeschäft steht in der Red-Bull-Philosophie klar an zweiter Stelle.

Ein universelles Spielsystem

Auch auf dem Spielfeld geht Red Bull seinen eigenen Weg. Alle Clubs präsentieren eine einheitliche, schnelle und spektakuläre Spielweise mit schnellem Pressing. Je früher ein Spieler diese Spielweise verinnerlicht hat, desto besser kann er sie später auch in anderen Konzernmannschaften anwenden. Der größte Widersacher der Spieler auf dem Spielfeld ist die Zeit. Ist der Ball einmal verloren, soll er möglichst innerhalb von fünf Sekunden zurückerobert werden. Ein straffes Ziel. Sind die Red Bulls im Ballbesitz, so soll binnen zehn Sekunden ein Torabschluss erfolgen.

Die Kombination aus dem Investor Red Bull und Ralf Rangnick, einem der führenden Trainer und Manager im Bereich Nachwuchs und Strategie, ist nahezu perfekt. Es handelt sich dabei nicht um ein Experiment, wie manche Kritiker meinen, sondern um eine langfristig angelegte Premium-Marketingstrategie für die Marke Red Bull - umgesetzt über den Lieblingssport von Millionen Menschen. Natürlich profitiert der Konzern davon. Doch nicht nur er. Der Erfolg von Red Bull im Fußball nützt auch dem Sport und den Fans.

Volker Heun ist Berater für Fußballinvestoren und schreibt als Gastkommentator für manager-magazin.de - trotzdem gibt seine Meinung nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider.

Mehr lesen über