Mittwoch, 11. Dezember 2019

Qualifizierung Wie Weiterbildung gegen den Fachkräftemangel wirkt

Getty Images/zoranm

Der Fachkräftemangel in Deutschland darf nicht zur Wachstumsbremse werden. Deshalb müssen Politik und Unternehmen schnell handeln.

Haben Sie in letzter Zeit versucht kurzfristig einen Handwerker zu bekommen? Hat es sofort mit einem Termin geklappt? Nein? Keine Sorge, es liegt vermutlich nicht an Ihnen und Sie sind nicht allein. In vielen Regionen Deutschlands sind lange Wartezeiten mittlerweile normal. Die Auftragsbücher sind voll, die Betriebe über Wochen ausgelastet.

Das spiegelt sich auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt wieder. Regelmäßig werden neue Beschäftigungsrekorde eingestellt, die Arbeitslosigkeit ist niedrig und in einigen Teilen Deutschlands herrscht schon Vollbeschäftigung. Der Arbeitsmarkt verändert sich aber auch dramatisch. Demographisch bedingt nimmt die Zahl der Arbeitskräfte ab und durch den technischen Fortschritt steigen die Anforderungen an die Beschäftigten. Beide Entwicklungen führen letztlich zu einem Problem: dem Fachkräftemangel.

Fachkräftemangel droht zur Wachstumsbremse zu werden

"Verstärkung gesucht", "Wir stellen ein" und ähnliche Werbung liest man immer öfter auf Firmenwagen. Doch Fachkräfte sind rar, die Besetzung neuer Stellen dauert oft lange. Im Ergebnis werden Aufträge auf Grund des Fachkräftemangels teils gar nicht angenommen. Das ist schlecht für die Betriebe, für die Kunden und für die Volkswirtschaft. Eine Berechnung des Bundesarbeitsministeriums geht von jährlichen, durchschnittlichen Produktionsausfällen in Höhe von rund 100 Mrd. Euro aus, wenn es nicht gelingt, die Fachkräftelücke zu schließen.

Verstärkt wird der Fachkräftemangel noch durch den Wandel der Arbeitswelt.

Die Arbeit geht uns nicht aus, aber sie wird anders sein

Der technische Fortschritt verändert unser Leben, unseren Alltag und die Arbeitswelt. Vieles wird leichter, manches unübersichtlicher und einiges verschwindet ganz. 1,3 Millionen Arbeitsplätze werden in den nächsten sieben Jahren nach Schätzungen des Bundesarbeitsministeriums wegfallen, bedingt durch den digitalen Wandel. Manche befürchten schon das Ende der Arbeit.

Die gute Nachricht ist: Der technische Fortschritt schafft 2,1 Millionen neue Stellen. Uns geht die Arbeit also nicht aus, aber sie verändert sich. Was sich nicht verändert ist, dass Arbeit in Deutschland mehr ist als Broterwerb. Wir sind eine Arbeitsgesellschaft, Arbeit prägt unser Leben, Arbeit bedeutet Anerkennung, Selbstwertgefühl, Struktur und soziale Kontakte.

It's the qualification, stupid!

Für die Politik stellen sich also zwei zentrale Fragen. Wie schaffen wir es, dass der Fachkräftemangel nicht zu einer massiven Wachstumsbremse in Deutschland wird. Und wie qualifizieren wir Beschäftigte von heute so, dass sie die Arbeit von morgen und übermorgen machen können? Zwei Fragen, eine Antwort: Frei nach Bill Clinton: It's the qualification, stupid.

Qualifizierung ist das A und O. Kluge Unternehmen wissen das und investieren in die Weiterbildung ihrer Belegschaften. Kluge Politik unterstützt Unternehmen dabei und schafft Rahmenbedingungen für eine neue Weiterbildungskultur. Deshalb hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil mit dem Qualifizierungschancengesetz die Förderung von Weiterbildung massiv ausgebaut. "Egal ob Facharbeiter, Handwerksmeister oder Ingenieurin - wir alle werden in den nächsten Jahren immer wieder neues Wissen und neue Fähigkeiten brauchen, um erfolgreich im Beruf zu bleiben. Mit dem Qualifizierungschancengesetz bestärken wir gerade kleine Unternehmen darin, in Ihre Belegschaften zu investieren. Das verhindert Fachkräftemangel im Betrieb, erhöht die Attraktivität des Arbeitgebers im Werben um Talente und bringt die Beschäftigten und das Land voran ", betont Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales.

Weiterbildung für alle!

Fast alle Unternehmen (99%) halten Weiterbildung für wichtig. Aber nicht einmal zwei Drittel (63%) bilden ihre Mitarbeiter im Bereich digitale Kompetenzen auch tatsächlich weiter. Ein weiteres Problem ist, dass nur rund ein Drittel der Beschäftigten ohne Berufsabschluss an Weiterbildungen teilnimmt, obwohl diese Gruppe besonders von Arbeitslosigkeit bedroht ist. Hochqualifizierte mit (Fach-)Hochschul- oder Meisterabschluss dagegen nehmen zu 68% an betrieblicher Weiterbildung teil.

Ein Ziel von Bundesminister Heil ist es daher, die Weiterbildungsangebote stärker für Geringqualifizierte ohne Abschluss zu öffnen. "Mit der Nationalen Weiterbildungsstrategie schaffen wir daher einen Anspruch auf das Nachholen eines Berufsabschlusses und auf Weiterbildungsangebote spätestens drei Monate nach entstandener Arbeitslosigkeit", so der Minister.

Qualifizierung ist Kernaufgabe der Unternehmen, die schon vielfach innovative Weiterbildungen organisieren. Die Politik kann hier aber unterstützen. Mit dem Qualifizierungschancengesetz und der Nationalen Weiterbildungsstrategie helfen wir der Wirtschaft dabei, Deutschland zum Weiterbildungsland zu machen. Wir beginnen damit, die Arbeitslosenversicherung in eine Arbeitsversicherung umzuwandeln.

Lohnkostenzuschuss und mehr Geld für Weiterbildung

Längst nicht allen Unternehmen steht genügend Geld für Weiterbildung zur Verfügung. Mit dem Qualifizierungschancengesetz werden Menschen gefördert, die unmittelbar vom Wandel durch die Digitalisierung betroffen sind, unabhängig von Qualifikation, Alter und Betriebsgröße. Das Jobcenter übernimmt jetzt die Weiterbildungskosten und Zuschüsse zum Lohn während der Maßnahme. Die Höhe der Zuschüsse ist von der Größe des Betriebs abhängig - je kleiner, desto höher die Förderung. Bei Kleinstunternehmen können etwa sämtliche Lehrgangskosten übernommen und mit einem Zuschuss zum Lohn von bis zu 75 Prozent finanziert werden.

So werden auch kleine Unternehmen unterstützt, die bislang noch kein festes Budget für digitale Weiterbildung hatten. Gleichzeitig senken wir mit dem Gesetz erstens den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung und entlasten die Beitragszahler um rund 6 Milliarden Euro im Jahr 2019. Wir sorgen weiter dafür, dass mehr Menschen als bisher Arbeitslosengeld beziehen können. Wer innerhalb von 30 Monaten insgesamt 12 Monate eingezahlt hat, kriegt auch etwas raus. Das nützt vor allem jenen, die häufig nur kurzfristig beschäftigt sind - zum Beispiel im Kreativbereich oder in IT-Projekten.

"Mit dem Qualifizierungschancengesetz und der nationalen Weiterbildungsstrategie stärken wir die Weiterbildung in den Betrieben, schaffen einen Anspruch auf Nachholen eines Berufsabschlusses und verbessern die Weiterbildungsberatung. Wir stärken so eine moderne Weiterbildungskultur, sichern Fachkräfte, verhindern Arbeitslosigkeit und stärken den Standort Deutschland", fasst Bundesminister Heil die Aktivitäten der Bundesregierung zur Weiterbildung zusammen.

Information

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) ist verantwortlich für Arbeitsmarktpolitik, Arbeitsrecht und Arbeitsschutz sowie Rente und soziale Sicherung bis hin zur Teilhabe behinderter Menschen und zum Themenfeld "Soziales Europa und Internationales". Das BMAS schafft die Rahmenbedingungen für eine gerechte Arbeitsmarktpolitik und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auf nationaler und internationaler Ebene. Eine Hauptaufgabe dabei ist die nachhaltige Stärkung des Arbeitsmarktes, zum Beispiel mit der Qualifizierungsoffensive. Weitere Infos zur Qualifizierungsoffensive finden Sie hier.

 


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