Freitag, 22. November 2019

Hongkong-Krise - Unternehmensberater in der Zwickmühle PwC und Co beugen sich Peking

 Die Botschaft der Demonstranten in Hongkong ist klar: Bis zu 1,7 Millionen gingen am vergangenen Sonntag wieder auf die Straße. Unternehmen, deren Mitarbeiter angeblich auch protestieren, spüren zusehends den Druck Pekings.
Bobby Yip/ REUTERS
Die Botschaft der Demonstranten in Hongkong ist klar: Bis zu 1,7 Millionen gingen am vergangenen Sonntag wieder auf die Straße. Unternehmen, deren Mitarbeiter angeblich auch protestieren, spüren zusehends den Druck Pekings.

Peking macht internationalen Unternehmen machtvoll klar, dass es keinen Zweifel am Status quo Hongkongs duldet. Nach der Airline Cathay Pacific bekommen das auch die größten Unternehmensberater zu spüren. Ihre Reaktion spricht Bände. Offenbar fürchten sie um ihr Geschäft.

"Ein Land, zwei Systeme" - wer dieses Prinzip für Hongkong infrage stellt oder Regierungschefin Carrie Lam, kann in der chinesischen Sonderverwaltungszone schnell seinen Job verlieren: Zwei Piloten der Cathay Pacific und Flughafenmitarbeiter mussten gehen, weil sie gegen die pekingtreue Regierung demonstrierten. Selbst Airline-Chef Rupert Hogg bekam später den Laufpass, nachdem Peking massiv Druck auf die Hauptaktionäre ausgeübt hatte, wie Berichte den Vorgang glaubhaft schildern.

Dabei hatte Hogg nicht etwa demonstriert. Im Gegenteil hatte der Manager seinen Mitarbeitern sogar untersagt, an "illegalen Protesten" teilzunehmen. Hogg musste trotzdem weichen. Deutlicher konnte Peking seine Macht kaum demonstrieren. Und man darf dies wohl auch als unmissverständliches Zeichen an andere Konzerne interpretieren, die in Hongkong oder auf Festlandchina künftig weiter Geschäfte machen wollen.

"Kotau" der "Big Four" gegenüber Peking

Ein Zeichen mit Wirkung: So fühlten sich in der vergangenen Woche die vier großen und weltweit tätigen Unternehmensberater ganz offensichtlich zum "Kotau" gegenüber Peking verpflichtet, wie es die "FAZ" kommentiert. Deloitte, EY, KPMG und PwC distanzierten sich jeweils in eigenen Erklärungen von gewaltbereiten Demonstranten in Hongkonger Zeitungen - unter anderem auch in der von der Kommunistischen Partei Chinas aus kontrollierten "Global Times".

 "Kotau" vor Peking? Die Top-Unternehmensberatungen haben Position in der Hongkong-Krise bezogen
DPA, Reuters, Getty Images
"Kotau" vor Peking? Die Top-Unternehmensberatungen haben Position in der Hongkong-Krise bezogen

Diese zum Beispiel hatte zuvor die Big Four kritisiert, weil angebliche Mitarbeiter eine Anzeige für die Demokratiebewegung in einer Hongkonger Zeitung geschaltet und die Freilassung verhafteter Demonstranten gefordert haben sollen. In der Anzeige heißt es unter anderem: "Wir werden uns niemals vor Ungerechtigkeit fürchten oder Kompromisse eingehen."

Die "Global Times" wiederum forderte die Beraterkonzerne unverhohlen auf, interne Ermittlungen einzuleiten und diese Mitarbeiter gegebenenfalls vor die Tür zu setzen. Ob sie Peking soweit entgegenkommen werden, scheint eher zweifelhaft. Gleichwohl distanziert sich PWC öffentlich klar von der Anzeige, den angeblichen Mitarbeitern, gewaltbereiten Demonstranten und bekennt sich deutlich zum Status-quo Hongkongs:

"Wir lehnen jede Aktion und Erklärung ab, die die nationale Souveränität in Frage stellt. Rechtsstaatlichkeit und das Prinzip 'Ein Land, zwei Systeme' bilden die Grundlage für die Aufrechterhaltung von Stabilität und Harmonie in Hongkong. Wir verurteilen alle gewalttätigen und illegalen Aktivitäten sowie irreführende Aussagen."

Solche Unterwürfigkeit wie sie einzelne in Hongkong tätige Unternehmen nun gegenüber Peking an den Tag legten, wirkt auf andere "schockierend und beschämend", zitiert die "New York Times" zum Beispiel David Webb. Der Herausgeber der "Webb-Site" für Finanz- und Unternehmensführung in Honkong interpretierte den Rücktritt des Pacific-Chefs als "Beispiel für den Einfluss […], den die Regierung auf dem Festland auf Unternehmen in Hongkong ausüben kann".

Vermutlich dürften sich jetzt viele Top-Manager internationaler Konzerne in Hongkong fragen, was ihre Mitarbeiter in der Freizeit trieben und ob sie als Manager als nächster dafür zur Verantwortung gezogen werden könnten, glaubt Webb.

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