Samstag, 19. Oktober 2019

Hongkong-Krise - Unternehmensberater in der Zwickmühle PwC und Co beugen sich Peking

 Die Botschaft der Demonstranten in Hongkong ist klar: Bis zu 1,7 Millionen gingen am vergangenen Sonntag wieder auf die Straße. Unternehmen, deren Mitarbeiter angeblich auch protestieren, spüren zusehends den Druck Pekings.
Bobby Yip/ REUTERS
Die Botschaft der Demonstranten in Hongkong ist klar: Bis zu 1,7 Millionen gingen am vergangenen Sonntag wieder auf die Straße. Unternehmen, deren Mitarbeiter angeblich auch protestieren, spüren zusehends den Druck Pekings.

2. Teil: Warum Peking Hongkong (noch) braucht

In solchen Krisen ist es für internationale Unternehmen allerdings nicht ganz einfach, die politisch korrekte Balance zu finden. Biedern sie sich autoritären Machthabern gegenüber zu sehr an, laufen sie Gefahr, ihr Image zu beschädigen. Beziehen die Unternehmen auch nur unterschwellig Position für Oppositionelle, drohen sie Aufträge zu verlieren: Und das zentralistische China bleibt mit 1,4 Milliarden Menschen ein in jeder Hinsicht unverzichtbarer Markt für Unternehmen.

Der Einfluss Chinas auf Unternehmen in Hongkong ist enorm. Laut amtlichen Statistiken stehe das Reich der Mitte schon bedingt auch durch seine geografische Nähe für die Hälfte des gesamten Handels mit Honkong. Zugleich stammen gut ein Viertel aller Auslandsinvestitionen in Hongkong aus China und vermutlich noch mehr, wenn man das aus den Steueroasen wie die Britischen Jungferninseln stammende Kapital mit einrechne.

Zugleich bezieht Hongkong laut "New York Times" mehr als ein Viertel seiner Elektrizität vom chinesischen Festland und den größten Teil seines Trinkwassers. Auch gut drei Viertel der Touristen kämen vom chinesischen Festland.

Mehr Abhängigkeit geht kaum.

Peking wiederum benötigt Honkong (noch) als Finanzzentrum, als Drehscheibe für die eigenen Auslandsinvestitionen. Die meisten dieser Auslandsinvestitionen würden über die ehemalige britische Kronkolonie abgewickelt. Umgekehrt sammeln chinesische Unternehmen hier viel ausländisches Kapital ein. Globale Investoren haben über die Börse in Hongkong 2,6 Billionen US-Dollar in chinesische Unternehmensaktien investiert.

Die Bedeutung Hongkongs für China als Finanzplatz aber dürfte sinken. So hat Peking erst am Sonntag einen Plan zur weiteren Öffnung der Wirtschaft von Shenzhen bekanntgegeben - eine boomende Stadt gleich zur Grenze von Hongkong. Peking heizt damit den Wettbewerb der beiden Regionen an und warnte Richtung Demonstranten, sie würden den Wohlstand Hongkongs aufs Spiel setzen.

Die zeigen sich bislang unbeeindruckt von den Drohungen. Seit zwei Monaten dauern die Proteste an, am Sonntag gingen wieder bis zu 1,7 Millionen Menschen auf die Straße, die sich zusehends auch gegen Peking selbst richten. Fürchten die Menschen in Hongkong doch, die 1997 zugestandenen Rechte beim Übergang der ehemaligen britischen Kronkolonie das Reich der Mitte wieder zu verlieren.

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