Purdue-Pharma und der Sackler-Clan Wie der Sackler-Clan an der US-Drogenkrise verdient - und jetzt an deren Bekämpfung

Gut verdrahteter Sackler-Clan: Jacqueline Sackler (2. v. r.) die Ehefrau von Purdue-Verwaltunsgratsmitglied Mortimer David Alfons Sackler 2007 bei einem New Yorker Society-Event - zusammen mit Prominenz wie Ivanka Trump (ganz rechts) und Verlagserbin Amanda Hearst (ganz links.)

Gut verdrahteter Sackler-Clan: Jacqueline Sackler (2. v. r.) die Ehefrau von Purdue-Verwaltunsgratsmitglied Mortimer David Alfons Sackler 2007 bei einem New Yorker Society-Event - zusammen mit Prominenz wie Ivanka Trump (ganz rechts) und Verlagserbin Amanda Hearst (ganz links.)

Foto: Patrick McMullan via Getty Images

Der US-amerikanische Sackler-Clan hat seinen Namen unvergesslich gemacht. Zum einen durch Millionenspenden für Museen, Krankenhäuser und Universitäten. Das Metropolitan Museum in New York oder das Louvre in Paris, die ganze Flügel nach der Milliardärsfamilie benannten, wurden großzügig bedacht.

Zum anderen ist der Name Sackler auch mit der Droge Oxycontin verbunden. Hergestellt vom Clan-eigenen Pharmahersteller Purdue Pharma. In Oxycontin sehen viele Experten einen der Hauptverursacher der in den USA grassierenden Opioidkrise.

Das 1892 gegründete Unternehmen hatte unter der Führung von Mitgliedern des Sackler-Clans das Schmerzmittel Oxycontin entwickelt und dann ab 1995 mit fragwürdigen Mitteln in den Markt gedrückt. Und dabei in Kauf genommen, dass viele Nutzer abhängig wurden.

Dabei hatte das Unternehmen nicht nur die Sucht-Gefahr, die von dem Opioid ausging, bewusst heruntergespielt. Es soll auch gezielt mit einem Fokus auf unerfahrene Ärzte daran gearbeitet haben, deren Bereitschaft zu erhöhen, die angebliche "Wunderdroge" auch für vergleichsweise harmlose Beschwerden wie Rückenschmerzen zu verschreiben. Zudem soll sich Purdue Pharma die Kooperationsbereitschaft der Ärzte unter anderem mit gut dotierten Vorträgen und Reisen erkauft haben.

Bereits 2007 zahlte Purdue Pharma eine Strafe wegen Täuschung

Bald aufgetretene Hinweise, dass Oxycontin extrem abhängig macht, ignorierte das Unternehmen bewusst. Ebenso, dass viele Nutzer es zerbröselten und durch die Nase zogen, um einen Mechanismus zu umgehen, der eigentlich eine zeitversetzte Abgabe des Wirkstoffes in den Organismus bewirken sollte. Spülte der Blockbuster doch Milliarden Dollar in die Kassen des Unternehmens.

Noteinsatz: Die Drogen- und Opioidsucht grassiert vor allem im Mittleren Westen der USA

Noteinsatz: Die Drogen- und Opioidsucht grassiert vor allem im Mittleren Westen der USA

Foto: BRIAN SNYDER/ REUTERS

2007 zahlte Purdue wegen Täuschung der Allgemeinheit bereits eine Strafe von 600 Millionen Dollar.  Mitglieder der Familie wurden - anders als Vertreter des Managements - dabei allerdings nicht zur Verantwortung gezogen. Zudem spendete das Unternehmen später 3,4 Millionen Dollar für die Entwicklung eines Nasensprays, mit dem Drogenabhängige, die sich eine Überdosis verpasst hatten, möglicherweise noch gerettet werden können.

Mehr als zehn Jahre nach der Einigung werden nun immer mehr Details bekannt, die erneut ein schlechtes Licht auf den Clan werfen. So stießen Journalisten der "Financial Times"  kürzlich auf ein weiteres Tochterunternehmen des Clans , Rhodes Pharma, dessen Verbindungen zur Familie Sackler bislang unbekannt waren.

Die geheime zweite Firma

Das im Jahr 2007 - im Jahr des Schuldeingeständnisses - gegründete Generika-Unternehmen hat noch einen größeren Anteil an verschreibungspflichtigen Opioiden als Purdue.  Zusammen mit Purdue kommt es dem Bericht der FT zufolge auf stattliche 6 Prozent des gesamten rezeptpflichtigen Opioidmarktes in den USA.

Vor wenigen Tagen sorgte schließlich eine weitere Nachricht aus dem Sackler-Imperium für Schlagzeilen. Wie die "Financial Times" berichtete, hat sich der Purdue-Miteigentümer Richard Sackler ein Patent mitgesichert,  das zur Behandlung Opioid-Süchtiger verwendet werden kann. Damit könnte der Clan, dessen Vermögen die Zeitschrift "Forbes" 2016 auf 14 Milliarden Dollar schätzte, an der aktuellen, selbst mitverursachten Krise gleich doppelt verdienen. Allein Oxicontin soll Purdue mehr als 35 Milliarden Umsatz in die Kasse gespült haben.

Neue Klagewelle zielt auch auf Mitglieder des Sackler-Clans

Auf Purdue rollt aktuell indes eine Klagewelle los, von der dieses Mal mindestens auch acht Clanmitglieder betroffen sind , die im Verwaltungsrat des Unternehmens sitzen oder saßen. Mehr als 20 US-Staaten, in denen die Opioidkrise grassiert, wollen den Pharmakonzern und dessen Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen und an den Kosten, die die Bekämpfung der Opioid-Krise verursacht, beteiligen.

Philadelphia: Ein Polizistin sichert unter einer Eisenbahnbrücke die Überreste eines "Heroin Camps". Die Drogensucht hat über die Einstiegsdroge Oxycontin weite Teile der US-Bevölkerung erfasst

Philadelphia: Ein Polizistin sichert unter einer Eisenbahnbrücke die Überreste eines "Heroin Camps". Die Drogensucht hat über die Einstiegsdroge Oxycontin weite Teile der US-Bevölkerung erfasst

Foto: AFP

Offiziellen Zahlen zufolge verschlingt die Drogensucht, die weite Teile der US-Bevölkerung erfasst hat, pro Jahr 504 Milliarden Dollar -  rund 2,8 Prozent des BIP der USA.

Allein 2016 starben im Zuge der Opioidkrise mehr als 40.000 Menschen in den USA. Aktuell sind es jeden Tag durchschnittlich 115 Todesopfer. 80 Prozent der aktuell Heroinabhängigen sind über rezeptpflichtige Medikamente in die Drogensucht gerutscht.  Vor mehr als 1000 Gerichtsbarkeiten sind Presseberichten zufolge aktuell Klagen anhängig.

Mit den großzügigen Spenden an Universitäten und Museen könnte es daher - zumindest bei den von den Klagen Betroffenen - erst einmal vorbei sein.

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