Donnerstag, 9. April 2020

Purdue-Pharma und der Sackler-Clan Wie der Sackler-Clan an der US-Drogenkrise verdient - und jetzt an deren Bekämpfung

Gut verdrahteter Sackler-Clan: Jacqueline Sackler (2. v. r.) die Ehefrau von Purdue-Verwaltunsgratsmitglied Mortimer David Alfons Sackler 2007 bei einem New Yorker Society-Event - zusammen mit Prominenz wie Ivanka Trump (ganz rechts) und Verlagserbin Amanda Hearst (ganz links.)
Patrick McMullan via Getty Images
Gut verdrahteter Sackler-Clan: Jacqueline Sackler (2. v. r.) die Ehefrau von Purdue-Verwaltunsgratsmitglied Mortimer David Alfons Sackler 2007 bei einem New Yorker Society-Event - zusammen mit Prominenz wie Ivanka Trump (ganz rechts) und Verlagserbin Amanda Hearst (ganz links.)

2. Teil: Die geheime zweite Firma

Das im Jahr 2007 - im Jahr des Schuldeingeständnisses - gegründete Generika-Unternehmen hat noch einen größeren Anteil an verschreibungspflichtigen Opioiden als Purdue. Zusammen mit Purdue kommt es dem Bericht der FT zufolge auf stattliche 6 Prozent des gesamten rezeptpflichtigen Opioidmarktes in den USA.

Vor wenigen Tagen sorgte schließlich eine weitere Nachricht aus dem Sackler-Imperium für Schlagzeilen. Wie die "Financial Times" berichtete, hat sich der Purdue-Miteigentümer Richard Sackler ein Patent mitgesichert, das zur Behandlung Opioid-Süchtiger verwendet werden kann. Damit könnte der Clan, dessen Vermögen die Zeitschrift "Forbes" 2016 auf 14 Milliarden Dollar schätzte, an der aktuellen, selbst mitverursachten Krise gleich doppelt verdienen. Allein Oxicontin soll Purdue mehr als 35 Milliarden Umsatz in die Kasse gespült haben.

Neue Klagewelle zielt auch auf Mitglieder des Sackler-Clans

Auf Purdue rollt aktuell indes eine Klagewelle los, von der dieses Mal mindestens auch acht Clanmitglieder betroffen sind, die im Verwaltungsrat des Unternehmens sitzen oder saßen. Mehr als 20 US-Staaten, in denen die Opioidkrise grassiert, wollen den Pharmakonzern und dessen Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen und an den Kosten, die die Bekämpfung der Opioid-Krise verursacht, beteiligen.

Philadelphia: Ein Polizistin sichert unter einer Eisenbahnbrücke die Überreste eines "Heroin Camps". Die Drogensucht hat über die Einstiegsdroge Oxycontin weite Teile der US-Bevölkerung erfasst

Offiziellen Zahlen zufolge verschlingt die Drogensucht, die weite Teile der US-Bevölkerung erfasst hat, pro Jahr 504 Milliarden Dollar - rund 2,8 Prozent des BIP der USA.

Allein 2016 starben im Zuge der Opioidkrise mehr als 40.000 Menschen in den USA. Aktuell sind es jeden Tag durchschnittlich 115 Todesopfer. 80 Prozent der aktuell Heroinabhängigen sind über rezeptpflichtige Medikamente in die Drogensucht gerutscht. Vor mehr als 1000 Gerichtsbarkeiten sind Presseberichten zufolge aktuell Klagen anhängig.

Mit den großzügigen Spenden an Universitäten und Museen könnte es daher - zumindest bei den von den Klagen Betroffenen - erst einmal vorbei sein.

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