Wie Klatsch-Portale ihre Geschichten generieren Geschäftsmodell: Mel Gibson alkoholisiert am Steuer

Haben Prominente (hier Mike Tyson) Stress mit der Polizei, steht das oft zuerst bei TMZ

Haben Prominente (hier Mike Tyson) Stress mit der Polizei, steht das oft zuerst bei TMZ

Foto: AP/ Maricopa County Sheriffs Dept.

Auf den ersten Blick wirkt TMZ  wie ein beliebiges Promiportal der ramschigeren Sorte. "RIHANNA - MELTDOWN AT THE GRAMMYS" prangt am Mittwoch ganz oben auf der Seite, deren Blockschrift-Optik aus weit früheren Tagen des Internets zu stammen scheint. Der Eindruck täuscht: Zwar lebt TMZ in der Tat von den kleinen und großen Fettnäpfchen und Fehltritten, die Hollywood täglich liefert. Das Unternehmen hat jedoch bereits einige Skandale von US-weiter Bedeutung aufgedeckt - und deren Beschaffung nebenbei perfektioniert.

Mit einem Clip, auf dem zu sehen ist, wie Football-Star Ray Rice seine heutige Ehefrau Janay Palmer bewusstlos schlägt, habe TMZ die ganze Football-Liga NFL in eine Krise geschickt, schreibt der "New Yorker", der die Strategie des Klatschportals in einer großen Geschichte unter die Lupe nimmt . Mit der Veröffentlichung des Mitschnitts eines Anrufs, auf dem der damalige Eigner der Los Angeles Clippers, Donald Sterling, rassistisch ausfällig wird, habe TMZ Sterlings Abschied aus dem Basketball eingeläutet. Und über Michael Jacksons Tod habe zuerst das Klatsch-Portal berichtet - "achtzehn Minuten, nachdem Jackson aufgehört hatte zu atmen."

Das zahlt sich aus: Allein TMZ.com verzeichnete zuletzt 17 Millionen Besucher pro Monat (zum Vergleich: Spiegel Online kommt in einem durchschnittlichen Monat auf 10,7 Millionen Unique Visitors). Das Unternehmen verkauft zudem T-Shirts und Tassen, betreibt eine TV-Promi-Sendung und bietet Promi-Bus-Touren durch Los Angeles an.

Wie kommt TMZ, dessen drei Buchstaben für die "thirty mile zone", einen alten Szenebegriff für Hollywood stehen, an seine Informationen? Wie zieht es die Massen an Promi-Videos an Land, die es täglich veröffentlicht?

Ein Netzwerk wie ein Geheimdienst

"TMZ ähnelt genauso einem Geheimdienst wie einem News-Betrieb", hält der "New Yorker"  fest. Das Unternehmen aus Los Angeles habe sich ein riesiges Informantennetz aufgebaut, das es professionell betreue - und immer wieder fürstlich bezahle.

Im Fall Rice seien es etwa Sicherheitsleute des Revel-Casinos in Atlantic City gewesen, die zuerst über einen Verkauf der Kameraaufzeichnungen an TMZ nachgedacht hätten. Für den Clip, der den tatsächlichen Schlag zeige, soll das Unternehmen seiner Quelle fast 90.000 Dollar gezahlt haben. Zu den Informanten gehörten zudem Promi-Anwälte, Reality-TV-Stars und Händler aus dem Porno-Geschäft, aber auch Beamte bei Gericht. Hinzu kommen Informanten an Flughäfen: Landet ein Promi in Los Angeles, schickt ein Arbeiter am Paketband diese Info an seinen Kontakt bei TMZ.

Kevin Blatt, ein TMZ-Informant, habe sich laut "New Yorker" ein eigenes Netzwerk in und um Hollywood aufgebaut, um an Geschichten zu kommen. Im Falle von Whitney Houstons Tod habe er etwa einem Hotel-Angestellten hundert Dollar für ein Foto der Badewanne gezahlt, in der die Sängerin gefunden worden war; TMZ sei das Bild dann etwa tausend Dollar wert gewesen. Insgesamt verdiene er im Jahr durchschnittlich dreißigtausend Dollar.

"Ich könnte meine Methoden auch in Afghanistan verwenden"

Diese Geschäftspraxis klingt erst einmal ziemlich halbseiden. TMZ-Chef Harvey Levin beruft sich allerdings auf anerkannte journalistische Prinzipien: Einfaches Gerede werde nicht aufgegriffen, Levin fordere für jede Geschichte Beweise, am besten in Form von Fotos, Dokumenten oder Videos. "Du könntest mich schnappen und nach Afghanistan verfrachten und ich würde dort die selben Methoden anwenden, die ich hier für Geschichten über Britney Spears verwende", zitiert der "New Yorker"  ein Radio-Interview mit Levin aus dem Jahr 2013.

Der Schauspieler Mel Gibson war auch schon Gegenstand wenig schmeichelhafter Berichterstattung von tmz.com

Der Schauspieler Mel Gibson war auch schon Gegenstand wenig schmeichelhafter Berichterstattung von tmz.com

Foto: Paul Miller/ dpa

Zudem veröffentliche Levin nicht alles - auch wenn es ihm grundsätzlich durchaus ein Anliegen sei, Prominente zu demaskieren. Der Fall eines kompromittierenden Videos von Justin Bieber zeige laut "New Yorker" zudem, dass sich auch das Zurückhalten von Informationen auszahle: Nachdem Levin einen Clip, auf dem ein fünfzehnjähriger Bieber eine rassistische Version eines seiner Hits zum Besten gibt, bewusst nicht veröffentlicht habe, habe die Website eine ganze Reihe an positiven Bieber-Exklusiv-Geschichten zugespielt bekommen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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