Private Equity Firmenjäger schwimmen im Geld

Finanzinvestoren wagen immer mehr Milliardendeals - auch in Deutschland. Der Druck steigt: Die Branche sitzt weltweit auf über einer Billion Dollar Eigenkapital, und ein Ende der Zuflüsse ist nicht in Sicht.
Es ist angerichet: Nach dem Crash der Jahre 2009 und 2010 nehmen nun schon seit über drei Jahren die Mittelzuflüsse für die Private-Equity-Branche weltweit zu

Es ist angerichet: Nach dem Crash der Jahre 2009 und 2010 nehmen nun schon seit über drei Jahren die Mittelzuflüsse für die Private-Equity-Branche weltweit zu

Foto: imago

Als im April der Finanzinvestor Triton in einer hart umkämpften Auktion für 1,3 Milliarden Euro den Zuschlag für die Wärmetauscher-Sparte des Oberhausener Anlagenbauers Gea errang, fühlte sich so mancher Private-Equity-Experte an die Zeiten des Kreditbooms 2006 und 2007 erinnert. Der Preis war hoch und größtenteils fremdfinanziert: Tritons Offerte entsprach dem 8,7-Fachen des operativen Jahresgewinns (Ebitda) der Gea-Tochter und übertraf die Gebote der rivalisierenden Finanzinvestoren deutlich.

Die Gea-Tochter ist in diesem Jahr schon Tritons dritter Firmenkauf. Lange war der schwedisch-deutsche Investor vor allem an sanierungsbedürftigen Mittelständlern interessiert. Ein Milliardenkauf wie die Gea-Sparte hätte in diese Anlagestrategie nicht so recht gepasst. Doch vergangenes Jahr hat Triton einen neuen Fonds eingesammt, 3,5 Milliarden Euro schwer und damit über eine Milliarde größer als Tritons vorheriger Fonds. Nun muss das viele Geld ausgegeben werden.

Nicht nur bei Triton, in der gesamten Private-Equity-Branche in Deutschland und weltweit wächst der Anlagedruck gerade beträchtlich. Nach dem Crash der Jahre 2009 und 2010 nehmen nun schon seit über drei Jahren die Mittelzuflüsse für die Private-Equity-Branche weltweit zu. Ein Ende des Geldregens ist nicht in Sicht: Das sogenannte Fundraising werde in diesem Jahr weiter an Momentum gewinnen, schreibt die Unternehmensberatung Bain & Company in ihrem "Global Private Equity Report 2014".

2013 war für Private Equity das zweitbeste Exit-Jahr aller Zeiten

Der Hauptgrund dafür ist, dass die Beteiligungsgesellschaften zuletzt angesichts der boomenden Kapitalmärkte viele Unternehmen losschlagen oder schuldenfinanzierte Dividenden herausziehen konnten. Der Bain-Analyse zufolge, die manager magazin online vorliegt, war 2013 für die Branche das zweitbeste Exit-Jahr aller Zeiten.

Nur 2007 konnten die Investoren ihren Geldgebern - den großen Kapitalsammelstellen wie Pensionsfonds oder Versichereren - noch höhere Rückflüsse überweisen als 2013. Die "dividend recaps" - Dividenden, die per Aufstockung der Schulden bei den Portfoliounternehmen finanziert und an die Profi-Anleger ausgeschüttet wurden - erreichten mit 66 Milliarden Dollar weltweit sogar Rekordnivau.

Kapitalzusagen sind weltweit auf 1000 Milliarden Dollar angeschwollen

Die Hausse nährt eben die Hausse, nicht nur an den Aktienmärkten, sondern auch im Private-Equity-Geschäft. Schon seit drei Jahren erhalten die Profi-Anleger weltweit mehr Rückflüsse aus ihren Private-Equity-Investitionen, als Gelder für Firmenkäufe bei ihnen abgerufen werden.

Dies führte dazu, dass viele Pensionsfonds ihre Ziel-Quoten für Anlagen in Private Equity nicht mehr erreichen - sie also unterinvestiert sind. Und dazu, dass sie verstärkt Gelder für neue Fonds zusagen, wie im vergangenen Jahr für den Fonds IV von Triton.

Dabei konnten die Finanzinvestoren schon zuletzt kaum so viel Geld für Beteiligungsinvestitionen ausgeben, wie ihnen angetragen wurde. Das Volumen an Kapitalzusagen, die dafür zur Verfügung stehen, ist weltweit auf 1000 Milliarden Dollar angeschwollen. Allein 400 Milliarden Dollar davon stehen für schuldenfinanzierte Unternehmenskäufe (Leveraged Buyouts, LBOs) bereit.

Die nächste Blase?

Das wirft die Frage auf, ob sich bereits die nächste Blase bildet. Der gesamte Private-Equity-Markt steuere in diesem Jahr auf "ziemlich teure Transaktionen" zu, schreiben die Bain-Berater. "Die Konditionen auf dem Fremdkapitalmarkt ähneln heute in vieler Hinsicht schon wieder denen vor der Finanzkrise", sagte Bain-Deutschlandchef Rolf-Magnus Weddigen zu manager magazin online. "Insgesamt hat sich die Private-Equity-Branche aber seit 2006/07 signifikant professionalisiert."

Kürzlich hatte schon Marcus Brennecke, Deutschlandchef des schwedischen Investors EQT, das wieder "sehr hohe Preisniveau" beklagt. EQT hatte zuletzt in einer Reihe von Auktionen den Kürzeren gezogen, neben Gea etwa im Verkaufsprozess um die Telekom-Tochter Scout24.

Niedrigstzinsen und Kreditschwemme befeuern die Preise

Befeuert werden die Preise auch durch die neuerliche Kreditschwemme infolge der Niedrigzinspolitik der Notenbanken. Bei US-amerikanischen LBOs lagen die Verschuldungsniveaus zuletzt im Schnitt beim 5,3-Fachen des Jahresgewinns und damit leicht höher als im Boomjahr 2006. Bei europäischen Firmenkäufen durch Finanzinvestoren bleibt der Schuldenmultiplikator mit dem 4,7-Fachen noch dahinter zurück, doch die Tendenz ist ansteigend.

Das Erstaunliche dabei: Der erneute Überschwang kommt zu einer Zeit, in der der Kater nach der Schuldenparty der Jahre 2006 und 2007 noch nicht überwunden ist. Viele der Unternehmen, die im damaligen Boom überteuert gekauft und mit zu hohen Schulden beladen wurden, konnten immer noch nicht weiterveräußert werden.

Der Bain-Studie zufolge wurden zwei von fünf Unternehmen, die derzeit weltweit in Private-Equity-Besitz sind, im Jahr 2008 oder vorher erworben. Und selbst sieben Jahre nach dem Platzen der Blase steht immer noch gut ein Drittel dieser "unrealisierten Deals" zu Werten unterhalb ihrer Einstandskosten in den Büchern der Investoren - was den Weiterverkauf massiv erschwert.

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