Samstag, 20. Juli 2019

Medienkonzern richtet Druck-Geschäft neu aus Bertelsmann schließt Druckerei in Nürnberg

Bertelsmann in Gütersloh: "Einschneidende Veränderungen" in der Druck-Sparte

Das Medienunternehmen Bertelsmann reagiert auf Auftragsrückgänge im Druckbereich und schließt zum 30. April 2021 einen Standort der Tochter Prinovis in Nürnberg. Betroffen sind rund 670 feste Arbeitsplätze und nochmals etwas 250 Leih- und Zeitarbeiter, wie das Unternehmen mit Sitz in Gütersloh am Mittwoch mitteilte.

Nach Angaben von Konzernchef Thomas Rabe ist der Bereich Tiefdruck zuletzt in die Verlustzone geraten. Grund dafür sind wegbrechende Aufträge wie der eingestellte Otto-Katalog, geringere Auflagen beim Ikea-Katalog oder der ADAC-Mitgliederzeitung. Hohe Papier- und Farbkosten haben laut Rabe die Situation noch verschärft.

Insgesamt machte die Print-Tochter von Bertelsmann im vergangenen Jahr weltweit mit rund 8500 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro. Davon entfielen 456 Millionen Euro, also knapp 30 Prozent, auf den Tiefdruck. Die Standorte in Deutschland lieferten nach Bertelsmann-Angaben 382 Millionen Euro Umsatz zu.

Rabe sprach von einschneidenden Veränderungen, um Überkapazitäten auf dem Markt abzubauen. "Mit Rücksicht auf die Mitarbeiter reden wir aber über eine lange Übergangszeit", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Für den Standort Nürnberg gibt es bis 2020 eine Beschäftigungssicherung. Der Sozialplan wird aus Konzernmitteln finanziert. Das kann die Druckerei von sich aus nicht stemmen."

Andere deutsche Standorte mit Tiefdruck wie Dresden oder Ahrensburg sind laut Rabe mittelfristig gesichert. Neben dem Druck verdient der Bertelsmann-Konzern mit sieben weiteren Bereichen sein Geld.

Darunter sind die börsennotierte Senderfamilie RTL Group, das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr, der Buchverlag Penguin Random House oder der Dienstleister Arvato. 2018 setzte der Konzern weltweit mit 117 000 Mitarbeitern 17,7 Milliarden Euro um.

Eigentümer von Bertelsmann sind zum Großteil Stiftungen, darunter die Bertelsmann-Stiftung. Die Familie Mohn hält die restlichen Anteile von knapp 20 Prozent.

la/dpa-afx

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