"Paketkopter" Post testet erstmals Paket-Drohne im Alltagsbetrieb

Künftig könnte ein "Paketkopter" regelmäßig zwischen dem Festland und der Insel Juist verkehren. Die Deutsche Post testet das jetzt in einem "einzigartigen" Feldversuch - und könnte damit Amazon-Chef Bezos zuvorkommen.
Soll künftig im Dauereinsatz fliegen: Eine Paketdrohne der Deutschen Post macht sich von Norddeich auf zur Insel Juist, um eine Apotheke auf der Insel mit Medikamenten zu beliefern

Soll künftig im Dauereinsatz fliegen: Eine Paketdrohne der Deutschen Post macht sich von Norddeich auf zur Insel Juist, um eine Apotheke auf der Insel mit Medikamenten zu beliefern

Foto: Nikolai Wolff / Fotoetage / DPA

Hannover - Ende vergangenen Jahres hatte Amazon noch die Nase vorne. Als die Deutsche Post DHL erstmals eine Paketdrohne über den Rhein schickte, stand der deutsche Jungfernflug im Schatten von Amazon. Denn der Chef des weltgrößten Onlinehändlers, Jeff Bezos, hatte nur wenige Tage zuvor bereits seine eigene Paket-Drohne aufsteigen und vor einem Haus landen lassen. Weltweite Aufmerksamkeit war ihm gewiss.

Diesmal beansprucht DHL eine Weltpremiere beim Wettrennen der Logistikkonzerne um die einsatzbereiten Boten-Drohnen der Zukunft. Der weltgrößte Logistikkonzern testet erstmals unter Alltagsbedingungen den Einsatz von Drohnen für die Paketzustellung im regulären Betrieb.

Der Feldversuch sei weltweit einzigartig, sagte ein Sprecher des Paketdienstes DHL am Mittwoch. Bis zum Jahresende wird dabei ein "DHL-Paketkopter" Medikamente von der niedersächsischen Hafenstadt Norden zu einer Apotheke auf der Nordsee-Insel Juist transportieren.

Erste Testflüge mit dem unbemannten Kleinfluggerät fanden nach DHL-Angaben bereits vergangene Woche statt. Am Freitag soll der reguläre Lieferbetrieb mit der Apotheke zu bestimmten Uhrzeiten aufgenommen werden.

Bei dem jetzt eingesetzten unbemannten Fluggerät handelt es sich um eine Weiterentwicklung des Paketkopters, der Ende 2013 über den Rhein flog. Er wurde mit Blick auf Flugdauer, Reichweite und Geschwindigkeit für den Einsatz bei Wind und Wetter an der Nordseeküste optimiert.

DHL schließt Drohnen-Einsatz in dünn besiedelten Gebieten künftig nicht aus

Die etwa zwölf Kilometer lange Distanz zur Insel legt der neue "DHL Paketkopter 2.0" völlig autonom - also ohne jeglichen Eingriff von außen - per Autopilot in etwa 50 Meter Höhe zurück. Je nach Wind soll er Nachmittags mit einer Geschwindigkeit von bis zu 18 Meter pro Sekunde unterwegs sein. Eine mobile Bodenstation von Norddeich aus verfolgt jede Phase des Fluges, um in Notfällen eingreifen zu können.

Konkrete Pläne für den regulären Betrieb derartiger Drohnen hat DHL nach eigenen Angaben aber noch nicht. DHL schließt allerdings deren Einsatz in dünn besiedelten oder schwer erreichbaren Gebieten künftig nicht aus - vorausgesetzt er ist ökonomisch sinnvoll und technisch machbar.

Da ist Amazon mit seiner Zukunftsperspektive schon weiter: Der Anblick von Paket-Drohnen werde eines Tages so normal sein wie Postlaster auf den Straßen, meint der Versandhändler. Doch nach Expertenmeinung dürfte es bis zur Praxistauglichkeit von wirklich ausgereiften, leistungsstarken Boten-Drohnen noch einige Jahre dauern.

Und auch der Gesetzgeber muss sich mit der neuen Technologie und ihren Möglichkeiten beschäftigen, die zunehmend Handwerker, Privatleute, Feuerwehren oder Katastrophenhelfer für ihre Zwecke entdecken.

rei/dpa