Samstag, 20. April 2019

Großreederei in Not Pleite-Schiffe von Hanjin sollen nach Hamburg flüchten

Hanjin-Containerschiff im Hafen von Busan: Viele sichere Anlegeplätze gibt es für die Frachter der koreanischen Pleitereederei derzeit nicht

Wird Hamburg zum sprichwörtlich sicheren Hafen für Containerschiffe der insolventen koreanischen Großreederei Hanjin Shipping? Die Pläne der Reederei gehen genau in diese Richtung.

Das Unternehmen, das vergangene Woche als erste Großreederei weltweit in der aktuellen Schifffahrtskrise Insolvenz anmelden musste, befindet sich in einer prekären Situation: Mehrere Dutzend seiner Schiffe sind vollbeladen rund um den Globus unterwegs und finden keine Häfen, die sie Anlaufen können, um ihre Ladung zu löschen.

Einerseits weigern sich Hafenbetreiber, die Fracht zu entladen, weil sie unsicher sind, ob sie dafür auch bezahlt werden. Andererseits drohen Hanjin-Gläubiger die Pötte buchstäblich an die Kette zu legen und ihren Forderungen gegen die Reederei auf diese Weise Nachdruck zu verleihen - ein etwas rüde erscheinendes Vorgehen, das aber in der maritimen Wirtschaft durchaus gang und gäbe ist.

Leidtragende in dieser Situation ist nicht nur die Reederei Hanjin Shipping, immerhin die Nummer eins der Branche in Südkorea und die Nummer sieben in der Welt, der es zusätzlich schwer gemacht wird, aus ihrer wirtschaftlichen Notlage herauszukommen. Probleme bekommen zunehmend vielmehr auch die Hanjin-Kunden, deren Waren sich auf den Schiffen befinden.

Spielzeug, Textilien, Unterhaltungselektronik - die Fracht auf den Containerschiffen von Hanjin dürfte vielfältig sein. Die Hersteller der Produkte jedoch eint der Zeitdruck: Schon jetzt haben sie das Jahresendgeschäft um das amerikanische "Thanksgiving" sowie Weihnachten im Blick und müssen dafür sorgen, dass ihre Angebote in Ländern rund um die Welt im Einzelhandel verfügbar sind. Eine Unterbrechung der Lieferkette wie durch die Hanjin-Pleite kann da sehr schnell sehr teuer werden.

Kein Wunder also, dass Hanjin händeringend nach Lösungen sucht. Immerhin geht es koreanischen Behörden zufolge inzwischen um 79 der insgesamt 141 Schiffe der Reederei, deren Betrieb momentan auf die beschriebene Weise gestört ist.

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