Samstag, 21. September 2019

Nach Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten Supermarktriese knickt im Plastiktüten-Konflikt ein

Nach heftigen Protesten verschenkt der zweigrößte Einzelhändler Australiens wieder die Plastiktüten an seine Kunden

Keine Einweg-Plastiktüten, dafür nur noch kostenpflichtige Mehrwegtüten - in australischen Supermärkten führte diese Vorschrift gar zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. Nun knickt die Nummer zwei unter den Handelsriesen im Land ein - und gibt die Mehrwegtüten wieder umsonst weg. Umweltschützer und umweltbewusste Kunden sind empört.

Plastiktüte oder nicht? Und wenn ja, zu welchem Preis? Der Streit über das Verbot von Einwegtüten aus Plastik in Australien will nicht enden. Als vor Wochen erste Supermärkte das Verbot umzusetzen versuchten und wiederverwertbare Tüten verkauften, kam es zu wüsten Beschimpfungen und sogar Handgreiflichkeiten gegenüber den Angestellten. Auch schmissen Kunden ihre Waren einfach auf den Boden und stürmten dann wutentbrannt aus dem Markt.

Die australische Supermarktkette Coles ist beim Kampf gegen Plastiktüten jetzt eingeknickt. Der zweitgrößte Einzelhändler Australiens kündigte an, nach Kundenbeschwerden Mehrwegplastiktüten in seinen Märkten bis auf weiteres wieder kostenfrei anzubieten.

Coles wollte ursprünglich ab 1. Juli keine Einwegplastiktüten mehr ausgeben, stattdessen bot das Unternehmen zunächst Mehrwegtüten zum Preis von umgerechnet 13 Cent an. Die Kunden jedoch "benötigten mehr Zeit, um sich auf die Mehrweg-Tüten umzustellen", hieß es diplomatisch in einer Mitteilung des Konzerns. Daher werde es diese bis auf weiteres gratis geben.

Ob sich der Wettbewerber und Marktführer Woolworths dieser Strategie anschließen wird, ist nicht bekannt. Woolworths hatte am 1. Juli begonnen, nur noch wiederverwendbare Tüten gegen Entgelt auszugeben. Aber auch hier war es zu lautstarken Protesten von Supermarktkunden gekommen.

Die Kehrtwende hat Coles jetzt wiederum heftige Kritik von Umweltschützern eingebracht. Umweltorganisationen kritisierten am Mittwoch, diese Tüten seien - da dicker - noch schlechter für die Umwelt. Coles sei wegen der Proteste einer kleinen Minderheit zu früh eingeknickt, monierte Greenpeace-Sprecherin Zoe Dean. Auch von umweltbewussten Kunden gab es in sozialen Medien Schelte für die Supermarktkette.

  • Copyright: [M] Charlie Abad via Getty Images
    [M] Charlie Abad via Getty Images
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Seit 1. Juli ist es in ganz Australien bis auf den Bundesstaat New South Wales untersagt, dünne Einwegplastiktüten mit einer Dicke von weniger als 0,035 Millimetern anzubieten. Händler, die sich nicht daran halten, müssen mit Strafen bis zu 6000 australischen Dollar (3800 Euro) rechnen.

Laut Umweltschutzorganisation Clean Up Australia landen jedes Jahr fünf Milliarden Plastiktüten bei Konsumenten. In Deutschland werden Plastiktüten deutlich weniger verwendet, seit sie nicht mehr gratis zu haben sind und viele große Handelsketten sie völlig abgeschafft haben.


Update: Coles hat inzwischen einen Rückzieher vom Rückzieher gemacht.

rei mit dpa

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