Hollands einstige Industrie-Ikone am Ende Wie Philips sich selbst zerlegt

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Ein halbes Jahr hatte Frans van Houten (54) gepokert. Ab Juni 2014 ließ der Philips-Chef die Investmentbanker von Lazard und seinen-Topmanager Bert van Meurs mit dem Board des kalifornischen Venenkatheter-Spezialisten Volcano verhandeln, ob es angesichts des rapiden Aktienkursverfalls wohl verkaufsbereit sei. Derweil liefen Volcanos Geschäfte immer schlechter. Dennoch war es Mitte September nicht van Houten, sondern Volcano-Chairman Ronald Matricaria, der den Deal erstmal abblies.

Just da kam dem Philips-Chef unverhofft der aktivistische US-Hedge-Fonds Engaged Capital zur Hilfe. Die unfähige Volcano-Führung müsse ausgetauscht und ein Verkaufsprozess gestartet werden, schrieb Volcanos Großaktionär am 29. September in einem öffentlichen Brief. Wenige Tage später öffnete Matricaria den Philips-Leuten den Datenraum wieder und stimmte einem ersten Treffen mit van Houten und van Meurs zu.

Volcanos sinkende Umsätze, schwindende Marktanteile und hohe Verluste voraussichtlich noch bis 2016 - all das konnte van Houten nun nicht mehr schrecken. Im Dezember unterzeichneten seine Unterhändler der Kaufvertrag. 1,2 Milliarden Dollar (eine Milliarde Euro) zahlte Philips wenig später für das High-Tech-Unternehmen mit knapp 400 Millionen Dollar Umsatz, das zwar Philips' Röntgensysteme perfekt ergänzt, aber operativ in bedenklichem Zustand ist. Den Aufschlag von sage und schreibe 64 Prozent gegenüber dem Durchschnittskurs der drei vorherigen Monate rechtfertigte der Philips-Chef damit, es habe über den Sommer gesteigertes Interesse an Volcano gegeben.

Diese Information hat van Houten wohl exklusiv. Volcano ließ beim Philips-Konkurrenten Siemens und einer Handvoll anderer potenzieller Käufer anfragen, blitzte aber überall ab. Auch sonst, schreiben die Kalifornier in Unterlagen für die US-Börsenaufsicht SEC, habe sich kein Interessent gemeldet.

Philips-Chef auf der Suche nach einer neuen Story

Der quasi-amtliche Bericht belegt: Keiner wollte Volcano - außer van Houten. Der Philips-Chef ist auf der Suche nach einer neuen Story.

Seit seinem Aufstieg an die Spitze vor fast vier Jahren hat er fast nur restrukturiert. 2014 sollten Philips' Geschäfte mit Computertomografen (CT), Ultraschall- und Röntgengeräten, mit Geräten für Körperpflege und Haushalt, mit Lampen und Lichtlösungen endlich wieder anziehen - doch es wurde ein schwarzes Jahr.

Die Märkte in Russland und China schwächelten, und zu allem Überfluss musste van Houten auf Druck der US-Arzneimittelaufsicht FDA das CT-Werk in Cleveland/Ohio zeitweise schließen und fährt derzeit die Produktion nur nach und nach wieder hoch.

So musste Philips immer wieder vor schwächeren Ergebnissen warnen, zuletzt erst im Januar wieder. Am Dienstag gab van Houten den Verkauf der Sparte für LED-Komponenten und Autobeleuchtung an die chinesisch-amerikanische Investorengruppe Go Scale bekannt - für 2,7 Milliarden Euro, immerhin auch ein stolzer Preis.

Und die nächste Marginalisierung des einst legendären Elektronikpioniers steht bevor: Bis Anfang 2016 will sich Philips in einen "Healthtech"-Bereich aus Medizintechnik und Geräten für Körperflege sowie ein Lichtunternehmen aufspalten.

Abgemagert zu einem Konglomerat von unterkritischer Größe

Vorstandschef Frans van Houten (rechts) und sein Finanzvorstand Ron Wirahadiraksa

Vorstandschef Frans van Houten (rechts) und sein Finanzvorstand Ron Wirahadiraksa

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In mehr als einem Jahrzehnt Radikaldiät hat sich Philips zu einem Konglomerat unterkritischer Größe herabgemagert. Für die verbliebenen zwei, drei Geschäfte lohnt es sich aus Sicht der Aktionäre nicht mehr, eine teure Holding als Klammer zu unterhalten. Damit wird der niederländische Konzern zu dem Beispiel schlechthin für eine Industrieikone, die sich selbst überflüssig macht. Bestenfalls verbleiben künftig zwei Spieler in Spezialsegmenten. Wenn sie nicht schon bald übernommen werden.

Frans van Houten sieht das ganz anders. Für ihn steht Philips am Beginn einer neuen Wachstumsgeschichte mit "aufregenden Möglichkeiten".

Der drahtige, immer noch jugenhafte Manager mit strubeligem silbergrauen Haar ist ein echtes Philips-Kind. Vater George leitete einst Philips' legendäres Forschungszentrum NatLab in Eindhoven. Schon mit sechs Jahren, erzählte van Houten einmal, habe er diesen "Tempel der Innovation" kennengelernt. Heute ist Bruder Henk Chef der Konzernforschung.

Der nicht minder ehrgeizige Frans fing nach dem Volkswirtschaftslehre- und Managementstudium mit 26 im Marketing der Philips-Computersparte an. Bald zog er in die USA zur neu gegründeten Tochter für Flugzeug-Unterhaltungssysteme Airvision, die er schon ein Jahr später verkaufte.

Über Stationen in der Kommunikationstechnik und der Verbraucherelektronik stieg er 2004 zum Chef der Halbleitersparte auf. Auch die veräußerte er, 2006 an Finanzinvestoren.

Der Nachfolger von Kleisterlee greift durch

Den neuen Herren der nunmehr NXP firmierenden, hoch defizitären Chipfirma ging van Houtens Umbau nicht schnell genug. Nach zwei Jahren setzten sie den aufstrebenden Manager vor die Tür. Bei Philips erinnerte man sich seiner, als wenig später die Nachfolge für den langjährigen Konzernchef Gerard Kleisterlee anstand: Am 1. April 2011 wird van Houten Philips-Konzernchef.

Dieses Mal greift er schnell durch, noch bevor ihm das wahre Ausmaß des Desasters - eine giftige Melange aus viel zu breiter Produktpalette, Marktanteilsverlusten und überteuerten, schlecht integrierten Zukäufen - überhaupt bewusst wird. Wenige Wochen nach seinem Start feuert er mehrere Vorstände und kündigt drastische Maßnahmen an.

Zugleich beschwört van Houten immer wieder die Zusammengehörigkeit des Konzerns: Die Marke, der Marktzugang, die starke Bilanz, all das halte Philips zusammen.

Heute sagt Frans van Houten, intern habe er das Aufspaltungsprojekt schon seit 2011 analysiert. Die verbliebenen Geschäfte hätten "nicht genug gemeinsam, um eine darüber liegende Holding-Struktur zu rechtfertigen". Nach all den Umbauten und Kostensenkungen sei jetzt der logische Zeitpunkt gekommen.

Ob logisch oder nicht, aus Aktionärssicht ist es höchste Zeit. Seit über einem Jahrzehnt schrumpft Philips, statt zu wachsen. Doch wie konnte der königliche Weltkonzern Koninklije Philips, der es lange als einziger westlicher Konzern selbst mit den aufstrebenden Elektromultis aus Asien aufnahm, so abstürzen?

Kassette, Videorekorder, CD - eine Geschichte beherzten Unternehmertums

Philips-Produktion von Halogen-Lampen

Philips-Produktion von Halogen-Lampen

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Wie so viele Gründungen ist auch die von Philips eine Geschichte beherzten Unternehmertums. Alles beginnt 1891 mit einer Glühlampenfabrik, die Gerard Philips und sein Vater Frederik, ein Banker, in Eindhoven bauten. Schon 1895 steht das Start-up kurz vor der Pleite, als Gerards jüngerer Bruder Anton einsteigt und weltweit den Absatz ankurbelt. Und er setzt auf Innovationen, übernimmt etwa den Hamburger Röntgenröhren-Pionier C.H.F. Müller und gründet am Sitz in Eindhoven das legendäre "NatuurkundigLaboratorium" (NatLab).

Dieses hauseigene Forschungslabor bescherte dem Konzern Tausende Patente und innovative Produkte, im Lampengeschäft, der Medizintechnik, vor allem aber in der Unterhaltungselektronik.

Die Kompaktkassette, der Videorekorder, die Compact Disk (CD), all diese Weltneuheiten hat einst Philips erfunden. Damit sprudeln Umsätze und Gewinne, doch bald wuchert auch die Konzernbürokratie. Zugleich dringen die Asiaten immer stärker auf Philips' wichtigstem Standbein vor, der Konsumentenelektronik.

Von der Rezession, die Philips Mitte der neunziger Jahre mit voller Wucht trifft, kann sich der Konzern noch erholen. Doch zur Jahrtausendwende ist der Vorsprung in der Unterhaltungselektronik dahin, stattdessen häuft der einstige Paradebereich immer größere Verluste auf.

Ein Umbau jagt den nächsten - Rückbau von sieben auf drei Sparten

2001 tritt Gerard Kleisterlee an die Spitze, nun jagt ein Umbau den nächsten. Er sourct out, schließt Fabriken, macht ganze Geschäftsbereiche dicht oder verkaufte sie: erst Videoprojektoren, dann die Mobiltelefonie, schließlich die Halbleiter. Bereits Kleisterlee sieht in der Medizintechnik die Zukunft des Konzerns und kauft kräftig und teuer zu, etwa den US-Beatmungsgerätehersteller Respironcis.

Als er nach einer Dekade abtritt, hat der Konzern statt sieben nur noch drei Sparten und muss bald Milliardenabschreibungen auf die Akquisitionen tätigen. "Philips hat viel zu lange versucht, die Unterhaltungselektronik zu restrukturieren", sagt ein früherer Topmanager des Konzerns. "Zugleich hat das Management es versäumt, in aussichtsreicheren Geschäften anzubauen." Während sich General Electric und Siemens  immer wieder verstärken konnten, ging bei Philips kaum etwas voran.

Nur einige Philips' Spin-offs laufen, kaum haben sie das träge Mutterschiff verlassen, zu Hochform auf. Die Aktie der Chipfirma NXP hat ihren Wert seit ihrem Börsengang 2010 mehr als versiebenfacht, kürzlich kündigte NXP gar die Übernahme des US-Erzrivalen Freescale für 16,7 Milliarden Dollar an. Dagegen notiert das Philips-Papier gerade mal so auf dem Wert von damals, trotz mehrerer milliardenschwerer Aktienrückkäufe und Sparprogramme.

Auch van Houten hat keine neuen Rezepte, allen Bekenntnissen zum Trotz ("Anton Philips schaut mir über die Schulter, wie ich Philips Unternehmergeist und Wachstum zurückbringe"). Mitarbeiter beschreiben ihren Chef als Technokraten mit Hang zum Mikromanagement. In der Tat sind van Houten Sentimentalitäten fremd. Selbst das Natlab, das einst sein Vater leitete, versilberte er. Investoren zahlten 425 Millionen Euro für den Technologie-Campus, den der Schrumpfkonzern längst mit vielen anderen - darunter auch Samsung  - teilt. Auch die Reste der Unterhaltungselektronik gibt er ab.

Milliardengewinn 2013 - und dann der herbe Rückschlag

Immer was zu tun: Philips-Zentrale in Amsterdam von außen....

Immer was zu tun: Philips-Zentrale in Amsterdam von außen....

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Gegen Ende des Jahres 2013 ist die Stimmung in der 14. Etage des Breitnerturms in Amsterdam gelöst. Das Geschäft mit Elektrokleingeräten brummt, auch Licht und Medizintechnik scheinen das Gröbste überstanden zu haben. Anfang 2014 präsentiert van Houten für das Jahr 2013 einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von zwei Milliarden Euro, so viel hat Philips schon lange nicht mehr verdient. "Wir sind eine Geschichte der Selbsthilfe", lobt sich der Chef selbst.

Die Euphorie währt kurz. Ein paar Wochen später läuft alles nur noch schief. Im April 2014 muss Philips die Produktion von Computertomografen in Cleveland stoppen, die FDA mahnt nun schon ein paar Jahre Prozessverbesserungen an. Der Umsatzausfall und Abschreibungen auf das Inventar machen Philips schwer zu schaffen. Die Belastungen summierten sich 2014 auf 225 Millionen Euro.

Die Russland-Krise, das schwächere Wachstum in China und der wachsende Kostendruck auf dem USA-Markt tun ihr übriges. Mehrfach muss van Houten vor schwächeren Ergebnissen warnen - dabei wollte er doch der Konzernchef sein, der endlich liefert.

Hedgefonds Southeastern erhöht Druck auf van Houten

So mancher Investor, der auf van Houten setzte, verliert jetzt die Geduld und verkauft seine Papiere. Andere - allen voran der aktivistische US-Hedge-Fonds Southeastern Asset Management - erhöhen ihre Anteile und damit auch den Druck auf den Chef. In den USA treiben Aktivisten derzeit reihenweise Großkonzerne vor sich her und erzwingen Spin-offs. Auch van Houten kann sich gegen die Aufspaltung, die manche Fondsmanager schon seit Jahren fordern, kaum noch wehren.

"Die Probleme in Cleveland", konstatiert ein enger Philips-Kenner, "haben die Aufspaltung deutlich beschleunigt." Van Houten hält dagegen: "Wir fällen die Entscheidungen über unsere Zukunft selbst."

Richtfest der neuen Deutschlandzentrale - und verunsicherte Mitarbeiter

-- und fast von innen: der Haupteingang.

-- und fast von innen: der Haupteingang.

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Ein grauer feucht-kalter Dezembertag im Hamburger Stadtteil Fuhlsbüttel. Eigentlich sollte es ein Festtag für die Philipsianer sein. Ihre neue Deutschlandzentrale direkt neben dem historischen Röntgenröhrenwerk feiert Richtfest. Doch die Stimmung der Mitarbeiter, die sich auf der Baustelle versammelt haben, schwankt zwischen vorfreudiger Erwartung und Lethargie.

Die Split-Ankündigung aus Amsterdam zweieinhalb Monate zuvor hat viele verstört. "Viele hier sagen, nicht schon wieder, muss das denn sein?", erzählt einer von ihnen. Schließlich stößt Philips nun mit der Lichtsparte gar die Keimzelle des Konzerns ab. " Philips wird das Herz herausgetrennt", klagt der Mann. Schon in der Vergangenheit bekam Hamburg viele Fehler, die der einstige Riesenkonzern gemacht hat, direkt zu spüren.

Vor knapp zwei Jahrzehnten machten die Niederländer etwa die Forschung in Fuhlsbüttel komplett dicht - da man glaubte, in der Röntgentechnik gäbe nichts mehr weiterzuentwickeln. Ein fataler Fehler, der später korrigiert wurde.

Neben der Richtkrone steigt Philips-Deutschlandchefin Carla Kriwet (43) forschen Schrittes auf die kleine provisorische Bühne. Ja, das Jahr habe große Veränderungen gebracht. Dennoch betont sie: "Wir werden mit dem gesamten Philips-Team 2015 nach Fuhlsbüttel umziehen." Das Team, das sind die 1000 Menschen, die derzeit im "Philips Tower" nahe des Hauptbahnhofs arbeiten und die Verwaltung für Philips' Deutschlandgedschäft bilden. In dem neuen sechsstöckigen Gebäude in Fuhlsbüttel werden die demnächst separierten Mitarbeiter der Lichtsparte anderthalb Etagen belegen - doch wie lange? "Viele sind ganz froh, dass der Mietvertrag 15 Jahre läuft", erzählt ein Philipsianer. Doch alle wissen: eine Garantie ist auch das nicht.

Die Deutschland-Chefin zieht weiter - doch was wird aus Philips?

Nur Deutschlandchefin Kriwet, die erst Anfang 2013 nach Stationen bei Boston Consulting, Linde und Dräger zu Philips stieß, nimmt die Auftrennung cool. "Ich unterstütze das", sagt die energische, zierliche Blonde später bei Kartoffelsuppe und Brot. Dass auch ihr Reich durch den Split kräftig schrumpft - geschenkt. "Ich denke nicht in diesen Kategorien. Die Aufspaltung ist strategisch der richtige Schritt, da es einen klaren Investmentfokus in beiden Geschäften bringt und die Aufnahme von Kapital erleichtern wird."

Nur wenige Wochen später wird bekannt: Kriwet verlässt Philips Deutschland schon wieder und steigt zur Chefin für die gesamte Patientenüberwachungssparte weltweit auf.

Doch was wird aus Philips? Wie kräftig werden die zwei Standbeine des wankenden Riesen nach ihrer Trennung noch sein?

Starke Börsen-Stories für Licht und Medizintechnik dringend gesucht

Das Therapiegerät BlueControl der Philips-Medizinsparte.

Das Therapiegerät BlueControl der Philips-Medizinsparte.

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Eigentlich, sagen Kapitalmarktexperten, ergibt eine Aufspaltung nur Sinn, wenn beide künftig separat notierten Unternehmen starke Börsen-Stories haben. Die allerdings hat van Houten bisher nicht so recht erzählen können. Denn nach der jahrelangen Sparkur gehören die Niederländer in der Medizintechnik wie im Lichtgeschäft nur noch in Teilbereichen zu den Innovationsführern. "Beide Teile werden kämpfen müssen, um zu überleben", glaubt ein Top-Unternehmensberater, der früher für Philips gearbeitet hat.

Die künftige Lichtfirma ist mit knapp sieben Milliarden Euro Umsatz und 15 Prozent Weltmarktanteil zwar größter Lampen- und Leuchtenhersteller der Welt, agiert jedoch in einem Markt schwerster Umbrüche. Van Houtens Argument, dafür sei sie als eigenständige Firma flexibler und besser positioniert, haben die Anleger schon vom Siemens-Konzern und dessen Spin-off Osram gehört. Und wurden enttäuscht.

Dass die Lichtfirma ihre Aktien wie von Philips avisiert via IPO verkaufen und so Geld in die Kassen spülen kann, bezweifeln einige Experten. Womöglich bleibt am Ende nur die Osram-Lösung, wonach die Philips-Eigner für umsonst Lichtaktien in ihre Depots gebucht bekommen.

Gemischte Perspektiven für Healthtech

Auch für die künftige Healthtech-Firma sind die Perspektiven gemischt. Zwar ist Philips stark in der Patientenüberwachung und zählt auch bei Ultraschall- und Röntgengeräten zu den weltgrößten Anbietern. Doch wachsen in Schwellenländern, insbesondere China, immer mehr Hersteller heran, die die etablierten westlichen Rivalen mit einfachen Geräten von unten angreifen.

Bei den margenträchtigen High-Tech-Geräten wie Computer- oder Magnetresonanztomografen hat Philips den Anschluss gegenüber General Electric und Siemens  technologisch weitgehend verpasst und verkauft primär, so klagen Konkurrenten, über Billigpreise.

Van Houten indes beschwört die Synergien aus der Zusammenlegung der Medizintechnik mit der Konsumelektronik zu einem "Healthtech"-Konzern und lockt mit der Konvergenz von professioneller und privater Gesundheitstechnik, auch dank des Zauberworts "Big Data".

Und mit der Aussicht auf Akquisitionen: "Sobald wir weiter wachsen, werden wir auch Möglichkeiten haben, unser Portfolio durch Zukäufe weiter zu stärken", sagt er. Im weiteren Verlauf des Jahres 2015 werde es wegen der Aufspaltungsvorbereitungen aber keine große Akquisition mehr geben.

Philips wird selbst zum Übernahmekandidaten

Das Hauptquartier des Philips-Konkurrenten Samsung in Seoul.

Das Hauptquartier des Philips-Konkurrenten Samsung in Seoul.

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Doch zunächst wird Philips selber durch die Aufspaltung mehr denn je zum Übernahmekandidaten. "Damit wird jeder Teil für sich übernahmefähig", konstatiert ein Vorstand eines Konkurrenzunternehmens.

Van Houtens neuer Philips-Healthtech-Konzern wäre gar für eine ganze Reihe von finanzstarken Rivalen eine sinnvolle Ergänzung: für den US-Konzern Johnson & Johnson, für den südkoreanischen Multi Samsung, den japanischen Toshiba-Konzern sowie für die aufstrebenden Anbieter aus China.

Dass jüngst auf der Medizintechnikmesse Medica in Düsseldorf mit Mindray, Sonoscape und Landwind Medical gleich drei Rivalen aus dem Reich der Mitte ausstellten, verdeutlicht deren Ambitionen auch in Europa.

Vergangenen Herbst sagte van Houten, eine 123 Jahre alte Gesellschaft müssse sich ständig neu erfinden. "Tut sie das nicht, wird sie obsolet." Endet Philips in den nächsten Jahren unter dem Dach eines Konkurrenten, würde wohl auch van Houtens Posten überflüssig.

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