Donnerstag, 19. September 2019

Private-Equity-Manager Philipp Freise Dieser Mann zieht die Fäden bei KKRs Axel-Springer-Deal

Private-Equity-Manager und Opern-Fan: Philipp Freise, KKRs Mann für Axel Springer.
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Private-Equity-Manager und Opern-Fan: Philipp Freise, KKRs Mann für Axel Springer.

Jungenhafte Gesichtszüge, unauffälliger Seitenscheitel, randlose Brille und selbstverständlich der obligatorische dunkle Anzug - ist das der neue starke Mann bei Axel Springer?

Philipp Freise war bereits maßgeblich daran beteiligt, als der US-Finanzinvestor KKR Anfang der 2000er Jahre den Düsseldorfer Kranhersteller Demag Cranes übernahm. Ebenso begleitete er etwa zur gleichen Zeit den Einstieg seines Arbeitgebers beim österreichischen Leuchtenhersteller Zumtobel sowie wenige Jahre später beim Münchener Triebwerkbauer MTU Aero Engines. Wirklich zuhause ist Freise in der Old Economy jedoch nicht: Der 46-Jährige ist KKRs Europachef für Medien- und Technologiebeteiligungen (TMT).

Als solcher gilt Freise als eine der zentralen Figuren hinter dem Einstieg der Amerikaner beim hiesigen Verlagskonzern Axel Springer - und als einer, der beim Herausgeber von "Bild" und "Welt" künftig - beispielsweise im Aufsichtsrat - eine wichtige Rolle spielen könnte.

Am Montag teilten Axel Springer und KKR mit, dass die Mindest-Annahmeschwelle des KKR-Übernahmeangebots überschritten worden sei. Damit verfügen die Amerikaner bereits über mehr als 20 Prozent der Anteile an dem Medien-Konzern, und bis zum Ende der Frist am 7. August können noch weitere Prozente hinzukommen. Zusammen mit Verlegerwitwe Friede Springer, die 42,6 Prozent der Anteile hält, sowie CEO Mathias Döpfner (2,8 Prozent) wird KKR also künftig die Geschicke der Axel-Springer-Gruppe lenken.

KKR-Mann Freise wird in der Verlagszentrale in Berlin in Zukunft daher womöglich häufiger zu sehen sein. Der Private-Equity-Manager verfügt bereits über viel Erfahrung im europäischen und insbesondere deutschen Mediengeschäft. Vor wenigen Jahren brachte er in Diensten von KKR gemeinsam mit Permira, einer anderen Größe im internationalen Beteiligungsgeschäft, die Sendergruppe ProsiebenSat1 wieder auf Vordermann. Dort hatte Freise auch bereits Kontakt zu Springer-Chef Döpfner, mit er gemeinsam im ProsiebenSat1-Aufsichtsrat saß.

Bei Bertelsmann in Gütersloh ist Freise ebenfalls kein Unbekannter: Er half tatkräftig, die Bertelsmann Music Group (BMG) aufzubauen und zu globaler Bedeutung zu führen.

Weitere Unternehmen in Freises Investoren-Vita sind: die Fotoplattform Fotolia, die Buchungs-Website Getyourguide sowie der Online-Marktplatz Scout24 Schweiz. Darüber hinaus verantwortet er die KKR-Investments in die Ticketwebsite Trainline sowie das Marktforschungsinstitut GfK, wo er in beiden Fällen ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt. Plus: Freise ist zudem der entscheidende Mann bei einem neuen Medienkonglomerat, das KKR gerade mit einer Reihe weiterer Investments um die Tele München Gruppe aufbaut.

Nun also Axel Springer. Wie kaum ein anderes Medienunternehmen hierzulande treibt der MDax-Konzern seit Jahren seine Modernisierung voran: Weg vom traditionellen Pressewesen, hin zu digitalen Geschäftsmodellen, nicht nur im eigenen Lande, sondern weltweit. 74 Prozent des Axel-Springer-Umsatzes sowie 87 Prozent des Gewinns stammen Berichten zufolge inzwischen aus digitalen Geschäften wie dem Jobportal Stepstone oder der Immobilienseite Immowelt. Auch internationale Online-Publikationen wie Business Insider, Upday oder Politico hat der Konzern inzwischen im Portfolio. Verschiedene Zeitungen ("Hamburger Abendblatt", "Berliner Morgenpost") oder Zeitschriften ("Hörzu") dagegen wurden bereits verkauft.

Um bei der Digitalisierung und Internationalisierung Kurs zu halten, benötigt Axel Springer allerdings Geld für weitere Investitionen - und das soll von KKR kommen. Und nicht nur das: Die Amerikaner wollen dem deutschen Unternehmen auch mit ihrem internationalen Netzwerk helfen. Schließlich verfügt KKR weltweit über eine große Zahl an TMT-Investments - da dürfte auch Spannendes für Axel Springer dabei sein.

Auch KKR-Mann Freise dürfte - zumindest virtuell - ein dickes Adressbuch mit sich herumtragen, das für Axel Springer nützlich sein könnte. Freise agiert bereits seit mehr als 20 Jahren in der weltweiten Tech- und Medien-Szene. Seine Karriere liest sich, als hätte sie sich ein Business-Coach ausgedacht: Nach dem Studium an der WHU Vallendar sowie in Lille und Austin, Texas, startete er 1996 bei McKinsey, bevor er 1999 mit Partnern den Berliner Inkubator Venturepark ins Leben rief, mit dem er in Tech- und Medien-Start-ups investiert. 2001 folgte der Einstieg bei KKR, wo er seit 2012 das europäische TMT-Team leitet.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Dem KKR-Springer-Deal hat Freise offenbar einen persönlichen Stempel aufgedrückt. Der Opern-Fan ist regelmäßiger Besucher der Bayreuther Festspiele und sitzt im Vorstand der "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth", in der sich zahlreiche Mäzene der Festspiele zusammengeschlossen haben. Der Name des Investmentvehikels, mit dem KKR bei Axel Springer einsteigt, kommt also vermutlich nicht von ungefähr: Es heißt Traviata II, mit Anspielung auf die berühmte Oper von Guiseppe Verdi.

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