Zittern bei Reedereien und Fondsanlegern Hanjins Groß-Gläubiger sitzen in Hamburg und München

Reederei in Not: Vor zwei Monaten meldete Hanjin Insolvenz an - vor allem in Deutschland zittern seither Gläubiger um viel Geld

Reederei in Not: Vor zwei Monaten meldete Hanjin Insolvenz an - vor allem in Deutschland zittern seither Gläubiger um viel Geld

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Großreederei löst Branchenbeben aus: Darum könnte Hanjin zum Lehman Brothers der Schifffahrt werden

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Auch zwei Monate nach dem Insolvenzantrag sorgt die koreanische Großreederei Hanjin weiter für schlechte Nachrichten. Die jüngste: Die siebtgrößte Linienreederei der Welt hat bei Gericht in ihrem Heimatland beantragt, sämtliche Standorte in Europa zu schließen, darunter auch das europäische Hauptquartier in Hamburg mit etwa 200 Mitarbeitern. Damit wird immer deutlicher, dass eine Rettung des Unternehmens im großen Stil kaum noch zu erwarten ist.

Immer klarer wird zudem auch, dass es vor allem deutsche Unternehmen sind, die angesichts der Pleite der koreanischen Großreederei um ausstehende Gelder zittern - und deutsche Geldanleger. Der beste Beleg dafür findet sich in der Liste der Gläubiger, die vom Insolvenzverwalter in Korea veröffentlicht wurde.

Der Aufstellung zufolge, aus der der Schiffsinformationsdienst "Alphaliner" zitiert, hatten bereits zwei Wochen vor Ende der Meldefrist etwa 3000 Gläubiger aus aller Welt Forderungen in Höhe von zusammen rund 730 Millionen Euro (901 Milliarden koreanische Won) angemeldet. Inzwischen dürften noch weitere Forderungen hinzu gekommen sein, so "Alphaliner". Der Annahmeschluss war demnach der gestrige Dienstag, der 25. Oktober.

Zum Vergleich: Insgesamt belaufen sich Hanjins Schulden auf rund 4,8 Milliarden Euro.

Die Gläubigerliste offenbart zudem das Ausmaß, in dem deutsche Firmen von der Hanjin-Pleite betroffen sind. Und das ist ziemlich groß.

Hintergrund: Deutschlands größter Hafen in Hamburg ist für das Europa-Geschäft der Hanjin-Reederei von besonderer Bedeutung. Die Koreaner gehörten mit einem Ladungsaufkommen von mehr als 200.000 Standardcontainern (TEU) pro Jahr bislang zu den zehn größten Schifffahrtskunden der Hansestadt, schreibt das dortige "Abendblatt".

Kein Wunder also, dass die Firma Eurogate, die in Hamburg einen von vier Containerterminals betreibt, auf der Gläubigerliste von Hanjin weit oben auftaucht. Mit Forderungen in Höhe von beinahe zehn Millionen Dollar (9,2 Millionen Euro) ist Eurogate laut "Alphaliner" unter allen Hafenabfertigern weltweit der drittgrößte Hanjin-Gläubiger. Auf noch mehr Gelder warten demnach lediglich die Firma Total Terminals in Long Beach (mehr als 30 Millionen Dollar) sowie Yantian International im Hafen von Shenzhen (etwa 13 Millionen Dollar).

Hamburger Reederei Döhle wartet auf mehr als 30 Millionen Dollar

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Eine Sprecherin von Eurogate bestätigte gegenüber manager magazin online, dass Hanjin Außenstände bei Eurogate habe, wollte sich zu deren Höhe jedoch nicht äußern. "Aufgrund der Insolvenz verlieren wir einen langjährigen Großkunden, mit dem wir lange Zeit eng verbunden waren", so die Sprecherin. "Die Hanjin-Insolvenz bringt Eurogate jedoch nicht in geschäftliche Schwierigkeiten." Wie sich die Insolvenz auf Eurogate konkret auswirken werde, sei derzeit noch nicht absehbar.

In Hamburg befindet sich allerdings nicht nur einer der wichtigsten europäischen Seehäfen. Deutschland verfügt vielmehr auch darüber hinaus - ebenfalls hauptsächlich in Hamburg angesiedelt - über eine bedeutende und traditionsreiche maritime Wirtschaft. Insbesondere in den Jahren vor der 2008er Finanzkrise bekam diese Branche einen enormen Schub, als viel Geld von Privatanlegern über Schiffsfonds in den Markt floss und die deutsche Handelsflotte gewaltig wachsen ließ.

Dass auch einige der hiesigen Reedereien und anderer Schiffsunternehmen nicht unbeschadet von der Hanjin-Pleite bleiben dürften, überrascht daher wenig. Tatsächlich befinden sich vor allem zwei deutsche Firmen unter den größten Gläubigern der Koreaner: Die Hamburger Peter Döhle-Gruppe, 1956 gegründet und mit fast 7000 Mitarbeitern weltweit sowie einer Flotte von 500 Schiffen inzwischen einer der großen Player hierzulande, sowie die Conti-Gruppe aus München, die in den vergangenen Jahren reihenweise geschlossene Schiffsfonds auf den Markt brachte und sich selbst nun als "eine der größten und modernsten Reedereien weltweit" bezeichnet.

Auf der Gläubigerliste von Hanjin tauchen beide Unternehmen weit vorne auf. Die Döhle-Gruppe, die einige ihrer Schiffe an Hanjin vermietet hat, wartet demnach auf ausstehende Chartergelder in Höhe von deutlich mehr als 30 Millionen Dollar (27,6 Millionen Euro). Das Unternehmen ist damit laut "Alphaliner" weltweit drittgrößer Einzelgläubiger von Hanjin. Lediglich die taiwanesische Reederei Seaspan (mehr als 40 Millionen Dollar) sowie die griechische Danaos (Mehr als 35 Millionen Dollar) haben der Auflistung zufolge höhere Außenstände in dem Insolvenzverfahren.

Döhle-Geschäftsführerin Gaby Bornheim wollte auf Anfrage zur Hanjin-Pleite und den Auswirkungen auf ihr Unternehmen keine Auskünfte geben. Auch die Höhe der Forderungen bestätigte Bornheim nicht.

Schiffsfonds-Anleger von Conti bangen um fast 60 Millionen Dollar

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Getoppt werden die ausstehenden Beträge dieser drei Reedereien lediglich von einer Gruppe von Gläubigern, die sich aufgrund eines verbindenden Elements zusammenfassen lassen: Es handelt sich um Fonds der Conti-Gruppe aus München.

Wie "Alphaliner" berichtet, sind bei Conti insgesamt zwölf Schiffs-Kommanditgesellschaften - die Rechtsform, die in der Vergangenheit üblicherweise für Schiffsbeteiligungen gewählt wurde - von der Hanjin-Pleite betroffen. Deren Forderungen summieren sich auf insgesamt beinahe 60 Millionen Dollar (55 Millionen Euro), so der Informationsdienst.

Zum Hintergrund: Conti gehörte in der Vergangenheit zu den Firmen, die am Schiffsbeteiligungsmarkt ein besonders großes Rad gedreht haben. Insgesamt umfasst die Flotte des Unternehmens eigenen Angaben zufolge derzeit 70 Schiffe, von denen zwölf offenbar an Hanjin vermietet wurden. Rund 1,7 Milliarden Euro von etwa 15.000 Privatanlegern seien im Laufe der Jahre für Investitionen in zusammen 144 Schiffsfonds eingesammelt worden, so Conti.

Spätestens seit der Hanjin-Pleite dürften nun also auch einige Hundert Anleger von Conti-Schiffsfonds um ihre Investments bangen. Eine Stellungnahme zu dem Thema war von Conti auf Anfrage nicht zu bekommen.

Zahlen und Fakten: So könnte Hanjin zum Lehman-Brothers der Schifffahrt werden

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