Nokia holt Pekka Lundmark von Fortum Diese Personalie trifft 5G und Energiewende zugleich

Pekka Lundmark (l) und der scheidende Nokia-Chef Rajeev Suri

Pekka Lundmark (l) und der scheidende Nokia-Chef Rajeev Suri

Foto: Markku Ulander / Lehtikuva / AFP

Finnlands wichtigste Chefetagen stehen vor einem großen Austausch. Pekka Lundmark (57) werde zum 1. September Rajeev Suri als Nokia-Chef ablösen, teilte der größte europäische Netzwerkausrüster am Montag mit. Aufsichtsratschef Risto Siilasmaa, der die Wahl verkündete, soll auf der Hauptversammlung im April von Sari Baldauf abgelöst werden, die auch im Kontrollgremium von Daimler sitzt.

Eine neue Spitze braucht auch der Energiekonzern Fortum, von wo Nokia den Vorstandschef Pekka Lundmark abwarb. "Ich verlasse Fortum mit schwerem Herzen", teilte Lundmark mit. Das Unternehmen und der europäische Energiemarkt insgesamt seien an einem "extrem interessanten Punkt". Die von Nokia angebotene Gelegenheit sei aber "zu attraktiv, um sie vorbeiziehen zu lassen". Lundmark hatte, vor einem Zwischenspiel beim Maschinenbauer Kone Cranes, auch schon einmal ein Jahrzehnt lang in Nokias Netzwerksparte gearbeitet.

Beide Unternehmen stehen vor strategischen Herausforderungen von großer gesellschaftlicher Tragweite. Die neue Führung muss Entscheidungen treffen, die vom Ausbau der 5G-Netze bis zum deutschen Kohleausstieg reichen.

Der einstige Mobiltelefon-Weltmarktführer Nokia hat sich unter Suri komplett auf das Ausrüsten von Telekommunikationsnetzen konzentriert, nachdem das Handy-Geschäft und der Kartendienst Here verkauft wurden. Dafür übernahm Nokia nicht nur komplett das Geschäft des langjährigen Partners Siemens, sondern kaufte auch den Konkurrenten Alcatel-Lucent.

Mit dem Bau der 5G-Datennetze wird der Fokus auf Infrastruktur plötzlich zur heißen Wette. Nokia ist einer von wenigen verbliebenen Wettbewerbern des chinesischen Marktführers Huawei, der von den USA und einigen anderen Märkten ausgeschlossen wird. Das faktische Duopol mit dem schwedischen Rivalen Ericsson wissen die Finnen aber kaum zu nutzen.

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Beide spüren den Preisdruck von chinesischen Konkurrenten wie Huawei und ZTE. Nokia agierte zuletzt eher glücklos und schloss das vergangene Jahr mit einem mageren Gewinn von sieben Millionen Euro ab - nach einem Verlust von 340 Millionen Euro 2018. Auch Kunden wie die Deutsche Telekom hadern mit Nokias Leistung.

Eine deutliche Verbesserung hatte Suri angesichts hoher Kosten für die weitere Entwicklung von 5G-Technik erst zum kommenden Jahr in Aussicht gestellt. Die Anleger verlieren die Geduld: Nach einer Gewinnwarnung im Oktober verlor das Unternehmen an einem Tag fast ein Viertel seines Werts. Der Finanzdienst "Bloomberg" berichtete vergangene Woche , Nokia prüfe strategische Optionen vom Verkauf von Firmenteilen bis hin zu einer Fusion.

Die amerikanische Regierung brachte jüngst auch eine US-Beteiligung an Nokia und Ericsson ins Gespräch, um die Zukunftstechnik auch ohne Chinas Hilfe hinzubekommen. In der Branche kann man sich zumindest vorstellen, dass ein Konzern aus den USA bei den Firmen einsteigen könnte.

Zum Abschied noch ein neues Kohlekraftwerk

Greenpeace-Protest gegen Pekka Lundmark (als Fortum-Chef) am Kohlekraftwerk Datteln 4 Ende Februar

Greenpeace-Protest gegen Pekka Lundmark (als Fortum-Chef) am Kohlekraftwerk Datteln 4 Ende Februar

Foto: Ina Fassbender / AFP

Kaum geringer ist die Aufgabe für Fortum, das vor dem Aufstieg zu einem der größten Energiekonzerne Europas steht. Ebenfalls am Montag meldeten die Finnen, die russische Antimonopolbehörde habe den Kauf von weiteren Aktien des deutschen Kraftwerkskonzerns Uniper gebilligt. Eine Fusionsfreigabe werde in den kommenden Wochen erwartet.

Fortum hält bislang 49,99 Prozent an Uniper und hat sich weitere mehr als 20 Prozent gesichert, die bislang von Investoren gehalten werden. Ein Veto aus Russland hatte bisher die Übernahme der Mehrheit durch Fortum blockiert. Seit Anfang 2018 ringen die Finnen um die Kontrolle der früheren Eon-Tochter.

Uniper ist vor allem wegen der Wasser- und Gaskraftwerke in Schweden und Russland für Fortum attraktiv. Auch in Deutschland zählt der Konzern zu den größten Stromerzeugern. Dazu gehört auch das umstrittene Steinkohlekraftwerk Datteln 4, das im Sommer ans Netz gehen soll. Zudem besitzt der Konzern große Gasspeicher und ist an der Finanzierung der Ostseepipeline Nord Stream 2 beteiligt.

Wegen Datteln 4 hatten Klimaaktivisten jüngst Druck auf Finnland aufgebaut. Selbst Volkswagen-Chef Herbert Diess kritisierte im Februar auf LinkedIn  den Kohleeinstieg in Datteln als "paradox". Der Schritt stelle auch die Investitionen seines eigenen Konzerns in saubere Mobilität infrage.

Fortum gehört zur Hälfte dem finnischen Staat, der in der Heimat einen schnellen Kohleausstieg verlangt, sich aus Unternehmensentscheidungen im Ausland jedoch heraushalten will. Lundmark hatte bislang Unipers Kohlekurs verteidigt.

Auch nach dem Abgang von Lundmark werde sich an der Strategie von Fortum mit Blick auf Uniper nichts ändern, versicherte der Vorsitzende des Fortum-Verwaltungsrats, Matti Lievonen, in der Mitteilung.

mit Material von dpa-afx
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