Freitag, 20. September 2019

Kunstsammler Patrick Drahi greift zu Telekom-Milliardär kauft Auktionshaus Sotheby's

Künftiger Auktionshausinhaber: Telekom-Milliardär Patrick Drahi

Gewöhnlich sorgt das internationale Auktionshaus Sotheby's mit Rekordpreisen für Gemälde, Skulpturen, klassische Automobile oder ähnliches für Schlagzeilen. Diesmal steht das Unternehmen jedoch selbst im Mittelpunkt: Wie Sotheby's am Montag bekanntgab, gibt es eine Vereinbarung mit Bidfair USA, einem Unternehmen, hinter dem der israelisch-französische Medien-und Telekomunternehmer Patrick Drahi steht. Dieser Vereinbarung zufolge will Bidfair USA Sotheby's übernehmen und von der Börse nehmen - es müssen offenbar nur noch die Aktionäre zustimmen.

Vereinbart wurde der Mitteilung zufolge ein Übernahmepreis von 57 Dollar je Sotheby's-Aktie. Gegenüber dem jüngsten Aktienkurs von 35 Dollar bedeutet das einen enormen Aufschlag, kein Wunder also, dass das Papier am Montag mit einem Plus von fast 60 Prozent regelrecht in die Höhe schoss. Laut Mitteilung von Sotheby's hat der Deal ein Gesamtvolumen von 3,7 Milliarden Dollar.

Hintergrund: Sotheby's wurde 1744 in London gegründet und wetteifert mit Christie's um die Vorherrschaft im weltweiten Auktionsgeschäft. 2018 erzielte Sotheby's damit einen Umsatz von 6,4 Milliarden Dollar - Christie's hatte mit sieben Milliarden Dollar die Nase vorn. Anders als der große Konkurrent ist Sotheby's seit etwa 30 Jahren an der New Yorker Börse notiert - doch nun offenbar womöglich nicht mehr lange.

Der potenzielle Käufer Patrick Drahi ist kein unbeschriebenes Blatt, weder am Kunstmarkt, wo er sich einen Namen als Sammler gemacht hat, noch im M&A-Geschäft. manager-magazin.de berichtete bereits vor einigen Jahren, wie Drahi mit aggressiven Unternehmenskäufen den europäischen Telekommarkt aufrollt.

Dabei hat der Sohn jüdischer Eltern, der als Teenager von Marokko nach Frankreich kam, klein angefangen. Nach dem Besuch französischer Eliteschulen folgte der Einstieg bei Philips, das war 1988. Drahi merkte jedoch schnell, dass er Größeres wollte. Anfang der 1990er - mit gerade mal 28 - gründet er sein eigenes Telekom-Unternehmen. Er verkauft selbst Kabelanschlüsse an Haustüren, bevor er das Unternehmen an sein Idol, Liberty-Media-Chef John Malone, veräußert und dort mit anheuert. Bei Malone lernt er das eigentliche Geschäft: Zukäufe, auf Pump finanziert, im ganz großen Stil.

2002 geht er wieder mit einem eigenen Unternehmen an den Start, der Altice Gruppe. Innerhalb weniger Jahre kauft er sich ein Imperium zusammen - aus mehr als 20 Kabelnetzbetreibern und Mobilfunkunternehmen in Europa, den USA, Israel, der Dominikanischen Republik und den USA. Und auch ins Mediengeschäft wagte er sich, ist bei der der linken Zeitung " Liberation " und dem Magazin " L'express " investiert und besitzt mehrere Fernsehsender.

In den vergangenen Jahren jagte bei dem Multimilliardär, den "Forbes" auf ein Privatvermögen von mehr als neun Milliarden Dollar taxiert, ein Deal den nächsten. Das übergeordnete Ziel: Drahi schraubt an seinem weltumspannenden Telekomriesen.

Und nun also Sotheby's. Das Auktionshaus lobt den wohl künftigen Eigner in der Mitteilung in den höchsten Tönen. Drahi sei einer der angesehensten Unternehmer der Welt, so Auktionshaus-Chef Tad Smith.

Der so Gelobte gibt das Kompliment sogleich zurück. Sotheby's sei eine der elegantesten Marken weltweit, lässt sich Drahi zitieren. Weder an der Strategie noch am Management des Versteigerungsunternehmens will er Medienberichten zufolge etwas ändern.

Laut Mitteilung von Sotheby's soll der Deal im vierten Quartal dieses Jahres in trockenen Tüchern sein - dann könnte die rund 30jährige Börsengeschichte von Sotheby's ein Ende finden.

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