Sonntag, 18. August 2019

P&G verkauft Haarpflegespezialisten Milliardärsfamilie Reimann überbietet Henkel bei Wella

Werben um Wella:Der US-Konzern Coty hat offenbar die besseren Karten und dürfte Henkel ausstechen

New York - Die Übernahme des Shampoo-Herstellers Wella und weiterer Geschäftsbereiche von Procter & Gamble Börsen-Chart zeigen durch den US-Konzern Coty wird Insidern zufolge frühestens in zwei Wochen über die Bühne gehen. So lange werde es dauern, bis die Details der Transaktion ausgearbeitet seien, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen am Dienstag zu Reuters. Procter & Gamble werde dafür die betroffenen Geschäftsbereiche in eine eigene Firma auslagern. Coty soll dafür rund 12 Milliarden Dollar zahlen.

Anleger gehen unterdessen davon aus, dass sich Coty im Bieterrennen um Wella gegenüber dem deutschen Konzern Henkel Börsen-Chart zeigen durchsetzen wird. Die Aktie von Coty legte im US-Handel zeitweise um mehr als 15 Prozent zu.

Branchenkreisen zufolge hat Coty das Rennen um die drei Sparten von Procter & Gamble gewonnen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern Henkel hatte sich Insidern zufolge ebenfalls um Wella bemüht, hat nun aber offenbar das Nachsehen. Coty habe die anderen Interessenten für die Sparten Haarpflege, Duftstoffe und Kosmetik überboten, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person.

Ausgliederung verschafft Steuervorteile

Die "New York Post" hatte zuerst darüber berichtet, dass Coty sich als Bieter durchgesetzt habe. Laut "Post" verschafft die Ausgliederung in eine neue Gesellschaft und der anschließende Verkauf an Coty dem Verkäufer Procter & Gamble Börsen-Chart zeigen die Möglichkeit, kräftig Steuern zu sparen. Beim Thema steuersparende Transaktionen hat der wichtigste Coty-Anteilseigner, die deutsche Milliardärsfamilie Reimann, bereits reichlich Erfahrung gesammelt.

Coty lehnte eine Stellungnahme ab. Das Unternehmen stellt unter anderem Parfüm für Modemarken wie Calvin Klein oder Marc Jacobs her. Coty hat einen Börsenwert von 9,4 Milliarden Dollar.

Henkel-Chef nennt Akquisition "nicht dringend erforderlich"

Zu den Interessenten für die Haarpflegesparte Wella gehört auch der deutsche Konsumgüterkonzern Henkel. Henkel soll Interesse gehabt haben, mit einem Zukauf diesen Bereich im Konzern zu stärken. Auf die Körperpflege-Sparte entfällt bei den Düsseldorfern derzeit ein Umsatzanteil von 22 Prozent. Waschmittel machen 28 Prozent aus, 50 Prozent entfallen auf Klebstoffe.

Henkel-Chef Kasper Rorsted hatte erst am Wochenende in einem Interview der "Welt am Sonntag" eine mögliche Wella-Übernahme als Marktgerücht bezeichnet und den Vorgang nicht näher kommentiert. Er wies lediglich darauf hin, dass eine Großakquisition für den Konsumgüterkonzern nicht dringend erforderlich sei. "

Angebliche Henkel-Offerte für Wella

Reuters hatte von mehreren mit dem Vorgang vertrauten Personen erfahren, dass Henkel eine verbindliche Offerte für Wella vorgelegt habe, die fünf bis sieben Milliarden Dollar wert sein könne. Auch der Finanzinvestor KKR habe ein Gebot eingereicht. Wella wäre für Henkel der größte Zukauf seiner rund 140-jährigen Firmengeschichte.

Die Probleme des Konzerns in seinem größten Markt Nordamerika - wo Procter & Gamble einer der Hauptkonkurrenten ist - will Rorstedt entschlossener angehen. Henkel habe dort seine Hausaufgaben nicht gut genug gemacht, sei nun aber dabei, das Problem zu lösen. "Es hat einen Managementwechsel gegeben, wir haben eine Reihe von Innovationen auf den Markt gebracht, und wir investieren intensiv in unsere Marken". Im ersten Quartal 2015 sei Henkel in den USA zwar wieder gewachsen, aber das genüge ihm nicht, sagte Rorstedt. "Wir sind erst zufrieden, wenn wir mindestens vier bis sechs Quartale organisch - also ohne Zukäufe - gewachsen sein werden."

Zu seiner beruflichen Zukunft deutete der dänische Manager an, dass das Auslaufen seines aktuellen Anstellungsvertrags 2017 nicht das Ende seiner Tätigkeit bei Henkel bedeuten müsse: "Ich mache mir über meine nächste Amtsperiode noch keine großen Gedanken." Er betonte, er habe "ein extrem gutes Verhältnis zur Aufsichtsratsvorsitzenden Simone Bagel-Trah, die bei dem Traditionskonzern die mächtige Eigentümerfamilie vertritt.

Lesen Sie zu Coty auch: Milliardärsfamilie Reimann: Die Steuer-Künstler (Archiv)

Alle relevanten News des Tages gratis auf Ihr Smartphone. Sichern Sie sich jetzt die neue kostenlose App von manager-magazin.de. Für Apple-Geräte hier und für Android-Geräte hier. Viel Vergnügen bei der Lektüre!

ts/Reuters

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung