Dienstag, 12. November 2019

Purdue Pharma vor 11-Milliarden-Dollar Vergleich, Insolvenz geplant Wie der Sackler-Clan die Opioid-Klagen beilegen will

Protest gegen den Sackler-Clan (in Paris): Die Gründer von Purdue Pharma verdienten Milliarden mit Opioiden. Vor allem im mittleren Westen der USA sind Tausende vom Schmerzmittel Oxycontin abhängig
STEPHANE DE SAKUTIN/ AFP
Protest gegen den Sackler-Clan (in Paris): Die Gründer von Purdue Pharma verdienten Milliarden mit Opioiden. Vor allem im mittleren Westen der USA sind Tausende vom Schmerzmittel Oxycontin abhängig

Der im Zentrum des Schmerzmittel-Welle stehende Pharmakonzern Purdue steht offenbar vor einem milliardenschweren Vergleich zur Beilegung des Großteils an Rechtsstreitigkeiten. Die Eigentümerfamilie des Herstellers des Schmerzmittels Oxycontin, Sackler, habe sich mit den Behörden auf ein Paket im Volumen von mehr als elf Milliarden Dollar (rund zehn Mrd Euro) geeinigt, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Das wäre damit die bisher höchste Vergleichssumme im Zusammenhang mit der in den USA grassierenden Welle der Opioid-Abhängigkeit. Opioide sind zum Teil synthetisch hergestellte Arzneimittel (wie etwa Oxycontin) mit unter anderem schmerzlindernden Eigenschaften.

Die Firma werde dabei in die Insolvenz geschickt und in eine Stiftung der öffentlichen Hand überführt. Zudem soll die außerhalb der Vereinigten Staaten aktive Tochter Mundipharma verkauft werden.

Die Familie Sackler, die den Hersteller seit Anfang der 1950er-Jahre besitzt und Milliarden an der Opioidkrise in den USA verdient hat, soll drei Milliarden Dollar zahlen. Insgesamt sollen so rund 11,5 Milliarden Dollar für die Entschädigung von Opfern der Schmerzmittel-Welle zusammenkommen. Im Gegenzug sollen rund 2000 Klagen von Städten, Bezirken und Bundesstaaten fallen gelassen werden. Das wäre ein Großteil der derzeit gegen Purdue laufenden Verfahren.

Johnson und Johnson zahlt 572 Millionen Dollar

Am Montag hatte ein Gericht den Pharmakonzern Johnson & Johnson (J&J) wegen unrechtmäßiger Vermarktung von suchtgefährdenden Schmerzmitteln zu einer Zahlung von 572 Millionen Dollar verurteilt. Der Konzern habe zur Welle dieser Medikamentenabhängigkeit im Bundesstaat Oklahoma beigetragen, hieß es in der Begründung. Johnson & Johnson kündigte umgehend an, Berufung gegen die Entscheidung einzulegen. Der Generalstaatsanwalt von Oklahoma, Mike Hunter, hatte dem Konzern vorgeworfen, mit suchtgefährdenden Schmerzmitteln ein Wegbereiter der Opioid-Welle und Drogenkrise gewesen zu sein.

Johnson & Johnson wurde in der Klage beschuldigt, aus Profitgier Suchtrisiken bei der Vermarktung der Medikamente durch irreführende Angaben verschleiert zu haben. Oklahomas Staatsanwalt Hunter hatte eine noch deutlich höhere Strafe von über 17 Milliarden Dollar gefordert. Anleger hatten das Urteil aus diesem Grund mit Erleichterung aufgenommen. Der Aktienkurs des Unternehmens, das mit einem Börsenwert von 342 Milliarden Dollar zu den wertvollsten Konzernen der USA zählt, legte in einem etwas schwächeren Markt mehr als ein Prozent zu.

la/dpa-afx

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung