Mittwoch, 22. Mai 2019

Umbau der Ex-Siemens-Tochter Osram-Investitionspläne schocken die Aktionäre

Osram: Der Lichtkonzern durchläuft eine zweite Sparwelle. Zudem soll das Geschäft mit LED-, Halogen- und Energiesparlampen abgespalten werden

Der Leuchtmittelhersteller Osram setzt mit Milliardeninvestitionen voll auf die zukunftsträchtige LED-Technik. Bis 2020 wollen die Münchner zwei Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung in dem Bereich ausgeben, hinzu kommt eine weitere Milliarde für den Aufbau einer LED-Chipfabrik in Malaysia, wie die ehemalige Siemens -Tochter mitteilte.

"Damit schalten wir um auf nachhaltiges Wachstum und nutzen noch stärker die Potenziale der halbleiterbasierten Technologien", erklärte der seit knapp einem Jahr amtierende Vorstandschef Olaf Berlien.

Aktionäre sehen die Investitionen skeptisch: Die im MDax Börsen-Chart zeigen notierte Aktie der Ex-Siemens-Tochter brach am Mittwoch um mehr als 28 Prozent ein.

Osram will damit die Umsatzeinbußen, die durch die Trennung vom Geschäft mit herkömmlichen Glühlampen entstehen, weitgehend wettmachen und bis 2020 auf einen Umsatz von bis zu 5,5 Milliarden Euro kommen. Das Betriebsergebnis (Ebitda) soll sich bis dahin auf bis zu eine Milliarde Euro nahezu verdoppeln.

Gewinn fällt um rund 10 Prozent

Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Nettogewinn wegen des laufenden Abbaus tausender Stellen um gut ein Zehntel auf 171,2 Millionen Euro gesunken. Der Umsatz kletterte dagegen um gut acht Prozent auf 5,57 Milliarden Euro, davon entfielen noch zwei Milliarden Euro auf das zum Verkauf stehende Lampengeschäft.

Osram spaltet derzeit seine Glühbirnensparte ab, vor allem chinesische Firmen interessieren sich für das Geschäftsfeld. Das Unternehmen will sich auf Leuchtdioden-Chips und die einträgliche Spezialbeleuchtung für die Autobranche konzentrieren. Die Leuchtmittelbranche steckt mitten im Umbruch, immer mehr Kunden schwenken auf die stromsparenden LEDs um. Auch im Autobereich werden immer mehr der winzigen und zugleich lichtstarken Leuchtdioden verbaut.

40 Prozent des Umsatzes mit LED-basierter Technik

Bereits jetzt macht Osram gut 40 Prozent seines Umsatz mit LED-basierter Technik. Auf dem Markt haben die etablierten Leuchtmittelanbieter wie GE und Philips zunehmend mit neuen Rivalen aus Asien und den USA zu kämpfen.

Seinen Aktionäre will Osram für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von 90 Cent je Anteilsschein zahlen. Im neuen Geschäftsjahr soll das so bleiben. Hinzu kommt ein Aktienrückkauf, für den das Unternehmen ab Januar bis zu 500 Millionen Euro ausgeben will.

Rund 11.000 Mitarbeiter von Ausgliederung betroffen

Das Unternehmen durchläuft derzeit die zweite Sparwelle in Folge mit dem neuerlichen Abbau tausender Jobs. Vor diesem Hintergrund hatte Vorstandschef Olaf Berlien im April die Abspaltung des Geschäfts mit Halogen- und Energiesparlampen, aber auch modernen LED-Lampen, auf den Weg gebracht.

Die Sparte soll in eine eigenständige Tochter mit dem Arbeitstitel "Lamps" ausgegliedert werden. Betroffen sind voraussichtlich etwa 11.000 der zuletzt rund 33.000 Beschäftigten des Konzerns, davon in Deutschland voraussichtlich etwas weniger als 3000 Mitarbeiter.

Werke in Regensburg und Schwabmünchen sollen bei Osram bleiben

Aufgeteilt werden den Plänen zufolge die Osram-Werke in Berlin und Eichstätt, aber auch die Unternehmenszentrale in München. Der Standort Schwabmünchen, der Vorerzeugnisse für Lampen fertigt, soll ebenso bei Osram verbleiben, wie das größte deutsche Osram-Werk in Regensburg. Augsburg dagegen wird bis auf das dort angesiedelte Qualitätsmanagement und bestimmte Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zu "Lamps" übergehen.

Organisatorisch soll die Abspaltung bis April kommenden Jahres über die Bühne sein, ab Juli kommenden Jahres soll die Tochter dann als rechtlich eigenständiges Unternehmen agieren können.

Zukunft der Tochter "Lamps" weiterhin offen

Unternehmensführung und Arbeitnehmervertreter hatten sich kürzlich rechtsverbindlich auch auf einen sogenannten sozialen Rahmen dafür geeinigt, wie auch die "Süddeutsche Zeitung" berichtete. Demnach wurden unter anderem die derzeit geltenden Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten bis Ende 2018 gesichert und festgelegt, dass Betriebsvereinbarungen weiter gelten. Die Arbeitnehmervertreter ließen sich auch zusichern, dass sie im Falle eines Eigentümerwechsels rechtzeitig und umfassend eingebunden werden. Osram verpflichtete sich mit der Vereinbarung zudem, bei potenziellen Käufern sicherzustellen, dass sie "redliche Arbeitgeber" sind.

Was genau aus der Tochter wird, ist aber bisher offen. Derzeit soll es etwa eine Handvoll Interessenten für sie geben, doch dürfte die Erarbeitung des Datenraums noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Grundsätzlich kommen Joint-Ventures, Partnerschaften oder der Einstieg eines Finanzinvestors ebenso infrage, wie ein sogenannter Spin-Off, also die Abspaltung über die Börse, wie Berlien deutlich gemacht hatte.

Weitere Details könnte es an diesem Mittwoch geben, wenn Berlien die Jahresbilanz von Osram vorlegt.

la/dpa

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